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Der Israelit · 1879-06-25 · Heft 26 (25.6.1879) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 26 (25.6.1879)
Date
1879-06-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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679 einen Polizisten holte und den Juden arretiren ließ. Im Verhör sagte er aus, daß er Isaak Roth heiße und in Großwardein ein Pfandleih-Jnstitut besitze. Eines Tages hörte er in einer abseits liegenden Gasse aus dem Hause eines ihm bekannten Landmannes ein Geräusch. Er trat ein. Man war eben daran, die Effekten des armen Gyuri wegen einer Steuerschuld von 20 fl. zu licitiren. Bei dieser Gelgenheit übergab ihm Gyuri die Perle als werthes Andenken, damit er statt seiner die Steuer bezahle, was er auch that. Die in Großwardein eingezogenen Erkundigungen bestätigten diese Aussage. Jener Landmann war einst der Lieblingsdiener des Grafen Ludwig Batthyany und dieser schenkte ihm kurz vor seinem Tode seine Busennadel. Als er nun später in Noth gerieth, nahm er von derselben die goldene Fassung herab und verkaufte sie, die Perle aber, von der er glaubte, daß sie werthlos sei, behielt er als Andenken. Die Perle war, wie sich herausstellte, gestohlenes Gut Vor 150 Jahren wurden nämlich drei Perlen aus der englischen Krone gestohlen. Dies waren die einzigen damals bekannten schwarzen Perlen. Die englische Regierung ließ sie seitdem vergebens suchen. Von dem Funde benachrichtigt, löste sie die Perle sofort von Isaak Roth um 20,000 fl. ein. Wie sie zum Grafen Batthyany gelangt war, weiß Niemand. Wahrscheinlich kaufte er sie von einem Antiquitätenhändler und kannte wohl selbst ihren Werth nicht, sonst hätte er sie nicht einem Diener gegeben. Der Großwardeiner Jude verdankt es dieser Perle, daß er heute ein gemachter Mann ist." Frankreich. Paris. Monatsbericht (Mai) der „Alliance JSr. Univ." (Die Israeliten der Türkei) H. Veneziani, der seit 2 Monaten in Constantinopel weilt und daselbst in Gemeinschaft mit dem Bezirkscomitö die Repartriirung der Flüchtlinge und namentlich die Sicherstellung derjenigen von Kazanlik bei ihrer Rückkehr in die Heimath vorbereitete, hatte die Idee, für dieselben einen Appel an das Wohlwollen des H. Exarchen Anthimos, des Präsidenten der bulgarischen Kammer, zu richten, mit welchem er schon seit Langem gute Beziehungen unterhält, und schrieb demnach an diesen hohen Würdenträger einen Brief, den sein Bruder H. Daniel Veneziani, eigenhändig demselben in Tirnova überreichte. H. Daniel Veneziani, wurde auf das Freundlichste empfangen; er berichtet hierüber Folgendes: Vou Constantinopel am 17. April abgereist, kam ich den 20. in Tirnova an, nachdem ich Varna, Rustschuck und Biela passirt hatte. Kaum war ich aus dem Wagen gestiegen, so begab ich mich zu dem Exarchen, der mich auf das Herzlichste empfing und mir auf den anderen Tag ein Rendez-vous gab. Ich fand ihn in der Metropolitan-Residenz, wo die an der Kammer theilnehmenden Mitglieder des Clcrus versammelt waren Von meiner Ankunft benachrichtigt, ließ er mich eintreten, unterbrach die eben stattfindende Discussion und legte der Versammlung die Angelegenheit der Flüchtlinge von Kazanlik zur Prüfung vor. Einstimmig beschloß man, mir 2 Briese zu übergeben, einen für den Hospodaren von Kazanlik und einen für den bulgarischen Exarchen von Philippopel, und ebenso ein Circular an alle Mitglieder des bulgarsichen Clcrus zu richten mit der Aufforderung, für die Eintracht zu predigen und de- Bevölkerung eine gute Aufnahme der Israeliten zu empfehlen. Der Exarch Anthimos nahm sodann das Wort und drückte sowohl in seinem eigenen Namen als im Namen der bulgarischen Nation seine Erkenntlichkeit aus für Alles, was die Alliance israelite und H- Baron v. Hirsch zu Gunsten ihrer Flüchtlinge gethan haben. „Ueberall, fügte er hinzu, wo man den Israeliten begegnen wird, wird man es sich zur Pflicht machen, sie zu schützen und ihnen zu helfen." Ich erhielt die versprochenen Briefe am folgenden Tage, den 23 April, sie waren unterzeichnet von dem Metropoliten von Tirnova, zu welchem Kazanlik gehört. Verschiedene Deputirte und Consuln, die ich vor meiner Abreise gesehen habe, versicherten mich einstimmig, daß unsere Flüchtlinge sich nicht im geringsten zu fürchten brauchen, in ihre früheren Wohnungen zurückzukehren Die Zahl der flüchtigen Familien sowohl in Constantinopel als in Adrianopel beträgt noch 553 und bildet einen Effectivstand von 2190 Seelen; 202 Familien mit 870 Personen sind in Constantinopel und 351 Familien mit 1320 Personen in Adrianopel. Das türkische Bezirkscomite beschäftigt sich eifrig mit der Repatriirung derselben. Nach seiner und des H. Veneziani Schätzung würde zu dieser Operation ein Betrag von 2. Pfd. trk pro Person sowohl für den Transport als für die ersten Bedürfnisse bei der Rückkehr unerläßlich nothwendig sein, also in Summa c. 4000 Pfd. Die Hälfte dieser Summa ist gedeckt durch den Betrag von 900 Pfd , der sich noch in der Casse des Bezirkscomites befindet, und einen Zuschuß von 1100 Pfd. Seitens des H. Veneziani im Namen des H. Baron v. Hirsch. Das Central-Comitö votirt auch seinerseits für den angegebenen Zweck einen Beitrag von 1000 Pfd. (23,000 Fr.) (Die Israeliten von Tunis.) Man schreibt dem Central-Comite: Ein Israelit, italienischer Unterthan, der mit einem tunesischen Gendarmen in Streit gerathen war, hatte das Unglück, denselben mit einem Messerstich zu treffen und zu tobten und meldete sich sofort als Gefangener in dem italienischen Consulat. Dieser Vorfall hatte eine große Aufregung bei den Arabern hervorgerufen, die bald die Israeliten in den Straßen mißhandelten und sich in einer Anzahl von 500 Personen nach dem Bardo begaben, um vom Bey

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