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Der Israelit · 1879-05-27 · Heft 22 (27.5.1879) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 22 (27.5.1879)
Date
1879-05-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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561 Wandsbek, 12. Mai. Die hiesige israel. Gemeinde beging gestern eine schöne Feier im Geiste jener Ansprüche, welche unsere fortschreitende Zeit in solcher Beziehung nach allen Richtungen wie an alle Einzelgemeinden stellt; wenn diese Feier sich zu einer Erhebenden gestattete und dabei doch die herzliche Gemeinschaft aller theilnehmenden Gemeindemitglieder bewahrte, so gebührt der Dank dafür dem Vorstände und der bekannten Innigkeit des Strebens, welches die israel. Gemeinden in ihren Maßnahmen für wohlthätige und humane Zwecke vortheilhaft auszeichnet. Eine hohe Wohlthat darf es gewiß genannt werden, wenn eine wenig zahlreiche und wahrlich nicht reiche Gemeinde einer kleineren Mittelstadt es erreicht, ein eigenes Schulgebäude nur aus freiwilligen Beiträgen zu errichten, ohne die geringste staatliche oder communale Unterstützung, dasselbe herzustellen mit allen Erfordernissen für die gedeihliche Wirksamkeit der Lehrkraft, um mit dieser Elementarschule eine Pflanzstätte der Bildung und des Wissens zu schaffen, die berufen ist, sich den anderen, durch die Leistungsfähigkeit der ganzen Bevölkerung getragenen Instituten, ebenbürtig anzuschließen. Die Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes, gleichsam einen Nebenbau der schön ausgestatteten Synagoge bildend, wurde eingeleitet durch den trefflichen Vortrag von Versen des 121. Psalms, von dem Obercantor Herrn Süskind aus Hamburg mit Chor unter Posaunenbegleitung; hierauf nahm Herr Joseph Hirsch — dessen Initiative die Inangriffnahme und Vollendung des Schulbaues zu danken ist — als Vorsteher des Bau-Comitos das Wort, um in kurzer Ansprache das Entstehen des Unternehmens, durch die bisherigen mißlichen Zustände bedingt, zu erj örtern und allen Beitragenden herzlich zu danken j für die Opferwilligkeit, welche sie dem Gemein- | wesen gegenüber bewiesen. Der Schluß des Vor- . träges zeigte aber auch, daß sich das Bau-Comito i nicht nur von seinem warmen Herzen hatte leiten j lassen, sondern daß der Kopf sein Recht gebührend \ gewahrt hatte, denn mit der Abrechnung und den j bezüglichen Belügen überreichte der Redner dem ■ kassaführenden Mitglieds des Gemeinde-Vorstan-! des. Herrn Lippmann, auch einen verbleibenden j Saldo, der als Ueberschuß des Baufonds nun der \ Gemeindekasse zu Gute kommt. — Herr Lippmann! sprach dann im Namen des Vorstandes in tiefer j Erregung den Dank der Gemeinde aus, für die j Wohlthat, welche ihr und besonders den Kindern - derselben mit der Errichtung dieses schönen Schul-! Hauses erwiesen sei; wandte sich dann aber speciell? an Herrn Joseph Hirsch, indem er. sich gleichsam entschuldigend, wenn er dessen bescheidene Gesinnung; bei dieser Gelegenheit nicht schonen könne, auf das Wort verwies: es ist eine Zeit des Schweigens, aber es ist auch eine Zeit des Redens — so sei auch in diesem Augenblick die Zeit gekommen, wo man nicht schweigen dürfe, sondern es ihm Pflicht sei die hohen Verdienste ehrend anzuerkennen, welche Herr Hirsch sich nach allen Richtungen hin. wie schon so häufig um die hiesige isr. Gemeinde, so auch bei dieser Gelegenheit wieder erworben habe. Um dieser allseitig empfundenen Anerkennung einen äußeren Ausdruck zu geben, hatte der Gemeinde-Vorstand beschlossen das neue Schulhaus mit dem Bilde desjenigen zu schmücken, dem es seine Entstehung verdankt und in Ausführung dieses Beschlusses werde von diesem Tage ab die Klasse an hervorragender Stelle diese Zierde tragen. — Während Herr Lippmann diese Worte sprach, wurde hinter der Rednertribüue das Portrait des Herrn I. Hirsch an Stelle des dort bisher angebrachten Laubschmuckes befestigt; worauf der Vortrag des 24. Psalm folgte, wieder unter Posaunenbegleitung von dem obengenannten Vorsänger Herrn Süskind und dem Männer- und Knaben-Chor! Der Geistliche der hiesigen isr. Gemeinde und Lehrer Herr vr. Hanover hielt sodann unter der gespanntesten Aufmerksamkeit der Anwesenden die Festrede. Mit dem Ausdrucke der Gefühle des innigen Dankes für den allmächtigen Baumeister aller Welten, unter dessen Segen auch dieses Werk gelungen, verband der Redner erläuternd die Bedeutung der Elementarschule in ihrer Stellung zur Gemeinde und der Pflichten, welche Beide gegen einander haben. Die Errichtung der jüdischen Schule in einer Stadt mit konfessionellen Schulen verleiht der heutigen Feier eine besondere Weihe; die bestehende Einigkeit und Duldsamkeit sei zu fördern in jeder Richtung und mit allen Mitteln, damit mehr und mehr die menschliche Gesellschaft eine brüderliche Gemeinschaft bilde. — Der Redner bewies in trefflicher Ausführung aus der Lehre des Talmud die Bedeutung der Schule als religiöses Institut, welches in seiner Stellung zur Gemeinde das Gotteshaus selbst überrage, da die Kinder berufen sind Zeugniß abzulegen für die Thaten der Väter und der Gemeinde und schloß seinen Vortrag mit einem Gebet, den Segen des Himmels für unseren Kaiser, das kaiserliche Haus, unser Vaterland, die Gemeinde, sowie für die unserer Nachbarstädte erflehend. Diesem erhebenden Vorträge folgte ein Gedicht , gesprochen „von einer Schülerin" — sagt das Programm — aber so hübsch gesprochen, daß wir uns nicht versagen können die Anonymitär der niedlichen Rednerin 'u verrnrhen, um der

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