Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1879)
- Date
- 1879-07-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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699 Kleinerdlingen Am 29. März f. I. verschied zu Steinhard der Handelsmann Samuel G u t m a n n. Der Verlebte, der sich immer in dürftigen Verhältnissen befand, ernährte sich vom Hausiren mit Siegellack, Postpapier u. drgl. ES dürfte wohl kein Ort in Bayern sein. in dem er nicht bekannt war. Wie war man daher erstaunt, als sich bei Eröffnung des Testaments folgende Legate vorfanden: Für die isr. Waisenanstalt, Fürth . 1100 Mk. Für den Begräbnißplatz Steinhard zur Erhaltung der Umzäunung . . . 200 „ Für die jüd. Lehrerbildungsanstalt, Würzburg. 200 „ Für die Armen Palästinas .... 860 „ Ferner war in dem Testamente eine Summe ausgesetzt zur Vertheilung bei der Beerdigung an Arme ohne Unterschied der Confession in Steinhard, Hainsfarth und Oettiugen. Mit der Abwickelung der Verlassenschaft war ein Urenkel des Rabbi Josef Steinhard V'si, Herr Josef Obermeier von Steinhard, betraut, der mit großem Aufwand von Zeit und Mühe das hauptsächlich in Maaren bestehende Vermögen schon bei Lebzeiten des Verstorbenen zu Gelde machte. Herrn Obermeier gebührt auch das Verdienst der Abfassung des Testaments. Altona, 28. Juni. Ein hiesiger, allgemein als arm bekannter Schreiber, welcher sogar öffentliche Unterstützungen genossen haben soll, starb vor einigen Tagen. Als man seine Papiere durchsuchte, fand sich in einem Machsor eine beträchtliche Summe (man spricht von mehreren Tausend Mark) in Werthpapieren. Der Verstorbene soll übrigens kurz vor seinem Tode gegen seine Umgebung geäußert haben, man möge, nachdem er gestorben, Alles genau durchsuchen, es würde sich noch etwas Unverhofftes finden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. Juni. Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Bukarest: Der Senat sprach sich dafür aus. daß die Initiative zur Vorbereitung des Gesetzentwurfes in Betreff der Lösuug der Judenfrage von den Kammern ergriffen werden solle. Der Senat setzte ferner eine Commission ein, welche sich im Einvernehmen mir der Negierung dieser Arbeit unterziehen soll. Wien, 27. Juni Die Juden Rumäniens haben an die rumänischen Kammern für die Revision der Verfassung folgende Denkschrift gerichtet': Geehrte Herren! Viele Jahre sind jetzt verstrichen, seitdem dieses Land inseine konstitutionelle Aera eintrat, und seitdem hat die Sonne vollkommener Freiheit über sämmtliche Rumänen getagt. Diese Jahre sind für Alle ein Zeitraum des Lebens und des Fortschrittes, aber für uns Israeliten sind eS Jahre des Kummers und der Leiden gewesen. In dem Augenblicke, wo diese allgemeine Erhebung verkündigt wurde, ward für uns ein erniedrigtes und verbittertes Leben vorbereitet. Durch die Wiedergeburt Rumäniens sind alle seine Söhne auf gleichen Fuß gestellt, aber wir sind in einer Ausnahmsstellung belassen worden, die gegenwärtig um so trauriger für uns ist, da wir allein darunter leiden müssen. Vertreter der Nation! Wir bitten Sie ergebenst, diesem Schmerzensrufe Gehör zu schenken, der aus der Tiefe unserer Herzen hervorbricht. Mögen alle jene Gesetze verschwinden, die uns in einen Zustand der Ausschließung versetzen, der unverträglich ist mit dem Zeitalter, in welchem wir leben. Auch wir sind Söhne Rumäniens; auch wir sind ihm ergeben; auch wir beten für seine Wohlfahrt, ebenso wie wir in gleichem Maßstabe die von seinen anderen Kindern getragenen Bürden theilen. Rumänien ist unser gemeinsames Vaterland; wir sind mit demselben durch alle unsere Interessen und alle unsere Gefühle verknüpft. Die Asche unserer Väter ruht in rumänischem Boden. Rumänien, das edel gegen Alle und in Allem ist, kann nicht ermangeln, edel gegen uns zu fein. ES kann nicht zugeben, daß Freiheit und Gleichheit ungleich vertheilt werden. Freihettffetzt Billigkeit und Gerechtigkeit gegen Alle voraus. Seien Sie, die Sie von dieser so hochherzigen und so guten Nation gewählt worden, auch gerecht und hochherzig gegen uns; denn wir lieben unser Vaterland ebenso, wie es von den anderen Rumänen geliebt wird. Wir Israeliten Rumäniens, friedlichen und unermüdlichen Fleißes, haben in unseren Busen rumänische Herzen, die vor Freude jauchzen über Rumäniens Wohlfahrt und mit Kummer erfüllt sind über seine Leide». Geben Sie nicht zu, daß wir wie Fremde behandelt werden in diesem Lande, während die Geschichte und die Vernunft beweisen, daß wir keine Fremdlinge sind. Der Geist des modernen Zeitalters hat alle Vorurtheile, die gegen uns verbreitet wurden, verdammt und vernichtet. Es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, daß der Jude ein guter Bürger des Lar.des ist, in dem er lebt; er ist ein ebenso guter Bürger wie der Christ. Die Civilisation, welche alle Energien leitet und regiert, erkennt uns allenthalben als völlig fähig an, vollkommen