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Der Israelit · 1879-06-18 · Heft 25 (18.6.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 25 (18.6.1879)
Date
1879-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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639 Kurfürsten Albert II, der unterdeß vom Pabste zum Cardinal ernannt worden war, umschloß bald ein enges Freundschaftsbündniß. Kurfürst Albrecht hatte am meisten zur Wahl Carls beigetragen; Carl bestätigte Albrecht als Erzkanzler des deutschen Reichs und übergab ihm das Reichssigel. Kurfürst Albert war, wie wir bereits oben erzählt haben, ein Freund Ulrichs von Hutten. Dieser hatte unterdeß offen für Luther Partei genommen und in zahlreichen Schriften gegen das Pabstthum gekämpft. Auch an Kaiser Carl richtete Hutten ein Sendschreiben, in welchem er ihn ermahnte, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Kurfürst Albert war halb und halb für Luther gewonnen. Wiewohl er öffentlich, dem Befehle des Pabstes folgend, Ulrich von Hutten von seinem Hofe verbannt hatte, wiewohl er, ebenfalls auf Befehl des Pabstes. die Schriften Luthers hatte verbrennen lassen, war er doch heimlich der Lutherischen Lehre zugethan, geradeso, wie sein Bruder, Kurfürst Joachim von Brandenburg, der ebenfalls damals noch nicht öffentlich für Luther Partei genommen hatte, heimlich aber das Auftreten des Reformators begünstigte. Sieben Kurfürsten gab es; drei davon waren für Luther gewonnen: die Kurfürsten von Sachsen, Pfalz und Brandenburg; wäre der Kurfürst von Mainz zu gewinnen gewesen, so hätten die Lutheraner im Collegium der Kurfürsten nicht allein die Majorität gehabt, es wäre auch anzunehmen gewesen, daß Kurfürst Albert den Kaiser, der ihm so sehr zugethan war, der Lutherischen Sache geneigt gemacht hätte. Luther erkannte das wohl, und er machte dem jungen Albrecht einen Vorschlag, von dem anzunehmen war, daß der ehrgeizige Fürst ihn mit Freuden befolgen würde, den Vorschlag , daß er sein Kurfürstenthum in ein weltliches, erbliches umwandle und sich vermähle. Einige Jahre später, hat ein anderer Albrecht von Brandenburg, ein Vetter des Kurfürsten von Mainz, der Großmeister deS deutschen Ordens, einen ähnlichen Vorschlag zur Ausführung gebracht und sein geistliches Ordensland, Preußen, in ein weltliches, erbliches Herzogthum umgewandelt. So ist Preußen an das Haus Brandenburg gekommen. Auch dem Kurfürsten von Mainz gefiel dieser Vorschlag wohl, und er hatte versprochen, ihn in Erwägung zu ziehen. Im Januar des Jahres 152 l wurde der Reichstag zu Worms eröffnet Kaiser Carl hielt eine Anrede an die versammelten Fürsten und Reichsstände, in welcher er seine deutsche Abstammung hervorhob und versprach, die Monarchie Kaiser Carls, des Großen, wieder herzustellen. Es gab auf diesem Reichstage viel zu ordnen, und Rabbi Joselmann konnte lange Zeit nicht die gewünschte Audienz beim Kaiser erlangen. Da wurde zuerst ein Krieg gegen die Türken berathen; denn Sultan Soliman eroberte ein Land nach dem andern; zum zweiten kam eine neue Reichsgerichtsordnung zur Berathung; drittens wurden Gesetze gegen die überhandnehmende Kleiderpracht erlassen; viertens wurde beschlossen, den willkürlichen Zöllen in den Reichslanden Einhalt zu thun; fünftens wurde die berühmte lex Carolina, oder Kaisers Carls V. hochnothpeinliche Halsgerichtsordnung zur Vorlage gebracht, damit Friede, Ordnung und Sicherheit des EigenrhumS walten in deutschen Landen; sechstens, wurde eine Stellvertretung angeordnet, die an Kaisers Statt zu entscheiden habe, wann der Kaiser durch seine Berufspflichten gezwungen, in außerdeutschen Landen verweilen würde. Endlich sollte auch die religiöse Frage ihre Entscheidung finden. Unter dem 6. März 152l wurde Luther von Kaiser Carl V. unter Ertheilung eines feierlichen, auf 21 Tage lautenden, kaiserlichen Geleitbriefes, vor dem Reichstage zu Worms zu erscheinen, citirt. Luther machte sich auf den Weg, um dem Rufe des Kaisers zu folgen; an einigen Orten, an denen er vorüberkam, predigte er unter großem Zulauf der Menge. Ueberall wurde er mit großen Ehrenbezeugungen empfangen. Am 16. April war Luther in Worms angelangt. Der kaiserliche Herold ritt seinem, mit Leinwand bedeckten Wagen. welchen eine zahllose Menge Volks umgab, voran, und viele Edelleute, Ritter, fürstliche Diener, viele Senatoren und Abgesandte der Reichsstädte waren ihm entgegengeritten und begleiteten ihn bis zu seiner Herberge, die er bei den Maltheserrittern genommen hatte. Unverholen zeigte sich die größte Theilnahme für Luther; unter des Kaisers Augen wurden Luthers Schriften verkauft, und Pasquille und Carricaturen auf den Pabst und fein Regiment an allen Ecken feil geboten. Bis spät in die Nacht hinein wurde Luther von Hohen und Niedern, ohnerachtet der drei Bannflüche, die der Pabst gegen ihn geschleudert hatte, besucht. Der Reichsmarschall, Ulrich von Pappenheim, zeigte dem Reformator an, daß er schon am kommenden Tage vor der-ReichSversammlung zu erscheinen habe. So viele Fürsten, Erzbischöfe, Bischöfe, Herzöge, Grafen, Edelleute und Deputirte der Städte, wie jetzt in Worms versammelt waren, hatte noch kein Reichstag gesehen.

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