Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1879)
- Date
- 1879-05-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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546 austausch auf diesem Gebiete" geben. Wir werden dieser Aufforderung Folge leisten und nächstens s. G. w. den vorliegenden Lehrplan einer genaueren Besprechung unterziehen. Die Sache ist zu wichtig, als daß sie in einer kürzeren literarischen Anzeige besprochen werden könnte. Dem Lehrplan geht eine treffliche Abhandlung von vr. Barnaß voran. „Der geschichtliche und literaturgeschichtliche Unterricht in der Religionsschule", in welcher die Nothwendigkeit dieses Unterrichtsgegenstandes und der erziehliche Werth desselben nachgewiesen wird. Die Schule wurde von 295 Zöglingen besucht. Kritik des Midrasch Schir - Haschirim nach der Münchener Handschrift Nr. 50 Oriental. Bon Dr. S. Chodowski. Berlin 1877. 59 S. 8°. Die Ausgaben unserer Midraschim, namentlich aber der zu den Megilloth wimmeln von Fehlern und Entstellungen, daß wir es mit Freuden zu begrüßen hätten, wenn ein Mann von gediegenem Wissen mit feinem kritisch-divinatorischem Geiste sich der leider so vernachlässigten Midraschim annähme. Daß eine solche Arbeit ohne Hinzuziehung alter Handschriften nicht geliefert werden kann, liegt auf der Hand. Wollte aber Jemand nur immer da Entstellungen und Fehler sehen, wo der Sinn dunkel scheint und jede beliebige andere Lesart in einer Handschrift ohne Prüfung als die richtige empfehlen und ihr die Richtigkeit vor der ihm unverständlichen zuerkeunen, so thut er zum größten Theil nur das, was der alte, halbwissende Abschreiber gethan, der, wo ihm ein Wort unverständlich war, getrosten MutheS ein anderes untergeschoben hat: er verballhornisirt. So geht es Vielen, die sich zu Texteskritikern berufen glauben, und diesem Schicksal ist auch der Verf. vorliegender Schrift nicht entronnen. Wir wollen dem Verf. sein Verdienst um den Quellennachweis nicht schmälern, er hat aus dem Midrasch die Stellen gesammelt, die dem jerus. Talmud (warum nicht auch dem babyl.?), der Pesikta u. s. w. entnommen sind; dabei hätte er es sollen bewenden lassen. Was aber seine Texteskritik betrifft, so ist darauf das alte Wort anzuwenden, daß das Wahre nicht neu und das Neue nicht wahr ist. Neu aber ist bei dem Wahren die Unverfrorenheit, mit welcher er Fremdes für eigene Erfindung ausgibt. So bemerkt er z. B. zu 1, 4, daß das sich im Midrasch findende Wort mono unklar sei und auch niony der Handschrift nicht befriedige. „Ich würde also mm lesen, welches Krippen ist." Was aber der Verf. hier „lesen würde", das liest schon lange vor ihm der jedem Midrasch beigedruckte Commentar. Den Herausgeber der Pesikta, Buber, citirt er einmal, wo er ihm etwas bestreiten zu müssen glaubt, hingegen füllt er einige Seiten mit dessen Conjecturen, Worterklärungen und Beweisführungen, ohne sich veranlaßt zu fühlen, den wahren Eigenthümer zu nennen. Das Großartigste hat aber der Verf. unstreitig mit Folgendem geleistet : Zu 3,3, werdenimMidr'asch dieWorte imBuche Daniel: inene menö tdelcel upliarsin auf räthselhafte Weise gedeutet. Dazu bemerkt der Verf.: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Worte, die weder hebräisch, noch chaldäisch sind, noch irgend einer Sprache anzugehören scheinen, geradezu ein Räthsel sind. Wir können dieses Problem nicht anders lösen. als daß wir zunächst folgende Conjectur machen." Der Verf. ändert jetzt einige schlechtgedruckte Buchstaben und kommt zu dem Schluß: „Wir sind nämlich der Meinung, daß u. s. w." folgt die Erklärung, daß die obengenannten Wörter zu neuen gebildet worden sind, indem man immer die ersten Buchstaben, dann die zweiten u. s. w. zu einem neuen Worte befand. Ein zweiter Gelehrte gibt an dortiger Stelle eine andere Erklärung, deren Lösung noch schwieriger als die vorhergehende ist. Der Verf. ist aber so glücklich, diese Schwierigkeit „einfach" dadurch heben zu können, indem er das At-Basch-Alphabet als vom Erklärer angenommene erkennt. Auch hier muß aber vorher ein Wort corrigirt werden. Eine dritte Erklärung, die der Midrasch noch gibt, findet durch eine leichte Conjectur ihre Erledigung, indem „wir glauben", die Rabbinen nehmen an, daß Daniel die Buchstaben rückwärts gelesen habe. Diese ganze Midraschstelle nun, die dem Verf. soviel Kopfzerbrechens gemacht haben soll, ist dem babyl. Talmud, Sanhedr. 22a., entnommen; ein Vergleich dieser beiden Stellen ergibt, daß die angebl. Conjecturen des Verfassers richtig, d. h. daß die Talmudausgaben correct, während die des Midrasch schlecht gedruckt sind; also nicht einmal auf die Priorität der Conjectur kann der Verf. Anspruch machen. Merkwürdigerweise ist aber auch der Schlüssel der schwierigen und dunkeln Worte nicht aus der Schmiede des Verf. hervorgegangen , denn was er glaubt und meint und denkt, hat vor ihm schon ein sehr großer Mann gedacht, geglaubt und gemeint: was der Verf. als neu und eigenes Fabrikat ausgibt, hat Raschi wörtlich so in feiner Erklärung zu oben citirter Talmudstelle entwickelt. Betrachten wir jetzt die Stellen der Texteskritik wo der Verf. aus dem Eigenen schöpft. Zu 1, 1., wo über die Priorität der drei von Salomo verfaßten Schriften debattirt wird, versucht