Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1879)
- Date
- 1879-07-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XX Jahrgang. Zweite öcilage zu Nr. 27 des Israelit. f AeitungSnacbrichten nud Correfpondenzen. Deutschland. Baden-Baden, 19, Juni. Die Zahl der jüdischen Kurgäste nimmt hier täglich zu. Man merkt dies leider mehr aus der Fremdenliste, als am Tische der beiden israel. Wirthe, weil viele in den chriftl. Hotels trefene Kost genießen, obschon man in den jüd. WirthSlocalen in jeder Hinsicht gut bedient wird und eine comfortable Einrichtung darin findet. Jeder der Wirthe hat aus Rivalität einen besonderen Schochet, Namens Kaufmann und Nosenberg. Der Letztere betet zugleich im Betlocale vor, wenn es am Sabbat Minjan gibt, was am vorigen Sabbat ~}b nbw 'b in dieser Saison erstmals der Fall war. Am p"wy waren Männer, Frauen und Jünglinge beim Gottesdienst. Die Miethe des Saales im Parterre des Hotels Baldreit kostet 5—600 Mk. p. a. und die Ausstattung des toyo »npo ist sehr einfach, doch aber würdig. Für die Regelmäßigkeit des Gottesdienstes an a"'i na» sollte von Seiten des Rabbinats und des Vorstandes der gute Anfang eifriger gepflegt werden. Die Gastwirthe auch dürften dafür thätig sein, da mancher gute Jehudi noch lieber und länger an dem schönen Kurort verweilte, wenn er weiß und sieht, daß auch das religiöse Bedürfniß in jeder Hinsicht befriedigt wird. In der Kaufmännischen Restauration liegt auch der „Israelit" zum Lesen auf. Hannover, 19. Juni. Dem „Hannov. Cour." wird von hier geschrieben: „Gestern hat unsere Stadt einen Mann durch den Tod verloren, der wegen seines biederen und wahrhaftigen Wesens bei Allen, die ihm näher getreten, die ungetheilteste Achtung genoß. Der frühere Fellhändler Herr M. A. Behrens betheiligte sich schon 1848 mit lebhaftem Interesse an der politischen Befreiung des Vaterlandes und unserer Stadt, so daß er durch das Vertrauen seiner nächsten Mitbürger als erster Israelit in das Bürgervorsteher- Collegium berufen wurde, in dem er sich durch seine gründliche Beschäftigung mit den städtischen Angelegenheiten eine einflußreiche Stellung errang und längere Zeit hindurch als dessen Schriftführer fungirte. Stets getreu der liberalen Sache, war er ein eifriges Mitglied des Nationalvereins und blieb, allen reactionären Anfechtungen offenen Widerstand entgegensetzend, stets ein treues Mitglied der national-liberalen Partei, wenn er auch in den letzten Jahren sich weniger dabei betheiligen konnte. Nicht minder wie auf politischem Gebiete hatte er das Vertrauen seiner Glaubensgenossen, die ihn seit 25 Jahren in ihren Vorstand berufen, und in dem er seit 1867 die Stelle eines zweiten Vorstehers bekleidete. Die jüdische Gemeinde, für deren reorganisirte Verwaltung er immer gewirkt und uneigennützig stets thätig war, verliert an Behrens eine ihrer tüchtigsten Kräfte. Für die jüngere Generation ist die Thätigkeit Behrens' nicht mehr so auffällig, weil sie es nicht mehr mit durchgelebt, daß bis zum Jahre 1848 die Juden sich nicht an öffentlichen Dingen recht betheiligen, wenigstens keine Ehrenposten bei uns erhalten konnten; damals wollte es etwas bedeuten, daß ein Mann, der nicht einmal in glänzenden Vermögensverhältnissen war, bahnbrechend für seine bis dahin unterdrückten Glaubensgenossen hier eintrat und das ihm zugetragene Vertrauen sich unverändert bewahrte. Sein Andenken bleibe in Ehren!" Dem Obigen habe ich noch Folgendes hinzuzufügen: B. war auch im Jüdischen (Mischnah, Talmud) nicht unbewandert und versammelte früher allwöchentlich an einem Abende einen Kreis gelehrter Männer um sich, mit denen er Gemara lernte und worauf dann eine Duskussion folgte. Auch war der Verstorbene sehr wohlthätig, namentlich gegen verschämte Arme gewesen, n1*j"n Österreichisch - Ungarische Monarchie. Wien, 23. Juni. Professor Grün Hut wurde zum Dekan der juridischen Facultät ernannt. Es ist dieses der erste Fall, daß in Oesterreich ein Jude diese hohe Stellung erlangt. F e ii i I I t t o ii* Das Kothschild sche Kospitat zu Irankfurt a, W. Frankfurt a. M., 22. Juni. Das von Herrn Baron und der Frau Baronin Wilhelm von Rothschild gestiftete jüdische