Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1879)
- Date
- 1879-05-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erste Leilage )u Ur. 88 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen« Deutschland. Bon«. Dem ausführlichen französischen Berichte, den Herr Dreifus-Brisac im Aufträge der zu Paris bestehenden „Gesellschaft für das Studium der Fragen des höheren Unterrichts" nach den von ihm gemachten Beobachtungen über die Universität Bonn erstattet hat, entnehmen wir die nachfolgende Stelle (S. 104) über Prof. Berns y's: „Herr Bernays ist Oberbibliothekar der Universität. Er folgte zwei hervorragenden Männern, Welcker (bis 1854) und Ritschel, den er 1866 ersetzte. Bernays ist ganz und gar seiner Vorgänger würdig und auf der Höhe seiner sehr schwierigen Functionen. Sohn eines Rabbinen, geboren 1824 in Hamburg, studirte er 1844—1848 Philologie und Philosophie in Bonn, wurde dann Privatdocent und hielt bis 1853 Vorlesungen über classische Philologie. Als Lehrer an das jüdische Seminar nach BreSlau berufen, lehrte er zugleich an der dortigen Universität. Im Jahre 1866 wurde er zum außerordentlichen Professor und Oberbibliothekar in Bonn ernannt. Man hat von ihm Arbeiten von tiefer Gelehrsamkeit. Wäre Bernays nicht Israelit, so würde er längst ordentlicher Professor in Bonn sein. Zu bescheiden, um sich geltend zu machen, geben seine Schriften ein schwaches Bild seiner hohen Geistesfähigkeiten. Sein wunderbares Gedächtniß, sein lebhafter und durchdringender Geist, die Blitze seiner sarkastischen und beißenden Verve setzen die wenigen Personen in Erstaunen, welche, wie ich, das Glück haben, sich ihm zu nähern. Bernays spricht mehrere Sprachen und frappirt beim ersten Zusammentreffen durch eine Mischung von Originalität und Freundlichkeit. Unverehelicht geblieben, ist sein Leben ein Muster strenger Sittlichkeit. Freisinnig und fromm zugleich, ist er einer jener seltenen Beispiele, die beweisen, daß eS nicht unmöglich ist, die Unabhängigkeit des Geistes mit dem glühendsten Glauben und der strengsten Ausübung 1er religiösen Satzungen zu verbinden. Die Vorlesungen eines Mannes von solcher Gediegenheit können nur zu gleicher Zeit glänzend und gründlich sein Man hat mir versichert, daß kein Israeli! jemals an dieser Universität ordentlicher Professor werden könne; sonst wäre es Bernays sicherlich seit langer Zeit schon. Man wird über diese Unduldsamkeit nicht erstaunen, wenn man erwägt, daß die Carriöre als Gymnasiallehrer den Bürgern dieser Confession fast ganz verschlossen ist." Der zweite außerordentliche Professor ander Bonner Universität, vr. M. Philip p] on, konnte nur im Auslande (Brüssel) ordentlicher Professor werden. (Jsr. Wchschr) Han««, 17. Mai. Die Geschwister Hamburger (Adolf in London, Mathias in Sydney, Julius in London und Leopold Hamburger in Frankfurt a. M.) haben zum Andenken ihrer verstorbenen Eltern eine Stiftung gegründet unter der Bezeichnung: „Josephund DorchenHamburgeraschen S t i f tun g in H a n au," welche den Zweck hat, isr. Glaubensgenossen Hilfe zu leisten durch Gewährung von Unterstützung zum Unterricht und durch Geldbeiträge an Dürftige. Als Grundkapital sind 24,000 M. bestimmt. Die jährlichen Zinseinnahmen der Stiftung, sowie die diesen Einnahmen etwa zufließenden Geschenke sollen in erster Linie zur Verabreichung von Unterstützungsbciträgen an israelitische Knaben.aus den Orten Bergen, Windecken, Langenselbold, Langendiebach, Rückingen, Rodenbach, Marköbel, Gr. Krotzenburg, Hochstadt, BischoffSheim, Dörnigheim, Hüttengesäß, und Wachenbuchen verwendet werden, welche in der Stadt Hanau eine öffentliche Schule besuchen und welche verwaist, oder deren Eltern nicht bemittelt genug sind nm die Kosten dieses Schulbesuchs aus eignen Mitteln zu decken. Die Gesammtjahresleistung für jeden einzelnen Knaben soll sich nicht über 150 M. belaufen, und unterstützungsbedürftigen Knaben zwischen dem 9. und 12. Jahre gewährt werden. ES sollen ferner an israelitische Bewohner' der Stadt Hanau Schulgeld-Beiträge verabreicht werden, um dadurch ihren Kindern den Besuch höherer Schulen (statt Armen- und Bürgerschulen) zu ermöglichen, auch die Bezahlung des ganzen Schulgelds für unbemittelte verwaiste israelitische Kinder, sowie die Zahlung der Kosten für Unterricht in technischen Lehranstalten (z. B. der Zeichenacademie) in Hanau für diejenigen unbemittelten Israeliten, die in Hanau ein Kunstgewerbe (Bijouterie) erlernen, gleichviel, woher diese gebürtigt sind Bis zu einem Drittel der Einnahmen darf zu Armenunterstützung verwen-