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Der Israelit · 1879-06-25 · Heft 26 (25.6.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 26 (25.6.1879)
Date
1879-06-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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671 sprechen. Inzwischen sind die Mittel zur Errichtung dieses Seminar und unter den Bedürfnissen desselben für die Zeit vom 1. Oktober 1880 ab auch eine Remuneration für Ertheilung israelitischen Religionsunterrichtes von den Ständen bewilligt worden. Um so auffallender muß es erscheinen, daß in der oben erwähnten Mittheilung an die israelitischen Seminaristen dieses Umstandes gar nicht erwähnt, die Sache vielmehr so dargestellt ist, als stehe überhaupt der israelitische Religionsunterricht an den Schullehrerseminarien in Frage. Schon die Unvollständigkeit der Mittheilung in dieser Richtung konnte sehr wohl dahin führen, einen Seminaristen, dem der wahre Sachverhalt nicht bekannt, von dem Besuche des Seminars abzuschrecken. In noch höherem Grade auffällig erscheint die zweite Bemerkung, wonach die israelitischen Seminaristen auch auf Verwendung im öffentlichen Schuldienst nach ihrer Entlassung aus dem Seminar nicht mit Sicherheit rechnen können. Bei den Verhandlungen über die Bewilligung der Kosten für Errichtung eines dritten Lehrerseminars auf dem vorigen, wie auf dem gegenwärtigen Landtag wurde von der Großh. Regierung auf die Nothwendigkeit hingewiesen, einen durchschnittlichen jährlichen Abgang von etwa 100 Volksschullehrern zu ergänzen, außerdem aber auch noch die große Zahl von unbesetzten Lehrerstellen betont, deren Besetzung dringend geboten, seither aber durch Mangel an Lehrkräften verhindert worden sei. Unter diesen Umständen kann es keinem Zweifel unterliegen, daß in den nächsten Jahren alle mit der nöthigen Vorbildung aus dem Seminar entlassenen Schulamiscandidaten sofortige Verwendung im Schuldienst finden werden und es bleibt somit nur die Erklärung übrig, daß hiervon bei den israelitischen Seminaristen ihrer Confession halber eine Ausnahme stattsinden soll und daß sie hierauf im Voraus aufmerksam gemacht werden sollten, um sie wo möglich von der Wahl des Lehrerberufes an den Volksschulen des Großherzogj thums zurückzuhalten. Der Unterzeichnete beehrt sich, an Gr. Re-; gierung die ergebenste Anfrage zu richten: 1) Ist die oben erwähnte Mittheilung an die; israelitischen Seminaristen im Aufträge der Gr. Regierung erfolgt? 2) Wenn dies der Fall, welche Gründe haben die Gr. Regierung hierzu bestimmt? Wolfskehl." Ober-Olm, 16. Juni. Dem „Mainzer Tagblatt" wird von hier geschrieben: Am „gestrigen Tage fand hier das vom hiesigen Quartett-Vereine veranstaltete Gesangfest statt, an welchem sich auch der Gesangverein „Germania" von Essenheim betheiligte. Zu unserem größten Bedauern müssen wir hier constatiren, daß dieser letztere durch den Vortrag eines Liedes „Die Judenschule" die heiligsten Gefühle der israelitischen und auch vieler christlichen Znhörer verletzt hat. Es wurden Synagogen-Gesänge profanirt und hebräische Worte, die in der deutschen Uebersetzung lauten: „Gelobt seiest Du, o Herr!" endlos in's Lächerliche gezogen. Da dasselbe Lied bereits vor vierzehn Tagen in Udenheim von demselben Gesangverein vorgetragen wurde, so halten wir es für unsere Pflicht, die Leiter der „Germania" auf das mehr als Unpassende derartiger Leistungen aufmerksam zu machen. Wir ziehen es vor, vorläufig auf diesem Wege Abhilfe zu erbitten." rn i 1 1 r t d n, Zakobine. Ein Lebensbild. Von Iriedrich Hlott. XXXV. „Es scheint Ihnen doch nicht ganz recht zu sein, was die Lisbeth da gesagt hat" bemerkte deren Mutter, nachdem die Tochter sich entfernt hatte. „O, nicht doch", erwiederte Jakobine, gezwungen lächelnd, „wenn man dienen muß, darf man nicht wählerisch sein." „Da haben Sie wieder recht"; entgegnete die Bäuerin, „aber wissen Sie, ich muß Ihnen doch sagen, es ist nicht so mit den Juden, wie man so manchmal glaubt. Zuerst als ich gehört habe, Lisbeth hat einen Platz bei Juden — na, bei uns im Dorf gibt's keine Juden — gesehen habe ich wohl manchmal einen, aber gekannt habe ich sie nicht recht. Na, ich muß Ihnen sagen, ich habe mich gefürchtet — u wei! — Und als einmal einer von uns daheim hierher nach Hamburg gefahren ist, da Hab' ich der Lisbeth sagen lassen, sie möcht' sich wohl acht geben, daß die Juden ihr ihre guten Kleider nicht nehmen und daß sie sie nicht betrügen um ihren Lohn. Aber da drauf hat uns die Lisbeth einen Brief geschrieben. — Na, wenn Sie den gesehen hätten, dann hätten sie schon gar keine Angst nicht mehr. — Und an die acht Jahre ist Lisbeth nun schon bei den Juden und sie sagt, sie möcht' nirgend anders wohin. Und alles Böse, was man von den Juden sagen thäte, das wäre

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