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Der Israelit · 1879-06-11 · Heft 24 (11.6.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 24 (11.6.1879)
Date
1879-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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612 Wortes wird den Kaiser und die Fürsten, ich bin besten gewiß, überzeugen. Leget auch Ihr ab Eure Verstocktheit und nehmet den reinen Christenglauben an, wie ich ihn lehre und predige." „„HerrPater, wenn ich Euch recht verstanden habe, so wollet Ihr die Kirche reformiren, das heißt, Ihr wollet den ursprünglichen Zustand der Kirche, wie er war, noch ehe eS einen Pabst gegeben hat, wieder Herstellen."" „So ist es; die Fasten, der Ablaß, die Verehrung der Heiligen und Reliquien, die Euch Juden mit Recht als ein schlimmer Götzendienst erscheinen muß, sollen abgeschafft und die reine Christenlehre soll wieder hergestellt werden. — Ihr, Joselin, müsset mit gutem Beispiele vorangehen; dann werden Eure Brüder Euch folgen. Nehmet die Taufe an, Joselin, und werdet Euren Brüdern und Verwandten ein Erlöser und Befreier, wie ich dem deutschen Volke zu werden hoffe ein Befreier und Erlöser vom papistischen Joche!" — „„Wie könnt Ihr, Herr Pater, ein solches Ansinnen an mich stellen? Wir, wir glauben an den einzigen Gott und an Niemanden außer Ihm. Für diesen erhabenen Glauben haben unsre Väter gelitten und geblutet, in diesem Glauben wollen auch wir leben und sterben. Und wenn Euer Meister selber wiederkäme und uns gewinnen wollte für seine Lehre, so würden wir heute zu ihm sprechen wie unsre Väter vor 1500 Jahren: Geh' hinweg von uns; wir haben keinen Theil an Dir. Wir bleiben treu der reinen, unverfälschten Lehre unsres Gottes."" „Und meint Ihr, Ihr hättet den rechten Glauben, Ihr, mit Euren einfältigen Gesetzen ohne Ende, mit Euren vielen Vorschriften, Gebräuchen, und äußeren Werken?" „„Wahrlich, Herr Pater, Ihr steht demJudenthume ferner als die Kirche, die Ihr bekämpfet! Eine der Hauptsäulen unsrer heiligen Religion ist die Lehre von der Freiheit des Willens. Gott hat den Menschen zur Freiheit erschaffen; der Mensch kann das Böse wählen oder das Gute, den Tod oder das Leben. Und Gott befiehlt ihm, ermahnt ihn, daß er wähle das Leben, daß er durch gottgefälligen Wandel, durch gute edle Thaten seine Seele vervollkommene. Das Erste und Borzüg- Uckste ist die That, die echte, rechte, gottgebotene That. Nicht die Lehre ist die Hauptsache, sagen die Weisen der Mischnah, sondern die That. Und Ihr, Herr Pater, Ihr leugnet den hohen Werth der guten Werke? Der Glaube, und nur der Glaube allein ist Euch daS einzige Mittel, selig zu werden! Ich habe Eure Schrift über die Freiheit des Willens gelesen. Sie ist voller Irrlehren, voller Jrrthümer — nein, nicht voller Jrrthümer, sondern von vorn bis hinten ein Jrrthum. Ihr habt den Sinn der heiligen Schrift nicht verstanden; könnt ihn nicht verstehen, weil Ihr der hebräischen Sprache nicht genugsam mächtig seid, weil Ihr die Auslegungen und Erklärungen der Rabbinen nicht kennt, weil Euch das Eindringen in den Talmud und in die Kabalah versagt und verschlossen ist!"" „O, Ihr heillosen, elenden Leute! Jetzt sehe ich, daß Ihr unverbesserlich seid, daß man recht gethan hat, Euch wie schädliche Thiere zu behandeln, Euch zu zertreten, zu zerfleischen und nieoerzumetzeln! Wohlan, ich werde Kaiser und Reich für meine Lehre gewinnen. Dann werde ich dazu rathen, Eure Synagogen einzuäschern. Eure Häuser zu zerstören, Euren Talmud und Eure Gebetbücher und sonstigen Teufelökram zu verbrennen. Euer Geld muß Euch genommen werden, und Euren Rabbinen und Schriftgelehrten muß die Zunge ausgeschnitten werden hinten am Halse; Eure Männer und Frauen sollen zu Leibeigenen verkauft werden und mit nichts Anderem Handtieren als mit Flegel, Axt, Spaten, Rocken und Spindel. Dann sollet Ihr noch behaupten, daß Ihr den rechten Glauben habt und daß das Christenthum drei Götter lehre."*) Im Hellen Zorn schritt er von dannen. Rabbi Joselmann aber erhob seine Hände gen Himmel und sprach: „Allmächtiger Gott, so ist denn in diesem Martinus Luther Deinem Volke ein schlimmerer Feind erwachsen als jemals zuvor einer gelebt hat. Du aber, o Gott, laß seine bösen Anschläge nicht gelingen, laß ihn das Herz unsres Kaisers nicht gewinnen, nicht bethören! Du allein bist unser Erretter und Beschützer, auf Dich allein vertrauen wir. Auf Dich haben vertraut unsre Väter, sie haben vertraut und wurden errettet. Zu Dir fleheten sie und wurden errettet, auf Dich haben sie vertraut und wurden nicht beschämt. O, Du mein Gott, sei nicht fern, Du meine Stärke, eile zu unsrer Hilfe." (Fortsetzung folgt.) *) Vergleiche Luthers Schrift von den Inden; Grätz 1. o. S. 324 und ferner. Hierzu drei Berlage«. Verantwortliche Nedaction: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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