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Der Israelit · 1879-06-04 · Heft 23 (4.6.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 23 (4.6.1879)
Date
1879-06-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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590 und von Deiner Hand geben wir Dir's wieder; denn wir sind ja nur Fremdlinge vor Dir, Geduldete, wie unsere Väter alle; wie Schatten fliegen unsere Tage 'über die Erde, ohne Hoffnung. Herr unser Gott, dieses Hans, das da am heutigen Tage durch uns vollendet wurde, das da eingerichtet ward den Vorschriften unserer Weisen gemäß, von denen wir weder rechts noch links weichen, wie Du es uns in Deiner heiligen Lehre befohlen hast, dieses Hans, das wir, Du weißt es, o c11, nicht zum Zank und zum Hader sondern einzig und allein zur Heiligung Deines großen Namens gebaut haben,"dieses Haus, in dem wir beten, während unser Herz sich hinwendet nach dem zerstörten Heiligthume im Lande der Väter, dieses Haus ist Dir geweiht, von Deiner Haud stammt cs, und freudig haben wir Dir cs als Spende dargebracht. Herr, Gott Abrahams, Fizehaks und Israels, unsrer Väter, gedenke uns diese Spende für alle Ewigkeiten, zur Bildung der (Gedanken des Herzens Deines Volkes; richte ihr Herz zu Dir empor, führe uns allesammt zurück zu Dir, ans daß zurück wir kehren, damit nickw gespalten sei das Volk, das Du erwählt hast, in zwei Lager, daiuit nicht betrachtet werde Deine heilige, reine, ganze Lehre, wie der Lehren zwei. Du, unser Vater, der Du liebevoll entgegenstreckst die Hand den Verbrechern, führe auf den ' geraden Weg die Sünder, damit wir allesammt das ganze Hans Fsracls wiederum eitlen unser Herz zn Drittem Dienste. Daun ja, dann wirst auch bald Du schicken Deinen Diener, den langersehnten Erlöser, daß er sammle unsre Zerstreuten von allen Enden der Erde. So möge denn dieses Hans bestehen für die Ewigkeit, Ztiut Nubm, znm Preis und zum Lobe; uns aber stärke und kräftige nitd aneh unsere Nachkommen nach uns, Dieb zli fürchten alle Seiten. Es seien wohlgefällig vor Dir, die Worte meines Mundes tind die Gedanken meines Herzens, mein Gott, mein Schntzfels und inein Erlöser. Amen!" Mit der Abstngung von Psalm 30, „Jigdal", und Psalm 150, dem Maariw - Gebet endete die erhebende Feier, woran sich dann noch ein dVh dvd schloß, nachdem der Talmud-Verein 29 Jahre mit dem Studium des ganzen Talmuds verbracht hatte. Abends fanden sich die fremden Rabbinen und andere Gäste beim Herausgeber dieser Blätter zu einem einfachen Mahle ein, bei welchem die Herren vr. Hirsch, vr. Salvendi, Leo Leser, Präses des Vorstandes der israel. Religionsgesellschaft zu Mainz, Emanuel Schwarzschild, Präses des Vorstandes der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., vr. Goitein, Dr. Cahn (Fulda) durch gediegene Vortrüge und Toaste die Herzen der Anwesenden erfreuten. Da wurde uns noch eine freudige Ueberraschung zu Theil: der Gesang- Verein Liederkranz unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Rupp und die Kapelle des 118. Regiments unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Spreng brachten dem Herausgeber dieser Blätter eine Serenade. Wir dankten vom Fenster aus und sprachen ungefähr Folgendes: „Gestatten Sie mir, geehrte Herren. Ihnen meinen herzinnigen Dank auszusprechen für die große Aufmerksamkeit und die hohe Ehre, die Sie mir erweisen. Die rege Theilnahme, welche die christliche Bevölkerung unsrer geliebten Vaterstadt bei unserm heutigen Feste an den Tag gelegt hat, gipfelt in der Ehre, die Sie mir jetzt erweisen. Daß Bekenner anderer Religionen dieses jüdische Gemeindefest zum Anlaß nehmen, mir eine Freude zu bereiten, erfüllt mich mit Stolz, Bürger einer Stadt zu sein, in welcher der confessionelle Hader in der Bevölkerung keine Stätte findet. Es ist dieser erhebende Moment eine Bürgschaft dafür, daß immer mehr zur Wahrheit wird der Ausspruch des Propheten: „Haben wir doch Alle einen Vater, hat doch ein Gott uns Alle erschaffen!" So wollen wir uns denn als Brüder lieben immerdar. Die Ehre, die Sie mir erweisen , dem Bekenner und Vertreter einer anderen RelEion, ehrt Sie, meine Herren, beweist, daß in unsrer geliebten Vaterstadt, unserm goldenen Mainz*) , alle seine Bürger in Friede und Eintracht leben. So bitte ich Sie denn, mit mir einzustimmen in ein Hoch auf diese uns allen so theure Sradt. Unsre geliebte Vaterstadt, unser goldenes Mainz, es lebe hoch!" Und begeistert stimmte die auf der Straße versammelte, nach Tausenden zählende Menge mit ein. Wir hätten noch Manches zu berichten, von Vereinen, die uns Deputationen sandten, von zahlreichen Beglückwünschnugsschreiben in Versen und in Prosa, von ebenso vielen Telegrammen — unter andern von Herrn Rabbiner H i r sch in Frankfurt a. M., vom Freiherrn, Herrn Wilhelm von Rothschild in Frankfurt a. M. von Herrn Rabbiner Dr. Hildes eimer in Berlin, von den Herren Aron Hirsch und Sohn in Halbecstadt, Rabbiner Dr. Auerbach daselbst, Rabbiner Dr. Plato in Cöln. — Wir wollen nur noch hinzufügen, daß unser Vorsänger, Herr Ahron Cahn, nicht wenig zur Verherrlichung unsrer Feier beij getragen hat und sich des allgemeinen Beifalls erfreute, was um so mehr hervorzuheben, da derselbe, Kaufmann von Beruf, seinen leider durch Un- *) Im Mittelalter hießen (Zöln: das eiserne, Straßburg:! das silberne, und Mainz: das goldene.

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