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Der Israelit · 1879-06-25 · Heft 26 (25.6.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 26 (25.6.1879)
Date
1879-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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666 Türkei. Philippopet. 7. Juni. Die meisten Mitglieder der Regierung des neuen General-Gouverneuers von Ostrumelien, sind bekanntlich Bulgaren, indessen scheint sich Bogorides doch alle Mühe zu geben, auch die Griechen und Juden für sich zu gewinnen. Durch Vermittlung des hiesigen griechischen Erzbischofs wurde eine volle Aussöhnung zwischen dessen Connationalen und der im bulgarischen Fahrwasser segelnden Regierung herbeigeführt. Am 2. d. verfügte sich der Generatgouverneur, vom Direktor des Innern, Krestovits, begleitet, in das prachtvoll ausgestattete Haus des hiesigen griechischen Crösus, Kujondzoglu, wo bereits sämmtliche hellenische Notabilitäten der Stadt versammelt waren und wo ein förmliches Bersöhnungsfest stattfand. Der General-Gouverneur versprach, die griechische Nationalität bei Ernennung von Distrikts- Chefs und Bezirsrichtern nach Möglichkeit zu berücksichtigen, die autonomen griechischen Schulen zu fördern und in den zu errichtenden höheren Unterricht-Anstalten die griechische Sprache als obligatorischen Gegenstand einzubürgern. Nunmehr kann Fürst Alexander Vogorides auf die Unterstützung auch dieses oft ausschlaggebenden Theiles der Bevölkerung rechnen. Schon am 4. ds. wurde ein vom griechischen Erzbischof und zwölf hiesigen Notabeln unterzeichnetcs Manifest an die „Hellenen von Ost-Rumelien" erlassen, das eigentlich als ein Plaidoyer zu Gunsten der Landesregierung anzusehen ist und das eine intime Annäherung der Griechen an Alcko Pascha zweifelsohne zu Stande bringen wird. Man kann überhaupt dem Direktorium eine gewisse Geschicklichkeit nicht absprechen, welche sich eben auch in Bezug auf die Juden von Ost-Rumelien dokumentift hat. Neben den Türken sind bekanntlich die zumeist dem spanischen Ritus angehörenden Juden das bestgehaßte Element in der antonomcn Provinz, und es gehörte mit zu den Merkmalen der bulgarischen „Regeneration", daß man überall die Juden von Haus und Hof vertrieb. In Konstantinopel irrten obdach- und brodlos mehrere hundert Familien dieser aus ihren Geburtsorten verjagten Unglücklichen. Die Pariser „Alliance Jsraelite" hat einen Herrn Vencziani als Delegirten hergeschickt, damit dieser die Erlaubniß für die freie Rückkehr der Expatriirten erwirke. Fürst Bogorides hat diese Erlaubniß ertheilt und es hat bereits die Repatriirung der Israeliten begonn n. Die ersten Familien sind in Jmboli, Karlovo nnd Eski- Sagra eingetroffen. Natürlich gewinnt der Generalgouverneur in diesen rückkehrendcn Flüchtlingen eine ansehnliche Anzahl von Anhängern, die unter Umständen der Regierung nicht unwesentliche Dienste leisten können, abgesehen davon, daß dieser Akt der Gcrechtig, keit und Humanität dem Gouvernement auch im Aus lande eine gewisse Anerkennung verschaffen dürfte. Feuilleton. Mabbi Ioselmann von 'Mosheim. Eine historische Erzählung. XLIX. Es sind oft ganz eigenthümliche Mittel und Wege, deren sich die göttliche Vorsehung bei ihrem Wirken und Walten bedient. Die Kirchenreformation des 16. Jahrhunderts war ohne Frage ein großes Glück für die unterdrückten und verfolgten Nachkommen Jakobs; denn durch sie brach sich allmählich ein Geist größerer Toleranz Bahn; aber der vollständige, sofortige Sieg der Reformation wäre ein unsägliches Unglück für sie gewesen. Von dem exclusiven Geiste Luthers war' die ganze Reformation getragen; wäre es den Reformatoren gelungen, Kaiser und Reich widerstandslos für sich einzunehmen, so wäre für die Juden kein Raum mehr in Deutschland gewesen. Der letzte Entscheid über diesen sofortigen und widerstandslosen Sieg lag — die Wege der Vorsehung find wunderbar — bei einer schönen Mainzer Bäckerstochter. Margaretha Niedinger war ein schönes, frommes, tugendsames Mädchen; man konnte, wie die Chronisten berichten, rheinauf, rheinab kein schöneres finden. Der junge Kurfürst Albert war in heißer Liebe zu der schönen Bäckerstochter entbrannt, und er hätte sein Kurfürstenthum darum gegeben, wenn er bei ihr Gehör gefunden. Allein seine reichen Geschenke wurden zurückgewiesen, jeder Annäherung sorgfältig aus dem Wege gegangen. Als des Kurfürsten Werben dringender wurde, hatte Meister Riedinger seine Tochter zu einer Base nach Worms geschickt. Inzwischen waren die weltgeschichtlichen Ereignisse eingetreten, von denen wir oben erzählt haben. Die Anhänger der alten Kirche begriffen sehr wohl, daß das Verhalten des Kurfürsten Albert eine entscheidende Wirkung üben würde; allein, der junge Kirchenfürst schwärmte für die neuen Ideen und namentlich für die Umwandlung seines geistlichen Kurfürstenthums in ein weltliches, erbliches; man wußte nicht, wie man auf ihn einwirken sollte. Da erblickte der Mainzer Domherr Thomas, Graf von Nieneck, die schöne Mainzer Bäckertochter zufällig in Worms. Er kannte sie von Mainz aus und wußte, wie sehr Albert ihr zugethan war. Noch an demselben Tage schickte er den Beichtiger ihres Vaters, den Pater Laurentius . der sich im Gefolge des Kurfürsten befand, zu der Jungfrau. Dieser verhieß derselben des Himmels Seligkeit, wenn es ihr gelingen möchte, den Kurfürsten von den ketzerischen Ideen und namentlich von der projcctirten Heirath abzu-

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