Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1879)
- Date
- 1879-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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583 die 7 Umzüge um den Almemmor statt, worauf die Träger der Thora-Rollen den Almemmor bestiegen. Der Herausgeber dieser Blätter sprach dann die vorgeschriebene Berachah zpüEm :rnn (siehe Schulchan - Aruch Orach Chajim Cap. 223, Ba^r Häteb § 9) und den Segen für den deutschen Kaiser, den Großherzog von Hessen, für Vaterstadt und Vaterland, wie er hier in Mainz bei besonders feierlichen Gelegenheiten (anstatt des sonst üblichen 'j? nyi»ri?n\n) gesprochen wird. — Nachdem die Thora-Rollen unter den üblichen Gesängen in die heilige Lade verbracht worden, hielt der Herausgeber dieser Blätter die Festrede, deren hauptsächlichsten Inhalt wir im Nachstehenden wiedergeben : Festpredigt. n;-'K ,ö)-i onn p«ni \ndd d’oem ,_i tox na ’nnuc Dipo hpni 'b nan nttfN no „Also hat Gott gesprochen: Die Himmel sind mein Thron und die Erde ist meiner Füße Schemel — welches ist das Haus, das ihr mir bauen wollt, und welches der Ort meiner Ruhestätte?" Pxi /i cfco n1?« b'D v>ti nn»y ’T Pa nw nan py *nni nn naji Ty Pn ook m „Und alles Dieses hat meine Hand gemacht, und alles Dieses ist durch Gottes Wort entstanden, und nur auf der schaue ich, der bescheiden und zerknirschten Gemüthes ehrfurchtsvoll mein Wort beachtet!" (Jes. C. 66. V. 1, u. 2.) Allmächtiger Schöpfer des Weltalls! die Himmel mit ihren zahllosen Welten, die wir Gestirne nennen, sie sind Dein Thron, und die Erde, die wir bewohnen, die uns winzigen Menschen so über alle Vorstellung groß erscheint, ist Deiner Füße Schemel — und wir könnten es wagen, Dir, o Gott, ein Haus zu bauen, eine Stätte, auf der Deine Majestät throne? Aber Du, o Gott, der Du schauest auf den Demüthigen, auf den, der zerknirschten Gemüthes ehrfurchtsvoll Dein Wort beachtet, hast zu uns gesprochen durch Deinen Propheten Dt? 160 nisnio L3J7D eopob cnb '.IM „Und ich werde bei ihnen' sein auch in den kleinsten Heiligthümern in allen Ländern, in die sie wandern werden (Ezechiel C. 11. V. 16.) 'na mttn-iD toi nioo. Das sind, sagen die Weisen (Megillah 29) die Synagogen und Lehrhäuser. So lasse. Allbarmherziger, in diesem oyo tenpo, Deine Majestät walten, auf daß wir Dir dienen in Liebe und in Wahrheit, Amen! — Andächtige Gemeinde, verehrte Versammlung! An den Pforten des Gotteshauses, durch die wir soeben mit unfern heiligen Thora-Rollen ein-! gezogen sind, begrüßt uns der Aussprnch des Pro- > pheten Jesaias (Cap. 26, V. 2): toi Dny» inns D’Jiön noi» pns ’U, „Oeffnet die Pforten, damit einziehe ein gerechtes Volk, das die Treue bewahrt." Diese Worte der heiligen Schrift, welche wir an den Eingang unseres Gotteshauses gestellt haben, mögen auch den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden, und so will ich es denn versuchen, darzulegen, welches der Zweck, die Bestimmung und die Weihe des Hauses ist, dessen Pforten sich uns geöffnet haben und wie die Gemeinde sein soll, die in dasselbe würdig einziehe. I. Der Zweck, die Bestimmung und die Weihe des jüdischen Gotteshauses werden genau angegeben durch die Namen, die man demselben beizulegen pflegt: nDJan no, das Haus der Versammlung, mit der griechischen Bezeichnung Synagoge, no nPonn, das Bethaus, und endlich »-non no, das Lehrhaus oder in der allgemein üblichen Bezeichnung: die Schule. Vor Allem soll uns das Gotteshaus sein ein Haus der Versammlung nwanno; es sei der Mittelpunkt der Gemeinde, der Mittelpunkt des religiösen Lebens; zwei- oder dreimal täglich besucht der Jude diese heilige Stätte, der neugeborene Knabe empfängt hier am achten Tage seines Lebens die religiöse Weihe und wenn die junge Mutter, nach überstandener Gefahr, zum ersten Male das Haus verläßt, so wendet sie hierher ihre Schritte; die freudigsten wie die traurigsten Ereignisse des Lebens finden hier ihren Wiederhall; hier wird der Knabe zum Manne, indem er zur Thora gerufen wird und aus ihr einen Abschnitt vorliest, hier ertönt das Kaddisch aus wehmuthserfülltem Herzen nach dem Heimgange der geliebten Eltern, hier versammelt sich die Gemeinde zu gemeinsamer, ergreifender Andacht; denn die eigentliche Bestimmung der Synagoge ist das Gebet; sie soll nicht nur sein ein nDjan no, ein Haus der Versammlung, sie soll auch ein nPsnn no, ein Haus des Gebetes sein. Eine der Säulen, auf denen die sittliche Weltordnung beruht, ist nach der Lehre unsrer Weisen die moy, der Gottesdienst. Einst stand uns in Jerusalem ein heiliges Haus, dessen Erbauer Könige, dessen Diener Hohepriester und Propheten waren. Dort wurde der heilige Dienst vollbracht nach der von Gott eingesetzten Weise, dort brachten in Reinheit und Heiligkeit die Priester die von Gott befohlenen Opfer, dort sangen die Leviten die Psalmen Davids im Beisein der Abgesandten Israels (nnoyo). Von allem Dem ist uns nichts geblieben als das Gebet, die apa» moy, der im