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Der Israelit · 1879-06-18 · Heft 25 (18.6.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 25 (18.6.1879)
Date
1879-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 25 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Geschichte der Juden am Bodensee und Umgebung. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestcllt von Dr. L. Löwenstein. Th. 1879. Gailingen. Selbstverlag. Wir haben schon wiederholt an dieser Stelle die dringende Nothwendigkeit betont, daß die jüdische Geschichtsschreibung nicht fernerhin eine Domäne des Reformjudenthums bleiben, sondern daß eine jüdische Feder, jüdische Geschichte schreiben möge; wir freuen uns daher doppelt und dreifach in dem vorliegenden Buche einen überaus gelungenen Versuch begrüßen zu können, der diesem Bedürfniß in glänzender Weise gerecht wird. — Zwar sind von gesetzestreuer Seite in den jüngsten Jahren nicht zu unterschätzende Beitrage zur jüdischen Geschichtsforschung geliefert worden, aber dieselben sind noch immer nicht so reichlich, als daß die Befriedigung über eine neue derartige Erscheinung unberechtigt erschiene. Wir wollen nun sofort bemerken, daß irgend eine religiöse Tendenz oder gar Parteirichtung im ganzen Buche nicht zum Ausdruck kommt. Nur im Vorwort drückt der Verfasser den Wunsch aus, daß seine Glaubensgenossen zuweilen auf unsere trübe Vergangenheit zurückblicken und sich erinnern möchten, was unsere Ahnen für den Glauben erduldet und ertragen haben, welcher Aufopferung sie fähig waren, um in diesem Glauben und in dessen Bethätigung zu leben und zu sterben. Die ganze Darstellung ist eine so belehrende, anziehende, daß diese eine Anregung vollkommen genügt, um den Leser selbst die Paralellen zwischen Dm D'v'D und nn jdd ziehen zu lassen. Wie uothwendig gerade in unserer Zeit eine solche Anregung, und wie zeitgemäß daher gerade jetzt ein derartiges Buch ist, bedarf keines weitläufigen Nachweises. Der Geschichtskenner, welcher dieses Buch zur Hand nimmt, ist, wie der Vers, vorausschickt, darauf gefaßt, einen Gang durch Nacht und Finsterniß zu machen. Das Mittelalter bietet für die jüdische Geschichte soviel des Traurigen, daß es fast Ueberwindung kostet, die damaligen Vorgänge zu veröffentlichen, zumal in einer Zeit, in welcher confessionelle Befangenheit und religiöses Vorurtheil mehr denn zuvor auch unter den sog. höheren Ständen hervortreten. Allein eben deshalb dürfte eine sachliche Darstellung der Vergangenheit nicht unnütz und nicht unnöthig sein. Das Buch umfaßt die Geschichte der Juden in Ueberlingen, Constanz. Schaffhausen und Dießenhofen. Verschiedene andere einschlägige Partien erübrigen noch der Behandlung. Die r.othwendigen Materialien hat der Verf. bereits gesammelt, und sollen in einem zweiten Theil veröffentlicht werden, falls der erste eine günstige Ausnahme findet. Das ganze Buch zeugt von einem gründlichen Quellenstudium und einer erstaunlichen Belesenheit des Verf. in allen einschlägigen Schriften. Die äußere Form der Darstellung ist eine so ansprechende, abgerundete, daß nur wenige Leser einen Begriff von der unsäglichen Mühe erlangen dürften, die erforderlich ist, um die in seltenen Schriften und Urkunden zerstreuten Notizen, zu einem einheitlichen Ganzen zu vereinigen. — Das Verdienstvolle dieser Arbeit wird noch durch den Umstand gesteigert, daß der Verf., der auf einem Dorfe — in Gailingen — wohnt, den größten Theil des weitschichtigen Materials von auswärts beschaffen mußte. Wir müssen es uns versagen aus der reichen Fülle des hier gebotenen Interessanten, Einzelnes herauszugreifen, und verweisen auf das Buch selbst. —n— „Der Tag des Jubels und der Freude, Festrede zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten Franz Joseph I. und Elisabeth, gehalten in der Synagoge zu Altofen, von M. Hirsch, Oberrabbiner. Es ist in diesen Blättern schon berichtet worden von den Huldigungen, welche die jüdischen Einwohner der österreichisch-ungarischen Monarchie dem edlen Kaiserpaare, aus Anlaß der silbernen Hochzeit desselben, dargebracht haben. Die Juden aller Länder sind ihrem Fürstenhause anhänglich; in besonderem Maße ist dieß bei unseren Glaubens-

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