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Der Israelit · 1879-07-09 · Heft 28 (9.7.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 28 (9.7.1879)
Date
1879-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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732 Der Knabe, den die Frau spater gebar und den Gott in so wunderbarer Weise errettet hatte, ward eia großer, ein heiliger Mann; er hieß Rabbi Jehudah, unsre Väter geben ihm den Beinamen ha Chaßid, der Fromme/'" „Ja, ja", sagte der Kaiser, „Gottes Barmherzigkeit ist groß. Er erweist Huld und Gnade den Ungeborenen." Carl gedachte wohl der eigenthümlichen Umstande seiner eigenen Geburt, von denen man ihm erzählt hatte. Er, der zwei Welten beherrschen sollte, war an einem Orte geboren, welcher der Frau des geringsten Tagelöhners zu schlecht erscheinen würde. Lange stand der Kaiser schweigend da und betrachtete die so sonderbar gestaltete Einbiegung der Mauer; dann forderte er Rabbi Joselmann auf, ihn in die Synagoge zu führen. Da traten sie denn ein in das alte, jüdische Gotteshaus, dessen gewaltige Mauern schon damals , vor jetzt 358 Jahren, viele Jahrhunderte an sich vorüber hatten ziehen sehen. Namentlich war es das Nor tamid fchel schne Orchim, die ewige Lampe der beiden Fremden, welche des Kaisers Aufmerksamkeit erregte. „„Einst"", erklärte Rabbi Joselmann, „„hatte man ein todtes Kind gefunden und die Juden beschuldigt , es ermordet zu haben. Das sinnlose, abscheuliche Märchen sollte allen Juden das Leben kosten, wenn sie nicht den oder die Thäter bezeichneten. Das konnten sie aber nicht, denn das Kind war gar nicht von Jemandem aus ihrer Mitte ermordet worden. Da wollte man sie alle hinschlachten. Zwei unbekannte Fremde aber, die in Worms anwesend waren, übernahmen es, sich freiwillig als Mörder anzugeben, um so die Andern zu retten. Sie wurden verbrannt. Aber aus den Flammen stiegen zwei Tauben empor und flogen aufwärts. Zwei gottgesandte Engel hatten die Unschuldigen gerettet. Zum Andenken daran brennt diese ewige Lampe."" Unterdeß hatte der Rabbiner eine Thora-Rolle aus dem heiligen Schrein genommen und sie auf den zum Vorlesen der Thora bestimmten Tisch gelegt. „„Das ist"", erklärte Rabbi Joselmann, „„die heilige Schrift, der Pentateuch, in derselben Weise geschrieben, wie sie Mose einst auf Befehl des Allmächtigen niedergeschrieben hat. Diese Thora- Rolle, Majestät, hat noch eine besondere Bedeutung durch den Mann, der diese Abschrift verfertigt hat; es war dies Rabbi Me'ir von Rothenburg, einer der größten Lehrer meines Volkes, im Leben Rabbiner zu Rothenburg, zu Mainz und zu Nürnberg. In seinem Alter wollte er nach dem heiligen Lande auswandern. In Italien ließ ihn Kaiser Adolph von Nassau."" „Der Feind meines Hauses, der Gegevkaiser meines Urahnen, Albrecht von Habsburg!" „„Derselbe, Majestät. Dieser Kaiser ließ ihn gefangen setzen, in der Voraussetzung, daß die Juden ihn um schweres Geld würden auslösen In der That sammelten seine Schüler eine große Summe. Er aber verbot die Auslösung, weil sonst die Gewaltthaten, wenn sie den gewünschten Erfolg hätten. keine Ende nehmen würden. Er starb im Gefängnisse."" „Ein schöner Characterzug! Hast Du un noch etwas zu zeigen, Joselin?" „„Hier, neben der Synagoge befindet sich das Lehrhaus des berühmten Raschi, meines Urahnen des großen Erklärers der heiligen Schrift und des Talmuds. Wenn Eure Majestät befehlen ... „Nein, ich habe genug gesehen. Wir wollen heimreiten. Es ist auch an der Zeit, daß ich die zu Hunden Degradirten ins Menschendasein zu rückrufe." Unter den Segenswünschen der Rabbinen und der Vorsteher verließ die glänzende Versammlung die Synagoge. Da Rabbi Joselmanns Aufgabe als Führer zu dienen, beendigt war, wollte er sich in den Hintergrund zurückziehen; allein der Kaiser befahl ihm, auch auf dem Rückwege an seiner Seite zu bleiben. Und abermals sahen die Bewohner von Worms und die vielen zum Reichs tage hergekommenen Fremden den Juden an der Seite des Kaisers. Und die Kunde davon flo durch ganz Deutschland und gab jedem Juden das Gefühl der Sicherheit. „Dieser Kaiser", sagte man, „wird uns schützen gegen Unbill und Verfolgung, und Rabbi Joselmann wird unsre Angelegenheiten bei ihn vertreten. Gott schütze sie Beide, den Befehls Haber der halben Welt und den Befehlshaber der Juden." Das deutsche Israel gedachte jetzt in Sicher heit zu wohnen, da kam die Gefahr von einer ganz andern Seite, schrecklicher, drohender, denr je zuvor. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen« Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Main;. — Perlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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