Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1879)
- Date
- 1879-06-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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642 brüdern in der Doppelmonarchie der Fall. Ein sprechender Beweis hiefür ist auch die vorliegende Rede. Mit warm empfundenen Worten, wie sie nur ungeheuchelte Begeisterung eingeben kann, schildert der Redner in edler, schwungvoller Sprache die Gefühle, die alle Unterthanen des großen Reiches an diesem Tage bewegen, wie sie alle, gleichsam eine große Familie, das Fest des Herrscherpaares mitfeiern, und wie vor Allem die Israeliten Grund haben, mit freudig gehobener Stimmung an demselben theilzunehmen. Der Redner schildert die trüben Zustände der Israeliten vor 25 Jahren, wie ihre Thätigkeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens dnrch Ausnahmsgesetze lahmgelegt war und wie langsam und stetig, „wie die Sonne den Horizont nach und nach aufhellt, dann immer lichtvoller und glänzender hervortritt, bis sie in ihrer ganzen Pracht und ihrer vollen Schönheit strahlt," auch für die Israeliten der Monarchie nach jenem ersten Lichtstrahl der Befreiung, der sich in dem Aufheben des Gesetzes über die Beschränkung der Eheschließung unter den Israeliten zeigte, das Licht der Freiheit immer heller wurde, so daß sich die Israeliten der Monarchie nun schon seit Jahren der vollen Gleichberechtigung erfreuen. Anknüpfend an die Worte des Psalmisten: 'n D'ua ncs’ ix ,ro-i irs pinttf ero* tx 'oi nrx oy ruryp, weist der Redner darauf hin, wie eine liberale Gesetzgebung gegenüber den Juden gewöhnlich der Vorbote einer liberalen Richtung'der Gesetzgebung im Allgemeinen ist, wie das auch im österreichischen Kaiserstaate der Fall war. „„Das erhöht unsere Freude und vermehrt unseren Jubel, daß die Völker alle sagen müssen: „Großes hat der Ewige diesen, den Bekenner« des Judenthums gethan, ja, Großes hat der Ewige uns Völkern gethan." Denn die Freiheit Israels war nur der glanzvolle Vorbote der allgemeinen Freiheit."" Treffliche Citate aus V'jn und D’izma ergänzen auf's Würdigste Form und Inhalt dieser gehaltvollen Rede, die den Besten auf diesem Gebiete zur Seite gestellt zu werden verdient. —t— Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzen. Deutschland. Bayreuth. 1. Juni. Die hiesige Gemeinde hat ihren langjähren Vorsteher und nPsrn tya an hohen Festtagen, Herrn D. W. Wilmersdörffer zu seinem 61. Geburtstage einen schön gearbeiteten Pokal mit Untersatz, beide von Silber, gewidmet. — Am mmy wurde diese Ehrengabe dem Gefeierten durch eine Deputation von Vorstands - und Ausschußmitgliedern überreicht. Herr Vorsteher und Fabrikant Bettmann sprach in beredten Worten Herrn Wilmersdörffer den Dank der Gemeinde für seine seltene Hingebung und Förderung aller Gemeinde-Interessen aus und schilderte die vielseitigen Verdienste, die er sich während seiner Functionszeit als Vorsteher und nssn tya in hiesiger Gemeinde erworben hat. Möge Herrn Wilmersdörffer noch viele Jahre gegönnt sein, zum Heile der Gemeinde wirken zu können, und möge ihm Gott in seiner Gnade hiezu Kraft und Gesundheit im reichen Maße verleihen! D.r. Burgsteinfurt (Westphalen). 3. Juni. Me Bewohner unserer Stadt sind durch eine Ordensverleihung an einen ihrer beliebtesten Mitbürger recht angenehm berührt worden. Dem Lehrer für Stotternde, Herrn Emil Denhardt senior, Begründer der hiesigen Heilanstalt für Stotterer, welche bereits 1099 Leidende, unter denen eine große Anzahl armer Personen, geheilt entließ, dessen Heilverfahren — rationelle Gymnastik der Syrachwerkzeuge — schon durch Behörden und Autoritäten als ein vortreffliches gekennzeichnet war, wurde nunmehr auch von Sr. Majestät dem Kaiser, in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um die Heilung des Stotterns, der Kronen- Orden verliehen. Möge diese Auszeichnung dem, wenn auch schon bejahrten, in seinem Forschen und Streben jedoch noch unermüdlichen Herrn Emil Denhardt senior zur Aufmunterung dienen, noch recht lange den unglücklichen Stotterern nützlich zu sein. Breslau Als Ergänzung meines jüngsten Berichtes theile ich Ihnen nachträglich mit, daß das Curatorium des hiesigen Rabbinerseminars dennoch mit einem früheren Schüler des Seminars, Herrn Dr. Zuckermandl in Unterhandlung getreten ist, behufs Uebernahme der Talmudlehrerstelle. Auch er hat abgelehnt. Die eigenen Treuen, werden also untreu! p£X’ x? vitmpa ]n. Es ist das sehr zu bedauern, denn trefflicher hätte der Verfall der ganzen Institution nicht illustrirt werden können, als durch eine solche Wahl. Frankel, Lazarus — Zuckermandl! — Jedenfalls sieht man aus dem Anerbieten, wie wenig wählerisch die Herren v.m Curatorium sind, und wie locker die Beziehungen zwischen dem Curatorium und der „Jsraelitschen Wochenschrift" sein müssen. Aber das Maas ist noch nicht voll. Sogar einem Kaufmann hat man die Talmudlehrerstelle offerirt: Herrn Kaufmann Hirschberg in