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Der Israelit · 1879-07-02 · Heft 27 (2.7.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 27 (2.7.1879)
Date
1879-07-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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0 704 „„Aber doch schon anno 10; und gerade in jenem Jahre 1510 war eine Umwandelung vorgegangen mit Kaiser Max in Bezug auf seine Gesinnungen gegen die Juden. Vorher war der verewigte Kaiser den Juden weder freundlich noch feindlich gesinnt; aber er lieh den Anklagen gegen dieselben Gehör. So wurden meine Brüder mit des Kaisers Zustimmung aus Nürnberg auSgctrieben und aus andern Städten. Als ich aber das Glück hatte, im Jahre 1510 vor des seligen Kaisers Majestät zu erscheinen, da war der allmächtige Gott zu meiner Hilfe, so daß eö mir gelungen ist. Seine Majestät von der Unschuld meiner Brüder zu überzeugen. Seine Kurfürstliche Gnaden, mein allergnädigster Herr von Mainz. kann^ es bezeugen, wie sehr wohlgesinnt Kaiser Max später uns Juden geworden."" „Das kann ich , Majestät", nahm der Kurfürst von Mainz das Wort. „Ich habe im Jahre 1516 ein Kaiserliches Schreiben in Angelegenheiten der Juden erhalten. das voller Wohlwollen sich dieser Angehörigen des Reiches annimmt." Und dann erzählte Rabbi Joselmann dem Kaiser, wie es gekommen, daß der Bürgermeister von Ober. Ehnheim von der Erlaubnis Kaiser Maximilians, die Juden auSzutrciben, keinen Ge. brauch machen konnte, und wie die nunmehrige Berufung auf jenes Edict nichts als ein Wortbruch sei, da der Bürgermeister eine Bestrafung für sein damaliges Verfahren gegen Rabbi Joselmann nicht mehr zu fürchten brauche, und welchen Antheil der ebenfalls in Worms anwesende Pfefferkorn an der gegen Rabbi Joselmann geschmiedeten Jntrigue gehabt. „Wohlan," sagte der Kaiser, „ich will die Sache untersuchen und die Austreibung der Juden aus Ober-Ehnheim einstweilen inhibiren lassen." Erst Jahre lang nachher gelang es Rabbi Joselmann, den Streit zwischen der Stadt Ober- Ehnheim und ihren Juden durch Vermittelung des Abtes Rüdiger von Weißenburg vollständig beizulegen. Der Erlaß des genannten AbteS, durch welchen er die streitenden Parteien im Namen des Kaisers vor seinen Richterstuhl fordert. liegt uns in beglaubigter Abschrift vor. Wir wollen denselben hier mittheilen; er lautet*): *) Das Original befindet sich im Archiv zu Ober-Ehnheim, L<rde 2 Nr. 26. Ich Rüdiger vonn gotsgnaden Abbt zu Wissenburgk entbieten euch denn Ersamen Bürgermeister und Rath der statt Obernevheim unnsern gruS. Als unns vonn Rorni8cher Ley8er- 1ich6r mt, unnserm allergnedigstenn Herrnn Comission und bewelch gescheenn, Euch, gegen, der gemeinen Judisheit. Jn^ der Landtvogtey Hagen au v seßhafft, eure L>penn und Irrungen so sich zwischen euch jdtweddersseits haltenn zuuertragen und nach beider seitt dargethanem berichten» und vleiß furzekeren veh derselbigen gutleich zu richten und zu vertragenn. Als Ir auch euer beigeschickler Copien zu verneinen habt. Mellichs Bewelchs wir gemelter Romiseher Ka. mt., unserm allergnedigst-n Herrn zue Ehren» unnd underteuiaen gefallen unns beladen, euch Demnach ernstlüch erfordende auff dienstagk den sechs unnd zweinzigsten tag des Monts Apprilis zue fruer tagzeit zue St eins eilt vur unns geführt zue erscheinen, wellen wir gegeneinander notturfftiglich verheren und zu gütlicher Hinlegung gemelter Jrrunge und vollenziehung obgedachte'r Cvmission dienen magk. Darann soll unnsert halber nichts obgen noch mangeln, Das wellten also gewartenn, dann wir obernannter gemeinen Judisheit jn der Landtvogtey Hagenaw seßhafft selligen tag und malstat gleichermas angesetzt unnd erneut. Geben in unserm Slosz Sanct Remigy under unnserm uffgedrücktenn Secrette, Auff den Ach unnd Zwaintzigeten tagti (28.) Marty Anno vier unnd zwaintzig (1524). Die Bemühungen des Abtes waren von gutem Erfolge gekrönt, und die Israeliten von Ober- Ehnheim wurden nicht mehr beunruhigt. Wir sind durch Mittheilung des obigen Rescriptes unsrer Erzählung um einige Jahre vorausgeeilt. Nehmen wir den Faden derselben wieder auf und kehren wir nach Worms zum Reichstage zurück. Als Rabbi Joselmann vom Kaiser verabschiedet worden war, ertheilte dieser den Befehl, den regierenden Bürgermeister von Obern - Ehnheim, Herrn Jakob Brand, sowie Herrn Johannes Pfefferkorn zur Audienz vorfordern zu lassen. Die beiden Ehrenmänner fühlten sich durch diese Einladung hochbeglückt und erschienen pünktlich zur anberaumten Stunde. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchbruckerei (Mainzer Anzeiger).

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