Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1879)
- Date
- 1879-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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634 binen, welche sich akademische Bildung aneigneten und die philosophische Doctor-Würde erlangten. Es ging dies nicht ohne harte Kämpfe vor sich; in einem satyrischen Gedichte, das damals in aller Munde war, heißt es von Rabbi Mordechai Adler: „Der Raw, der sollt' die Kille (Kehille) führen „Und läßt den eigenen Sohn studiren!" Im Jahre 1829 wurde der junge Rabbiner nach Oldenburg berufen, woselbst er jedoch nur ein Jahr seines Amtes waltete. Als nämlich sein Vater starb, wurde er als Königlicher Landrabbiner nach Hannover berufen; Herr Rabbiner Hirsch ’“j wurde sein Nachfolger in Oldenburg. Die Wirksamkeit Dr. Adler's in Hannover war eine überaus segensreiche; er wußte sich die Liebe der seiner geistlichen Obhut unterstehenden Gemeinden im vollen Maaße zu erwerben; ebenso die Hochachtung der höchsten Behörden des Landes. Damals war Hannover in Personal-Union mit England verbunden; der König von England war zugleich König von Hannover. An der Spitze der Regierung stand ein Bruder des Königs, Prinz Adolph, Herzog von Cambridge, als Vicekönig. Dieser lernte persönlich den jungen, frommen, uneigennützigen, gelehrten Rabbiner kennen und schätzen. Als durch den Tod Köniz Wilhelms IV. die Personal-Union gelöst wurde, Victoria den englischen Thron bestieg, und in Hannover, wo in Folge des salischen Gesetzes die weibliche Linie von der Thronfolge ausgeschlossen ist, Ernst August, damals Herzog von Cumberland, König wurde, kehrte Prinz Adolph nach England zurück, und dieser war es namentlich, der, als der Londoner Rabbiner- Sitz vacant wurde, den von ihm hochgeachteten Rabbiner zu Hannover empfahl. Im Jahre 1815 wurde vr. Adler nach London berufen, als Oberrabbiner für einen Sprengel, in welchem die Sonne nicht untergeht; denn wenn sie in London vom Horizonte verschwindet, da ist sie in Australien bei unseren Antipoden schon aufgegangen; wir wollen hier gleich eine interessante Thatsache erwähnen. Als vor circa 30 Jahren in Australien die ersten Goldfelder entdeckt wurden, da erwarben die dortigen Israeliten den zuerst aufgefundenen Goldklumpen — im Werthe von 1509 Thalern — ließen einen Becher daraus formen und machten mit diesem ihrem Oberrabbiner zu London ein Geschenk. Auch in London ist die Wirksamkeit unsres verehrten Jubilars eine außerordentlich segensreiche; seinem eifrigen und unausgesetzten Mühen für Q'-ion rriiay min ist es namentlich zu verdanken, daß diese drei Grundpfeiler des Judentums in England stark und kräftig sind. Ihm steht seine edle und hochgebildete Gemahlin 'n in allen guten Werken hilfreich zur Seite, indem sie als lady patroness, als Beschützerin zahlreicher wohlthätiger und religiöser Vereine unendlich viel Gutes schafft; auch sein zweiter Sohn, Dr. Hermann Adler '"z — der älteste. MarcuS, hat eine kaufmännische Stellung — wirkt als Prediger der reichen und vornehmen Bay’s water-©enteinöe in London zum Heile und zur Ehre des Judenthums. Einer seiner Schwiegersöhne ist der Oberrabbiner Stern in Hamburg; der Gatte einer Enkelin ist der Provincialrabbiner Dr. Cahn in Fulda; auch die andern Söhne. Töchter, Schwiegersöhne, Schwiegertöchter, Enkel und Enkelinnen gehören sämmtlich der orthodoxen Richtung im Judenthume an und werden die Urenkel und Urenkelinnen in derselben Richtung erzogen. So blüht ein reicher, gleichgesinnter Familienkreis rings um den Jubilar. Herr Oberrabbiner Dr. Adler ’"j ist ein, nach jeder Richtung hin, hochbegabter Gelehrter. In seinem Commentar auf den Dimn, dem er den Namen nrnj beilegte, besitzt die jüdische Literatur ein Werk ersten Ranges. Da sich der verehrte Jubilar zur Kräftigung seiner Gesundheit gegenwärtig in Brighton befindet, so konnte das Jubiläum in London nicht gefeiert werden; aber von allen Seiten liefen Beglückwünschungsschreiben und Telegramme ein; die isr. Gemeinde zu Hannover sandte in dankbarer Erinnerung eine prachtvoll geschriebene, in blauen Sammt gebundene Adresse. Möge es dem ehrwürdigen Jubilar vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren an der Spitze eines der ersten Rabbinate der Welt zu stehen und ferner stets Gutes zu wirken, zum Heile seiner Gemeinden, zum Heile des Judenthums! pie geltenden Bestimmungen, betr. der Dispensation jüdischer Schüler an Sabbat- und Jesttagen. Es ist in diesen geschätzten Blättern erst jüngst der Mißstand zur'Sprache gebracht worden, unter dem jüdische Schüler zu leiden haben, wenn eine unduldsame Direktion der Schule, ihnen die Heilighaltung der Sabbat- und Feiertage zu erschweren und oft gar unmöglich zu machen sucht. In vielen Fällen triumphirt dann die Unduldsamkeit dadurch, daß die betr. Eltern nicht wissen, daß die gesetzlichen Bestimmungen auf ihrer Seite