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Der Israelit · 1879-06-25 · Heft 26 (25.6.1879) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 26 (25.6.1879)
Date
1879-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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665 Eltern zu ehren", der Stadt ein Kapital ron 300,000 Mk. zur Verfügung gestellt, um davon eine Alterversorgungs-Anstalt unter dem Namen Jacob Plaut'sche Stiftung zu erbauen und zu unterhalten. Der edle Wohlthäter glaubt damit zugleich dem von seiner Majestät dem Kaiser kundgegebenen Wunsche, Sein goldenes i Ehejubiläum vorzugsweise dadurch zu ehren, daß huma-! nitaire Zwecke gefördert werden, in geeigneter Weise zu entsprechen. Zur Verwaltung dieser Stiftung soll nach dem Willen des Stifters ein aus 5 Personen bestehendes Kuratorium gebildet werden, welchem angehören sollen: 1. ein vom Magistrat zu deputirender Vorsitzender, 2. ein von der Familie Plaut zu wählendes Mitglied zur Zeit Hr. Bankier S. Frenkel, 3. ein christlicher Geistlicher der hiesigen Stadt, z. Z Hr. Oberprediger Dr. Haase, 4. der jedesmalige Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, z. Z. Hr. Rabbiner Dr. Leimdörfer, 5 Hr. Theodor Müller. Aufnahme in die Plaut'sche Stiftung sollen würdige und bedürftige hiesige Einwohner ohne Rücksicht auf ihre Confession finden, doch müssen sie das 50. Lebensjahr überschritten und 5 Jahre ihren Wohnsitz Hierselbst gehabt! haben. Die aufzunehmenden Personen erhalten in der! Anstalt freie Wohnung und soweit es die Mittel gej statten, auch Beköstigung. Sobald die bereits nachgej suchte landesherrliche Genehmigung ertheilt sein wird. j soll mit dem Bau der Anstalt sofort begonnen und das übrige Kapital dem Magistrat zur Verfügung gestellt werden. In der gestrigen Stadtverordnetenj Sitzung, in welcher in einer Vorlage des Magistrats i das betreffende Schreiben des Herrn Jacob Plaut! zur Kenntnißnahme mitgetheilt wurde, gab die Versammlung dem Danke für die hochherzige Stiftung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck, der noch besonders in einem gemeinschaftlichen Schreiben des Magistrats und der Stadtverordneten dem edlen Stifter dargebracht werden soll. Schon einmal, vor 14 Jahren hat der Herr Jacob Plaut in Gemeinschaft mit seinen Brüdern, den Herren Moritz und Gustav Plaut, unserer Stadt eine Stiftung von 10,000 Thalern zugewandt, aus welcher die Zinsen alljährlich an arme Leute, welche hier ortsangehörig sind, durch den Magistrat vertheilt werden; in gleicher Weise wurden damals von den Stiftern auch die Städte Leipzig und Berlin bedacht. Der „Nordh. Ztg." zufolge hat der Schwager des Stifters, Herr Bankier S. Frenkel in Nordhausen, ein ihm gehöriges Areal am Taschenberge, 42/a Morgen, obiger Stiftung zum Geschenk gemacht. England. London. Ganz besonderes Interesse erregt und j verdient die Neuorganisation des Jew. College für > Vorbeter, Prediger, Vcrlcser und Religionslehrer, welche I besonders der Einsicht und Energie des Herrn Dr. Friedländer zu verdanken ist. Nach dem neuesten Plane sind 2 Klassen eingerichtet, die untere 3jährig, für Jünglinge von 16 bis 20 Jahren, die gewissermaßen eine Fortsetzung der Elementarklasse bildet. Das Wichtigste aus Geschichte, Religion, die Elemente hebr. Grammatik, die täglichen Gebete und der Pentateuch, sowie leichte Stellen aus den rabbinischen Schriften sollen die Kenntniß der Candidaten der Unterklasse bilden; dabei müssen sie die Matriculationsprnfung für die Londoner Universität bestanden haben. Die Unterrichtsgegenstände dieser Abtheilung bilden außer den Universitätslectionen Religion, jüd. Geschichte und Literatur, hebr. und chald. Grammatik, das Buch Daniel und die Targumim, Geschichte und Uebersetzung der üblichen Gebete, die Propheten, Raschi und Biur, und vom Talmud Seder I. und II, Vocalmusik und Thoravorlesen. Die Oberklasse soll sich vorzüglich mit hebräischen und theologischen Studien befassen; auch ist die Universität zu absolviren. Es werden besonders Religionsphilosophie, neuere jüd. Geschichte, Talmud, Commentatoren, Vocalmusik, Homiletik, tractirt. Auch Gelegenheit die Schechita zu lernen ist gegeben. Man hofft, daß sich viele Anlässe finden werden, um Gelegenheit zu praktischer Ausübung den Studenten zu geben. Die Anstalt wird Lehrer und Borbeter, Prediger und Rabbiner ausbilden Mit der Anstalt ist eine Präparandie verbunden, die Knaben im Alter von 13 bis 16 Jahren aufnimmt. Das Schulgeld beträgt hier 10 L. jährlich. Alljährlich im Manat Mai soll eine Preisvertheilung stattfinden. Das Lehrercollegium soll aus einem Director, einem theologischen Aufseher, einem englischen und einem hebräischen Lehvkr für die Präparandie, außer den Fachlehrern für Realien, Musik u. s. w. bestehen. — Auch für die Existenz der Schüler ist mehr Sorge getragen; jeder soll auf Verlangen 50 L. pro Jahr bekommen, sowie freien Universitätsbesuch. Die Erhaltung der Anstalt gründet sich auf jährliche Beiträge der vereinigten Gemeinden, Schenkungen von Rothschild und Samuel und anderen Fonds, so daß die jährlichen Einnahmen 1035 L. betragen. Diese reichen aber nicht ganz aus und es bleiben noch jährlich 275 L. aufzubringen. Die Lehrer sind Dr. Friedländer und Dr. Adler. Es ist gewiß zu erwarten, daß die englischen Juden, deren wohlthätiger Sinn und frommes Herz, sowie deren Begeisterung für das Judenthum so herrliche Beweise geliefert haben, dieses so segensreiche Justitut mit Geld so ausstatten werden, daß es auch geistig blühen könne. Das englische Judenthum wird durch gelehrte Rabbiner nur an Achtung und Reinheit gewinnen. (Jsr. Wchschr.)

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