Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1879)
- Date
- 1879-06-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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664 nett Uhr mit stückweiser Kette, welche wahrscheinlich vom Leibe des Glaser abgerissen worden ist. — Bezüglich des Zustandes der Emma Rosenauer bestätigt sich unsere obige Angabe, indem sie, wenngleich mit sechs Stichen verwundet, außer Gefahr ist. Die Verwundungen des Glaser bestehen aus Schädelbrüchen, deren Zahl noch nicht zu constatiren ist, sowie einem Stiche in den Hinterkopf; die der Gattin ausschließlich aus Schädelbrüchen. Das Dienstmädchen Glasers war während des Vorfalles nicht anwesend. Der Inhaber eines im Hause befindlichen Geschäfts landwirthschaftlicher Geräthe will den ganzen Nachmittag über öfters eine verdächtige Person vor dem Hause bemerkt haben. Würzbltrg, 21. Juni (Abends). Der gräßliche Mord, welcher vorgestern Abends in der Kaiserstraße verübt wurde, hat bereits ein Opfer gefordert. Herr Privatier Jakob Glaser ist in der Nacht von gestern auf heute seinen Wunden erlegen. Mit Frau Glaser steht es eingezogenen Erkundigungen nach, sehr schlecht, auch der Zustand Emma Rosenauer's hat sich verschlimmert. Herr und Frau Glaser sind bereits gestern in ihre Wohnung zurückgebracht worden. — Im Laufe des gestrigen Tages ist eine große Anzahl verdächtiger Personen verhaftet worden, leider aber wurde der Thäter bisher nicht ermittelt. Die Auffindung desselben wird durch den inzwischen eingetretenen Tod des Herrn Glaser, der nicht mehr vernommen werden konnte, natürlich sehr erschwert. Der Zustand der Frau Glaser erfordert äußerste Schonung und läßt daher bis zur Stunde eine Vernehmung noch nicht zu. Würzbltrg, 22. Juni. Im Laufe des gestrigen Tages wurden wieder mehrere Verhaftungen vorgenommen, ohne daß es jedoch gelang, den Mörder zu ermitteln. Einer von denen, auf welche das Auge der Polizei fiel, leistete bei seiner Verhaftung so energischen Widerstand, daß er durch 6 Mann auf die Wache getragen werden mußte. Leider ließ sich hiebei das Publikum insoferne Ausschreitungen zu Schulden kommen, als die Umstehenden auf den Verhafteten nach Kräften zuschlugen, in der Meinung, den wirklichen Mörder vor sich zu haben. Die Unschuld dieses Mannes ist jedoch zweifellos erwiesen. — Ein Commis, der von Kitzingen hierher abgeliefert worden war, weil das Signalement des Mörders auf ihn paßte, ist wieder freigelassen worden. Aus der Provinz Sachsen, 13. Juni. Eine Annonce in Ihrem geschätzten Blatte, in welcher ein Herr Seligsberg in Bayreuth (Antiquar-Buchhandlung) ausschreibt, daß er den Tractat 7m mit Übersetzung und Commentar für M. 2 liefere, veranlaßte mich, mir dieses Buch kommen zu lassen. Heute erhalte ich dasselbe und sehe zu meinem Erstaunen. daß die Uebersetzung von einem Dr. Prediger F. Ch. Ewald in London (wahrscheinlich Missionär) herrührt, und namentlich bezüglich des Commentars in einem Sinne geschrieben ist, der nichts weniger als empfehlenswerth ist. Dies zu veröffentlichen hielt ich für meine Pflicht. B. Hamburg, im Juni. Hiesige Blätter berichten : Ein prachtvolles Oelgemälde, die große Synagoge an den Kohlhöfen während eines Laubhütten-Gottesdienstes darstellend, wurde uns heute zur Besichtigung vorgesührt. Der Maler des Bildes ist Herr A Fietz Ficzello, ein gegenwärtig hier weilender Meister, der an der Pariser Künstlerschule seine akademische Ausbildung erhalten hat und für seine Gemälde bereits mit dem Orden der französischen Ehrenlegion geschmückt ist. Schon ein oberflächlicher Blick auf das in künstlerisch abgetöntem (dem Charakter des Gotteshauses entsprechenden), nichtsdestoweniger aber weichem und lebendigem Colorit gehaltene Bild, genügt uns, in dem Verfertiger einen Meister der architectonischen und derPortraitmalerei erkennen zu lassen. Der Wandschmuck, die architectonischen Linien der Schiffe und der Säulen, die Fenster der Glasmalerei sind bis ins kleinste Detail getreu wiedergegeben. Dieselbe Sorgfalt verräth sich in der Wiedergabe der zahlreichen Personen, welche in den Synagogenstühlen das Bild beleben. Die Gruppirung ist harmonisch, der Ausdruck der Gesichtszüge lebendig, wie wir hören, auch portraitähnlich Die Gemeinde ist im Gebet begriffen, während der Geistliche und die Cantoren vor offener Bundeslade den Dienst verrichten. Die grünen Palmenzweige in den Händen der Beter verleihen dem kirchlichen Charakter des Ganzen einen freundlichen und heiteren Anstrich. Das schöne Bild, welches in photographischer Vervielfältigung in dem Verlage des Herrn A. Goldschmitt (vormals Wilhelm Kaufmann), Kohlhöfen 35, erschienen ist, wird sicherlich zahlreiche Käufer finden. Das Photogramm kann jedem Zimmer (und es braucht gerade kein jüdisches zu sein) zur Zierde gereichen. Nordhausen, 10 Juni, lieber die großartige Schenkung des Hrn. I. Plaut, berichtet der „Nord. Courier" : Der Ehrenbürger unserer Stadt, Hr. Jacob Plaut, früher Mitinhaber des Bankhauses H. C. Plaut in Leipzig, hat „in dankbarer Gesinnung gegen seine Vaterstadt Nordhausen und um das Andenken seiner