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Der Israelit · 1879-07-02 · Heft 27 (2.7.1879) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 27 (2.7.1879)
Date
1879-07-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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714 Hospital ist auf dem Röderweg in der Nähe deS Hanauer Bahnhofs inmitten deS ihn umgebenden, mit einem eisernen Stücket eingefaßten, hübschen Gartens gelegen. Der erste Eindruck. den das Gebäude auf den Beschauer macht, ist der eines gefälligen, eleganten aber einfach erbauten Landhauses. Beim genaueren Betrachten gewahrt man zwischen dem ersten und zweiten Stock eine weiße Marmorplatte, die die Inschrift: „Gestiftet zum Andenken an die so früh verewigte Georgine Sara von Rothschild," trägt. Wir gelangen durch das eiserne Außenthor an den Eingang des Hauses, der sich auf der rechten Seite befindet. Breite Treppen führen zu einem Hauptthor und zu den zwei Nebenthüren, durch die man in die Parterreräume des Hauses gelangt. Um von rben anzufangen, begeben wir uns gleich in den zweiten Stock; hier finden wir außer den Zimmern für die Bedienung, den Speicherräumen, dem Reservoir für die Wasserleitung, auch eine wohlassortirte geräumige Peßachkammer; ein großer Geschirrschrank, aus zwei Abtheilungen bestehend, in deren einer Geschirr mit dunkelgrünem Stempel — für die Patienten, — und deren anderen solches mit hellgrünem Stempel — für das Personal — zu sehen ist, bildet den Mittelpunkt derselben. An den Wanden ringsherum stchen große irdene Töpfe, das Geschirr für Milchspeisen, sowie die sonstigen für Peßach nothwendigen Utensilien als Einlageplatten, Sederschüsseln re. re. Wir gehen hinunter in den ersten Stock. Hier liegen die Krankenzimmer , auf der rechten Seite für Männer. auf der linken für Frauen; in ersteren stehen je drei, in letzteren je zwei Betten. Die Einrichtung dieser Gemächer ist einfach, aber sehr praktisch; ein großer Waschtisch, hübsche Stühle, ein Tisch, ein Sopha bilden deren Mobilien. Neben der Thüre ist ein Gestell für die, Arzeneien; auf der einen Seite stehen die innerlich, auf der anderen die äußerlich anzuwendenden Mittel. Unter Dem Gestell ist der Knopf für die electrische Schelle angebracht nnd von diesem Knopf gehen lange Drähte aus, an deren Enden sich ebenfalls Knöpfe zum Schellen zeigen; den Patienten werden solche mit in's Bett gegeben, damit diese nach Wunsch damit die Dienerschaft herbeirufen können. An der Wand hängt die gedruckte Hausordnung; deren zweiter Paragraph lautet: „Zuwiderhandlungen gegen die jüdischen Religionsgesetze sind auf's Strengste untersagt". Außer den gewöhnlichen Krankenzimmern finden wir noch im ersten Stock einen Speisesaal, das Zimmer für Tobsüchtige (die Wände sind mit Blech ausgeschlagen), welches seine eigenen Apartements besitzt, eine kleine Nothküche, ein Badezimmer, die Wohnung der Verwalterin, aus zwei kleinen Zimmern bestehend, und angrenzend an dieselbe das Betlokal, in welchem nur ein massiver, aus Eichenholz verfertigter und mit einem rothseidenen Porauches behangener Oraun Haktodausch und zwei Betpulte (Omed und Almemmor) zu sehen sind. Im Parterre ist noch sehenswerth der große Saal für die ReconvaleScenten, der mit allem Comfort ausgestattet ist und dessen Hauptschmuck ein großer Bücherschrank bildet; eS befinden sich in demselben sowohl religiöse Bücher (z. B. Tefillaus, Chummoschim, Machsorim, Gemoraus und sonstige Seforim), als auch Unterhaltungsbücher, z. B. die Jahrgänge der „Gartenlaube", „Ueber Land und Meer," „Israelit" u. s. w.; die Bände des „Israelit" sollen, wie wir z» unserer Freude vernehmen, am meisten begehrt sein. Daß an allen Zimmern große Mesusaus uns entgegenschauen, ist wohl überflüssig zu erwähnen. Vom Parterre gelangt man durch eine Hintere Treppe in's Souterrain; hier ist der Raum für die Centralwasserheizung, die verschiedenen Keller, die Tuschbäder, die Fleisch-, Milch- und Peßach-Küche; diese ist so bequem, so geräumig, so praktisch eingerichtet, daß sich das erste Hotel der Stadt ein Muster daran nehmen könnte; von derselben bewegt sich ein hydraulischer Aufzug behufs Transport des Essens bis in die obersten Stockwerke. Vom Souterrain kommen wir wieder in's Parterre und zwar nach der vorderen Seite, hier ist die Schreib- und sog. Empfangsstube der Verwalterin, sowie das Zimmer der Aerzte, das auf das Eleganteste hergerichtet ist; im Hintergründe desselben steht ein Schrank mit allen erdenklichen medicinischen und chirurgischen Instrumenten angefüllt. Hospitalärzte sind die Herren vr. Hirsch und vr. Schmitt; die ebenso umsichtige wie gewandte Verwalterin heißt Frau Pepi Heidingsfeld. — Noch ist eine schöne und eb nso elegant wie practisch eingerichtete Suckah zu erwähnen. — Der Garten ist noch nicht ganz fertig, derselbe soll auch in je eine Abtheilung für Männer und Frauen eingetheilt werden. ^Jm Hintergründe steht das Leichenhaus. Die Einweihung des Etablissements geschah vor circa 3 Wochen, indem zehn Leute sich daselbst den ganzen Tag mit dem Studium des Talmuds beschäftigten und Abends ein kleines Festmahl hielten. — Am Tage vor der Einweihung hat der Freiherr, Herr Wilhelm von Rothschild, sich die Anstalt genau angesehen und seine Befriedigung über Bau und Einrichtung ausgesprochen. Man verläßt das Haus nicht, ohne die frommen Stifter im Stillen zu segnen, welche hierdurch ein fortdauerndes "!Dn mrDJ im wahrsten Sinne des Wortes üben.

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