Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-06-18 · Heft 25 (18.6.1879) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 25 (18.6.1879)
Date
1879-06-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447822--16302-2472283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

638 der von einem Comitö vorbereiteten Grundzüge einer Stiftung für Lehrerskinder, welche den Namen „W i l - Helm Augusta-Stiftung für Lehrerskinder aller Confessionen" führt, und deren Mitglieder jährlich 1 Mark zahlen. Die Anwesenden legten zur Beschaffung eines Grundkapitals einen Betrag zusammen, der sich auf über 500 DU. belief. Die Redaktion der Statuten der gestern konstituirten Stiftung wurde einem Comito, bestehend aus den Herren Wörner, Rektor Chun, Direktor Eiselen, Direktor Hirsch, Harnischfeger, Franz Krug, Oberlehrer Batter, Rektor Veith, Adolf Teblöe übertragen und bestimmt, daß Anfangs August die erste Generalversammlung stattfinden solle. k Bon dev Rhön, Mitte Juni. Am 11. d. M. wurde in dem nahen Geisa ein Mann zu Grabe getragen, der eS verdient, auch in diesen Blättern Erwähnung zu finden. Der ehemalige Religionslehrer und Borbeter Michael Goldberg zu Tann v. d. Rhön, der vom Brandunglücke mitbetroffen wurde, suchte zu Geisa bei seiner dort verheiratheten Tochter mit seiner Gattin ein momentanes Unterkommen. Nachdem er daselbst 4 Wochen sich von den Nachwehen des; erlebten Schreckens erholt und sich bereits mit! seinem Geschicke ausgesöhnt hatte, verschied der-! selbe am 9. d. M. nach kurzem Krankenlager :m; 77. Lebensjahre sanft und ergeben in den Willen! Gottes. — Auch bei dieser Gelegenheit zeigte sich die Pietät der jüdischen Gemeinde zu Tann im schönsten Lichte. Kaum war die Todeskunde dorthin gedrungen, als von dort telegraphisch nach Geisa gemeldet wurde, die Gemeinde wolle ihren verehrten Lehrer, der 40 Jahre in treuer Hineei bung bei ihnen gewirkt habe, auch im Tode nicht missen und man möge feine Grabstätte auf ihre; Kosten dort einräumen. Erst als derselben bedeutet wurde, daß dies nach pdd ,mi‘' unzulässig sei, stand man von diesem Wunsche ab. Doch betrachtete es der größte Theil der Gemeinde als eine Anforderung der Pietät gegen ihren greisen Lehrer demselben i as letzte Ehrengeleite zu Grabe zu geben. Am Grabe sprach Lehrer Blank aus Geisa über den Ausspruch unserer Weisen Vn nroT dh DrvpyD □’pia 'iv napa mrsj ü’emji p« Lehrer Hecht aus Tann widmete dem Entschlafenen , der ein Biedermann im echten Sinne des Wortes war, Namens der Gemeinde Tann Worte des Dankes und der Anerkennung. Nordhaitfen, 10.Juni. Hr. Jacob Plaut hat der Stadt Nordhausen, anläßlich der Feier der goldenen Hochzeit des Kaisers und der Kaiserin, 300,000 Mk. zur Stiftung einer Alterversorgungskasse geschenkt. Rumänien. Bukarest, 15. Juni. Das Regierungsorgan „Romanul" fordert die Kammern auf, die Frage der Judenemancipation nunmehr möglichst rasch zu erledigen, um die politische Siruation des Landes zu consolidiren, da jede Zögerung die Schwierigkeiten vergrößern würde. R u ß l a n d. Kotvno. Auch von hier haben wir einen traurigen Beitrag zu der in Rußland heuer schier zu Tode gehetzten Beschuldigung vom Gebrauche des Christenblutes zu Ostern zu melden. Aus einem Dorfe in der Nähe unserer Stadt entfernte sich kurz vor Beginn unseres Festes ein Bauer. Bergcblich sahen Frau und Kinder seiner Wiederkehr von Tag zu Tag entgegen. Das räthselhaftc Verschwinden des Mannes fiel auf und bald war es beschlossene Sache, die Juden unter der bekannten Beschuldigung dafür verantwortlich zu machen. Sogar Pfarrer und Richter schlossen sich der allgemeinen Auffassung an. Nach 8 Tagen erschien endlich der Bauer, natürlich in maßlos angetrunkenem Zustande. Er hatte nämlich 8 Tage früher ein Pferd verkauft. Um nun den Erlös dafür in aller Gemüthsruhe, von Frau und Familie unbehelligt, bis zum letzten Kopeken vertrinken zu können, hatte er sich eine etwas weiter liegende Stadt, wo man ihn sicherlich nicht vermuthen würde, ausgewählt. Als man ihm mittheilte, man habe sich seinetwegen sehr geängstigt und bereits angenommen, daß die Juden sich seines Blutes bedient hätten, antwortete er mehr offenherzig,als judenfreundlich: „Hätte ich das geahnt, so hätte ich meine Rückkehr noch um einige Tage aufgeschoben, bis ihr an den Juden glühende Rache genommen hättet." (Jsr. W.) Feuilleton. Kabbi Zoselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XLVm. Kaiser Carl war von Aachen nach Mainz gereist und daselbst am 23. November unter großen Feierlichkeiten empfangen worden. Er wohnte in dem Schlosse des Kurfürsten, der Martinsburg. 'Die beiden jungen Fürsten, den Kaiser und den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.