Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1879)
- Date
- 1879-06-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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582 von Carlsruhe, Herr Provinzial - Rabbiner Dr. Cahn von Fulda und viele, viele Andere. Um 37* Uhr begann die Feier in dem bisherigen Betlocale mit dem Minchah-Gebete. Dann wurde vom Vorsänger und der Gemeinde der 132. Psalm recitirt. Hierauf bestieg der Herausgeber dieser Blätter die Kanzel und sprach ungefähr Folgendes: „So haben wir denn, theure Freunde, zum letzten Male in diesem Hause unser Gebet zu Gott emporgesandt, in diesem Hause, das uns länger als zwei Jahre eine Stätte der Andacht gewesen, wohin wir täglich, Morgens uno Abends, unsre Schritte lenkten, um uns zu unserm Vater im Himmel im Gebete zu erheben, wo wir das Wort unseres Gottes verlesen hörten, wo wir täglich, und namentlich am Sabbat, Belehrung suchten und fanden. Es ist eine uns liebgewordene Stätte, von der wir jetzt für immer scheiden! Was Wunder, daß mitten in unfern Jubel sich die Zähre der Wehmuth mischt — namentlich, wenn wir bedenken , daß unseren Herzen so theure Männer und Frauen, die miteinzogen in dieses Haus, unterdeß sind eingezogen in das Haus unseres ewigen Vaters! Ich will nur Einen nennen, den unvergeßlichen Gründer unserer Religions-Gesellschaft, meinen theuren Schwiegervater Rabbi Samuel B 0 ndi pns “05, der an dieser Stätte noch wenige Wochen vor seinem Hinscheiden beim Ausgange des Bersöhnungsfestes die heiligen Gottesnamen, verkündete. — Doch, bannen wir die Gefühle der Wehmuth am Tage der Freude, 08 o osdn- ’joij/ '285, „Wenn auch Vater und Mutter mich verlassen — Gott nimmt mich auf!" (Psalm 27, V. 10.) Gottes Majestät ist mit uns hierhergezogen an diese bescheidene Stätte, Gottes Majestät zieht mit uns in das neuerbaute, herrliche Haus, in das wir unsere Heiligthümer zu bringen im Begriffe stehen. Zuvor aber laßt uns die Einheit Seines Namens, die ewige Dauer Seiner Regierung, Sein göttlich Walten auf Erden in herzinnigem Ausruf verkünden, wie Israel es zu rhun pflegt in den feierlichsten Augenblicken des Lebens: '5H bjOtP’ 8D£P D'OyD 'Jl "IlZO DtP *]1“Ü "D'QpO '5 DHlt’Nn 8551 '"I '1 Hierauf wurden unter den üblichen Gesängen die Thora-Rollen den anwesenden Rabbinen und Vorstehern übergeben, und der Festzug setzte sich in Bewegung durch die im reichsten Fahnenschmuck prangenden Straßen, durch eine zahlreiche Menge, die an beiden Seiten ehrfurchtsvoll Spalier bildete. Voran zogen die Schülerinnen, dann die Schüler der Unterrichtsanstalten der israel. Religions- Gesellschaft, dann folgten die Sänger (Synagogen- Gesang-Verein). die Rabbinen und übrigen Träger der Thora-Rollen, ein Jeder von zwei Aeltesten der Gemeinde begleitet, dann viele Mitglieder der Religions - Gesellschaft und fremde Gäste. Unter Absingung des 122. Psalmes (no D’-iqu« ’nnotp '555 '-!) bewegte sich der Zug in den festlich geschmückten Synägogenhof, wo sieben junge Mädchen durch Vortragung eines Gedichtes — die eine, Fräul. Bertha Bon di, sprach das Gedicht, die andern wiederholten den Refrain — der Weihe d's Momentes Ausdruck verliehen. Hierauf wurde dem Erbauer des Hauses der Schlüssel überreicht, der ihn dem Bürgermeister der Stadt Mainz, Herrn Dr. Dumont, überreichte, nachdem er hervorgehoben, daß diese feierliche Uebergabe des Schlüssels an die höchste Behörde der Stadt ein Symbol sei, daß dieses Gebäude ein öffentliches, das sich gleich andern öffentlichen Gebäuden des besondern Schutzes der Gesetze erfreue. Der Herr Bürgermeister sprach dann, sichtlich ergriffen, einige erhebende Worte, in welchen er auf die hohe Bedeutung und den heiligen Zweck des Gotteshauses hinwies. Nun begann die Hauptfeier. Die höchsten Behörden waren dazu erschienen. Seine Excellenz, der Gouverneur der Festung Mainz, Herr General von Pritzelwitz, die Obersten der hier garnisonirenden Regimenter, Herr Bürgermeister Dr. Dumont und dessen beide Adjuneten Herr Dr. Oechsner und Herr Reiuach, Herr Gerichtspräsiden iDr. Aull, Herr Kreisaffessor Dr. Breiter, der erste evangelische Geistliche des Großherzogthums Herr Prälat Dr. Schmitt, Herr Pfarrer Dr. Steinmetz, Herr Pfarrer Büttel, Herr Garnisons-Pfarrer Clausius, Herr Pfarrer Hieronymie, Herr Polizeirath Künstler, der Landtagsabgeordnete Herr Commerzienrath Betz, der Gymnasialdirector Herr Dr. Löhbach. der Direktor der Realschule Herr Dr. Schödler, die Vorsteher der Gemeinde und die Rabbinen derselben Herr Dr. Cahn und Herr Dr. Fürst und viele, viele Andere. Das geräumige Haus war gefüllt, fast überfüllt und dabei war bD Verwaltung mit der Verkeilung der Eintrittskarten überaus sparsam vorgegangen — dennoch mögen etwa 1200 Personen anwesend gewesen fein. Unter den Klängen des von Herrn Chordirigenten Wolf componirten Festmarsches zog man in das Gotteshaus ein. Hierauf wurde 1210 .12 gesungen und der 84. Psalm (“TiODtpa rinn’ .12) recitirt; dann hatten unter den üblichen Gesängen