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Der Israelit · 1879-07-09 · Heft 28 (9.7.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 28 (9.7.1879)
Date
1879-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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730 DaS Haus der Abgeordneten wolle beschließen: Die Petition II. Nr. 229 der Königlichen Staatsregierung zur Berücksichtigung dahin zu überweisen, daß auf dem Wege der Gesetzgebung sämmtlicke mit Corporationsrechten ausgestattete Religionsgesellschaften in Beziehung auf das Privilegium der Stempelfreiheit einander gleich gestellt werden. England. London, 3. Juli. Am letzten Sonntag fand die Jahresversammlung der englisch-jüdischen Association unter dem Vorsitze des Barons Henry de Worms statt. Der Vorsitzende sprach sich in einer Rede über die Berliner Vertragsbestimmungen zu Gunsten der Religionsfreiheit rc. aus. Für Schulen im Orient hat der Verein im letzten Jahre 900 Lstr. beigesteuert, welche sich auf Tunis, Salonichi, Bagdad, Beyrut, Jaffa, Mogador und Tripolis vertheilen. Der Verein hat die Judenverfolgungen in Rumänien zur Kenntniß der englischen Regierung gebracht. Bezüglich Rußlands seien hervorragende russische Staatsmänner für eine vollständige Emancipation der Juden in Rußland gewonnen und es sei Aussicht vorhanden, daß diese Frage in nicht zu ferner Zeit auf dem Wege der Gesetzgebung in befriedigender Weise gelöst werde. Dem Berichte schlossen sich Mittheilungen über die landwirthschaftliche Schule in Jaffa und die jüdische Colonie in Ho-nan in China an. Mr. Meyer Stern aus Amerika theilte der Versammlung mit, daß ein amerikanischer Israelit 100,000 Acre Land in Texas behufs Gründung jüdischer Ackerbau--Colonien angeboten habe. Rumänien. In einer vertraulichen Sitzung der beiden vereinigten Revisionskammern am 24. Juni wurden die diplomatischen Actenftücke. welche auf die Judenfrage Bezug haben, verlesen. Große Aufmerksamkeit und Mißbehagen erregte, wie der „Polit. Corr." aus Bukarest geschrieben wird, die Forderung Italiens, daß allen jenen in Rumänien geborenen Israeliten die volle Gleichberechtigung gegeben werden müsse, welche niemals unter fremdem Schutze gestanden sind und welche seit dem Jahre 1845 sich bei der rumänischen Legislative um das Jndigenat hätten bewerben können, wenn die im rumänischen bürgerlichen Gesetzbuche enthaltenen bekannten Reftrictionen eine solche Bewerbung nicht unmöglich gemacht hätten. Frankreich, die Ansichten Italiens theilend, schloß sich seiner Forderung an. Den peinlichsten Eindruck brachten jedoch die Berichte des diplomatischen Vertreters Rumäniens in Berlin, des Herrn Liteanu-Varnav, hervor, in welchen derselbe auf Grund seiner im intimsten Verkehre mit den Berliner leitenden Kreisen gewonnen Anschauungen die Ueberzeugung aussprach, daß die Verweigerung der Annahme der Berliner Forderungen seitens Rumäniens für dieses die verhängnißvollsten Consequenzen nach sich ziehen würde. Diese Forderungen aber gipfeln darin, daß jeder in Rumänien geborene Jsraelite, welcher sich niemals eines fremden Schutzes erfreut hat, gleichberechtigter rumänischer Staatsangehöriger werden müsse. Diese Forderung ist durchaus zu billigen und es kann daher nur ein arger Schwindel sein, wenn von Bukarest aus die Nachricht verbreitet wird, daß dort vor einigen Tagen ein geheimer Agent aus Berlin in der Person eines von dem Fürsten Bismarck öfter zu vertraulichen Missionen verwendeten Herrn v. Luck eingetroffen sei, der den Auftrag hätte, die Opposition in ihrem Widerstande gegen die Juden-Emancipation zu bestärken. Feuilleton. Kabbi Ioseünann von Kosheim. Eine historische Erzählung. LI. Der Kaiser saß auf seinem Throne; zu seiner Rechten stand Kurfürst Albert von Mainz, zu seiner Linken der Vicekanzler Urbanus Zieglr, in einem Halbkreise die Großen des Reichs. Wenn irgend ein Mensch es jemals verstanden hat, sich in Respect und Ansehen zu setzen, so war es Kaiser CaroluS der Fünfte. Seine Persönlichkeit flößte unwillkürlich Ehrfurcht ein. Der 21jährige Jüngling auf dem Throne wußte den tapfersten, im Kugelregen ergrauten Männern, den gewiegtesten und klügsten Diplomaten derart zu imponiren, daß sie vor seinem Blicke erzitterten. Es war keineswegs die äußere Autorität, durch die er sich Anerkennung erzwang, es mar Hoheit und Majestät in seiner Seele; es war das Streben, sich nicht nur als der Erste dem Range nach zu erweisen, sondern stets der Erste an tapferm

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