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Der Israelit · 1879-07-02 · Heft 27 (2.7.1879) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 27 (2.7.1879)
Date
1879-07-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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701 und das zwanzigste Lebensjahr erreicht haben, in seine Wohnung bringen. Da es schon spät war, so bar der Vorstand, der Gouverneur möge ihm erlauben, die jungen Leute Samstag Vormittags in seine Amtskanzlei zu bestellen. Er müßte sie jetzt einzeln aufsuchen, morgen aber finde er sie beim Gottesdienste alle versammelt. Dagegen wurde auch nichts eingewendet. Am Samstag Früh umringen plötzlich Polizei-Soldaten zu Fuß und zu Pferde, mit dem Polizeimeister an der Spitze, den Tempel, dringen in denselben wahrend des Gotresdienstes ein und insultiren diejenigen, die sich in ihrer Andacht nicht stören lassen. Sie begehen den frivolen Scherz, alte Leute an den Barten zu zupfen. Diesen Beleidigungen auszuweichen wollen Einige den Tempel verlassen, werden aber von Policisten zurückgestoßen Nun verliest man die Namen der Gesuchten, sie sind da, kein Einziger fehlt. Trotzdem werden sie theils bei den Ohren, bei den Haaren fortgezogen, theils durch Rippenstöße zum Fortgehen ermuntert. Am schlechtesten wurde der Dragoman des österreichischungarischen Consulates behandelt. Man mißhandelte ihn im buchstäblichen Sinne des Wortes. Die jungen Leute wurden auf das Stadthaus gebracht und dort gleich Verbrechern in einem feuchten, finsteren Loche untergebracht. Es wird Niemand zu ihnen gelassen. Was mit ihnen geschehen wird, das wird die Zukunft lehren. Zur Zeit der Türken war der Handel mit Droguen, wodurch sich viele isr. Familien ernährten, erlaubt. Anstatt die Leute aufmerksam zu machen, daß dieser Handel nicht mehr gestattet ist, und ihnen zu bedeuten, sie mögen sich einen andern Erwerdszweig suchen, wurden sie eines Tages durch Polizei-Organe überfallen, welche die Droguen in Säcke füllten und in die Donau schütteten. Manche hatten ihr ganzes kleines Vermögen, 30 bis 40 Napoleonsd'or, in dem Droguenhandel stecken. Sie wurden zu Bettlern. — Die Maßregel wurde übrigens nur getroffen, um den ganzen Droguenhandel den Bulgaren in die Hände zu spielen. Es kommen nirgends so viele verschiedenartige Geldsorten vor als im Oriente, die Zahl der jüdischen Geldwechsler, Saraf genannt, ist daher auch sehr groß. Diese Leute leben von der Hand in den Mund. sie wechseln ein Goldstück mit einem halben Kreuzer Differenz um. Seit zehn Tagen wurden 37 solche Geschäfte gesperrt. Die bulgarischen Behörden verlangen von ihnen eine jährliche Steuer von 2o0 Francs. Rechnet man noch die andern Steuern dazu, so müßten diese Kaufleute jährlich 2000 Piaster an Steuern bezahlen. Das können sie nicht erschwingen, da ihr ganzer Verdienst jährlich nur 30oO Piaster berrägt. Die Armen sind beinahe ruinirt. Zur Zeit der Türken betrug ihre Steuer 75 Piaster. Die Erhöhung dieser Steuer findet indeß nur bei den jüdischen Geschäftsleuten Anwendung. Die bulgarischen Wechsler bezahlen die frühere Steuer, und hat man ihnen auch ihre Geschäfte nicht gesverrt. Nur ein einziger Israelit, ein französischer Unterthan, hat sein Gewölbe offen. Der französische Vice - Consul sagte ihm, er solle sein Geschäft nicht sperren, er als Consul werde ihn schon zu schützen wissen. Dieser französische Kaufmann wird nun auch in Folge dessen von den bulgarischen Behörden nicht belästigt. — Jene Juden, welche Wein ausschanken, müssen für das Schankrecht 100 Frcs., die Bulgaren dagegen nur 30 Frcs. jährlich bezahlen. So fassen die Bulgaren die Gleichberechtigung auf. Die Israeliten sagen: „Wir geben gerne, was wir können, wir sind auch gerne bereit, unsere Kinder in die bulgarische Miliz einreihen zu lassen. Verlangt man jedoch von uns Opfer, so gebe man uns auch gleiche Rechte. Man möge uns aber nicht darum, weil wir Juden sind, höher besteuern und uns größere Lasten auferlegen. Will man uns aber durch diese ungerechten Maßregeln zur Auswanderung zwingen, so sage man uns dies lieber offen. Wir werden uns dann eine andere Heimath suchen, wo wir keinen solchen Chikanen ausgesetzt sein werden!" Türkei. Konstantinopel Vorige Woche wurde in Konstantinopel ein Mord an einem jüdischen Wechsler begangen. Derselbe, Namens Jako, war noch ein junger und sehr hübscher Mann und erst vor wenigen Wochen mit seiner Familie von Sophia nach der türkischen Hauptstadt eingewandert, wo er in einem Konak im Stadtviertel Sirkedji-Jskeleisi einen Wechslerladen eröffnote. Eines Abends in der vergangenen Woche lud ihn der Kutscher des Konaks ein, mit ihm auf dessen Zimmer zu kommen, da er mehrere Münzen zu verkaufen habe. Kaum waren Beide in das Zimmer getreten, so warf sich auch schon der Kutscher auf den Wechsler und wollte an ihm ein unsittliches Attentat begehen. Diesem widersetzte sich nun Herr Jako, worauf der Kutscher sein Messer zog und ihm den Hals abschnitt. Unterdessen hatte die Eigenthümerin des Hauses, welche den Lärm hörte, einige Passanten herbeigerusen, die nun in das Haus drangen und den Kutscher sogleich verhafteten. Derselbe heißt Abdullah und ist von Nationalität ein Türke. Amerika. Baltimore. Der „Baltimore" - Correspondent schreibt: „Die Israeliten verhalten sich in den Vereinigten Staaten zu den Deutschen etwa wie

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