Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-05-21 · Heft 21 (21.5.1879) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 21 (21.5.1879)
Date
1879-05-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447818--16211-2472188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

547 der Verf. eine ihm fehlerhaft scheinende Stelle zu emendiren. Es würde zu weit führen, hier der langen Auseinandersetzung zu folgen, wir wollen aber nur bemerken, daß nach der Uebersttzung, die Verf. von fraglicher Stelle gibt, er eine höchst mangelhafte Midrasch-Ausgabe vor sich gehabt haben muß, meine Ausgabe entspricht nicht seiner Uebersetzung und ist so verständlich, daß eine Correctur ganz unnöthig ist. Zu 1,4, erzählt der Midrasch, daß in Damaskus 365 Götzentempel, entsprechend den Tagen des Jahres gewesen seien, so daß dem Dienste einer Gottheit immer ein Tag im Jahre geweiht war, an einem bestimmten Tage habe man aber alle Tempel benutzt und so allen diesen Göttern gedient, nun fährt der Midrasch fort; ury cPidi nsojicin, dieses ist dem Verf. unverständlich, und er emendirt: N’jionn toi, wodurch aber der Sinn völlig entstellt wird;*gerade das woran der Verf. am meisten Anstoß annimmt, will den Gegensatz zu den Heiden hervorheben: während die Götzendiener sich bis auf einen Tag im Jahre mit einer Gottheit begnügten, hat Israel ihnen allen (nt>iDi ist Object) die Herrschaft zuerkannt u. so jrn nitp;;} t>entp» ’:d iL'Oi'i, hat es noch mehr Böses gethan als die übrigen Völker. Zu 1, 10 hat der Vers, in seinem Mscr. Dnrn, welcher Lesart er den Vorzug vor der der Ausgaben D’mn gibt, doch mit Unrecht, unsere Lesart schließt sich dem Texwort onnn an und bedeutet „mit Perlenschnüren sich schmücken", wie dieses Wort öfter gebraucht wird. Unsere Lesart nnn naDiD mit 'o nnD zu vertauschen liegt kein Grund vor. Zu 1, 15., wo Israel mit der Taube verglichen wird, heißt es unter anderm: h22 enns u nji» ,no .lj"di nun icnn toD 1'vnnv bxnL" *o pa anm nnn Die Hdschr. hat hier für pa das Wort Pia. Farbe, welche Lesart der Verf. als die einzig richtige erklärt. Der Verf. hätte aber erst Nachweisen sollen, daß die Taube wirklich allmonatlich eine neue Farbe bekommt; wie aber auch dann der Vergleich mit Israel, das immer durch Bereicherung des Geistes und Ausüben neuer edeler Werke erstarkt, passen soll, ist wohl nicht leicht zu errathen, die Taube nimmt ja nicht zu, sie ersetzt nur die alten Federn durch neue. Aber was soll der Verf. machen? die angef. Stelle gibt ja, so meint er, keinen Sinn? „Denn was soll," so fragt er, „das heißen, Die Taube erneuert jeden Monat ihre Kehle?" Freilich das gibt keinen Sinn, aber was kann der Midrasch dafür, baß der Verf. falsch liest? Nicht pjj, sondern pj), Zenite, Frucht, und dann tropisch auch für Junge gebraucht. Das gibt doch Sinn: die Taube bringt allmonatlich neue Brut! Das ist doch wohl besser und passender als das sachlich falsche und sinnlose p:. Zu 2, 3. soll wieder die Handschr. besser sein, als unsere Ausgaben, wir lesen NDiisn wtd’d, dazu der Verf.: „die Hdschr. liest eonD»D, das Mysterium, das Geheimniß des Mop, was auch richtig zu fein scheint. Die Erklärung des «rr.D»o durch mij», Bund, ist eine unbegründete." Suchen wir einmal diesem Mysterium auf den Grund zu kommen. Der Midrasch läßt Moscheh zu den Kindern Israel sagen, sie würden erlöst werden, wenn sie die Pflicht, mit einem in das Blut des Passah- Lammes eingetauchten Bündel Mop die Pforten ihrer Häuser zu bestreichen, erfüllen (Exod. 12), worauf Jene fragen: N\n noDD tantn wnD'D tnn .nnD '’E\v pt> no« O'O MD ix wo Md ndid Nach der Lesart der Hdschr., welche der Verf. als die richtige ansieht, wäre also die Stelle so zu verstehen: die Kinder Israel fragten Moses: dieses Mysterium des Mop, wieviel genügt, 4 Arten oder 5? Jener antwortet: sogar eines genügt. — Das klingt allerdings sehr mysteriös reotiüo unsinnig. Das ganze Mysterium löst sich aber auf, wenn man nur bedenken will, daß der Chaldäer überall diin mn« durch Dnrrn mo'« wiedergibt, daß nun -rnnv'O nichts Anderes als dies übliche chaldäische Wort für nnnrr ist, bedarf wohl keines Beweises. Will der Verf. durchaus Conjecturen machen, so mag er annehmen, daß statt n ein v sich eingeschlichen hat, was übrigens nicht nothwendig angenommen werden muß. So ist der Sinn ganz einfach: man fragte Moses, wieviel Stauden für den Bund genügten, ob 4 oder 5, und er antwortet ihnen, daß auch eine genüge. Warum zu 2, 14 die Lesart der eä. Ven. d’dep richtiger sein soll als die der «4.. B. ':i o’DDt> ist nicht ersichtlich. Wir halten letztere als die häufiger vorkommende für richtiger Diese kleine Auslese wird genügen zu zeigen, daß eine solche Textkritik geradezu schädlich ist. da wir dabei in Gefahr stehen, das Richtige zu verlieren und dafür Falsches einzutauschen. Es genügt nicht, einen Codex zu besitzen, um schon Kritik treiben zu können und nach der Probe, die uns vorliegt, können wir den Verf. in seinem und der Wissenschaft Interesse nur dringlichst bitten, von seinem Vorhaben, „einen correcten Text des Midrasch aller 5Megilloth herauszugeben," abfehen zu wollen, bis er über alle Punkte mit sich sorgfältig zu Rathe gegangen ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.