Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1879)
- Date
- 1879-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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610 abhängigkeit schon durch eigene Kräfte gewannen, haben die Großmächte doch verlangt, daß wir uns den in civilisirten Ländern herrschenden allgemeinen Ideen anpassen, um uns in das Concert der europäischen Staaten zuzulassen. Die Regelung der Detailfragen anlangend, so dachten sie nicht, konnten auch nicht daran denken, uns den vitalen Interessen des Landes widerstrebende absolute Lösungen aufzuzwingen. Weder die früheren Kammern noch die Regierung haben irgendwie der Lösung der Frage vorgegriffen. Die Frage liegt in ihrer Ganzheit vor uns. Wir haben die gebieterische Pflicht, sie einer raschen Lösung zuzuführen. Sobald diese Mission beendet, werden die Kammern andere von dem Bedürfnisse des Landes erheischte Gesetze und Reformen auszuarbeiten haben. Die Revisionskammern werden sich so in gesetzgebende Kammern umzuwandeln haben. England. London. Eines der bedeutendsten und einflußreichsten Mitglieder der Familie Rothschild, Baron Lyonel, ist heute Morgens in London gestorben. Baron Lyonel war Chef des Londoner Hauses. Er ist am 22. November 1808 als Sohn Nathan Mayer's Freiherrn v. Rothschild geboren und folgte feinem Vater, als Chef des englischen Hauses im Jahre 1836. Wie dieser bekleidete auch er die Stelle eines österreichischen General-ConsulS in London, welche später sein Enkel Alfred übernahm. An den Namen Lyonel Rothschild knüpft sich ein Stück englischer Parlaments-Geschichte. Er wurde im Jahre 1847 von den Wählern der City zu ihrem Vertreter im Unterhause gewählt; da er sich aber weigerte, als Jude den Eid auf das Evangelium zu leisten, so konnte er feinen Platz im Parlamente nicht einnehmen. Auch in den Jahren 1849 und 1852 wurde er in das Unterhaus gewählt und konnte auch diesmal aus dem erwähnten Grunde seine Functionen als Deputirter nicht antreten. Erst im Jahre 1858 wurde die Eidesfrage im englischen Parlamente gelöst, Baron Lyonel leistete das Gelöbniß auf das Alte Testament und ward ein eifriges Mitglied der liberalen Partei. Zum Andenken an dieses Ereigniß überreichten ihm seine Glaubensgenossen ein kostbares Album, welches seine Wahl als erstes jüdisches Parlamentsmitglied feierte. Lyonel's Familie in London zählt zu den angesehensten und beliebtesten und steht mit dem höchsten Adel des Landes auf freundschaftlichem Fuße. Am glänzendsten trat seine sociale Stellung bei den nach jüdischem Ritus vollzogenen Heirathen seiner beiden Töchter Leonore und Eveline hervor; es fand sich der höchste englische Adel aller Parteischattirungen bei dieser Feier ein, und die Hochzeitsfunctionäre konnten aus der Blüthe der englischen Aristokratie gewählt werden. Ob die von Wurzbach erzählte Anecdote wahr ist, daß Heinrich Heine einst auf Baron Lyonel's Aufforderung, ihm ein Autograph zu senden, die nachfolgenden Verse geschickt habe, können wir nicht entscheiden; immerhin möge die merkwürdige Erledigung eines derartigen Ansuchens, wie sie Heine gegeben haben soll, hier ihren Platz finden; die jedem Freunde der heimischen Muse bekannten Verse lauten: Hast du viel, dann wirst du bald Noch viel mehr dazu bekommen; Doch wer wenig hat, dem wird Selbst das Wenige genommen; Wenn du aber gar nichts hast, Ach, dann lasse dich begraben. Denn ein Recht zum Leben, Lump, Haben die nur, die was haben. Baron Lyonel Rothschild war ein vielseitig gebildeter Mann; er hatte seine Universitäts-Studien in Göttingen gemacht. Im Jahre 1836 heirathete er seine Cousine Charlotte von Rothschild. Dieser Ehe entsprangen fünf Kinder: der Sohn Nathaniel, gegenwärtig Mitglied des englischen Unterhauses, die oben erwähnten Töchter Leonore und Eveline, welch Letztere als Gattin des Barons Ferdinand (vom Wiener Hause) ein Jahr nach ihrer Hochzeit im Alter von 27 Jahren starb, und noch zwei Söhne Adolph und Leopold. Palästina Jerusalem im Jjar. Anknüpfend an die Korrespondenz in Nr. 17 Ihres geschätzten Blattes, in welcher Herr Rabbiner Dr. Jaffe in Kurek von einem D'm 5ubod durch Verkauf von d^ids p’sn rwDB "ona rnjnsnai berichtet, beehre ich mich Ihnen die Mittheilung zu machen, daß aus Anlaß ähnlicher Berichte aus Ungarn die Hrn. Rabbiner D. L. Silberstein in Waitzen und S. Schreiber in DöröcSke den Vorstand der hiesigen ungar. isr. Gemeinde anregten, junge Leute dieser Gemeinde zu bewegen, sich zu n'n'D4 ns:D heranzubilden, welcher Aufforderung auch mehrere junge Leute D'2^ dwv Folge geleistet und sich diesem heiligen Berufe gewidmet haben. Dieselben verfertigen bereits romoi p’sn unter Aufsicht rvtns nman von bekannten Autoritäten bPian Pt? d'tpi o»pH»n j"rnn tenipn mno V'jn. Wiewohl die benannten Hrn. Rabbinen diesem Unternehmen die weiteste Unterstützung ihrerseits zugesichert, will ich auch unsere Brüder in Deutschland, besonders die geehrten Herrn Rabbinen, auf dieses beachtenswürdige Vorhaben aufmerksam machen. Mögen Sie dieser heiligen Sache entsprechendes Interesse schenken und den Bedarf ihrer nuuoi von der heiligen Stadt beziehen. Nebst dem, daß sie sodann diese nvLv getrosten Muthes als für sicher -wa ausüben und D”po sein können, tragen sie dazu bei, daß mehreren unserer armen Brüder in der hl. Stadt die Mittel geboten werden ihrenLebensunterhaltosa