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Der Israelit · 1879-05-21 · Heft 21 (21.5.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 21 (21.5.1879)
Date
1879-05-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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538 Güstrow, im Monat t»k. — uvtn moy nboj. ES ist gefallen die Krone unseres Hauptes: Der Nestor unserer Gemeinde, pan -pnd hipd '-i Bragenheim ist am m« n"iy im Alter von 77 V- Jahren von seiner irdischen Laufbahn abgerufen worden. Er war noch Einer von Denjenigen, die es sich zur Aufgabe gestellt, den alten ehrwürdigen, heiligen Glauben, wie ihn uns unsere V*t croan übergeben haben, zu hegen und zu pflegen und ihn seinen Kindern unangetastet zu überliefern. Seine heilige Aufgabe hat er in glänzender Weise gelöst. Denn seine sämmtlichen Kinder sind von den Seltenen unseres Landes, die noch unerschütterlich dem wahren Judenthume mit ganzem Herzen anhangen. Er hatte das Glück, den einen seiner Söhne in vorgerückten Jahren freiwillig das min :>ij/ Joch der Thora auf sich nehmen zu sehen, wie dieser so manche Stunde von seiner Geschäftszeit abkargte, um nott6 mim pDiy sich mit der Gotteslehre zu beschäftigen n-iomi mtpoa. — Der Hingeschiedene selbst war lange Jahre hindurch 3*101 y"v in einer kleinen Gemeinde und lebte in den bescheidensten Verhältnissen. Sein Amt bekleidete er mit einer grenzenlosen Gewissenhaftigkeit und Treue, da er sich der Heiligkeit desselben so ganz bewußt war. Und wie er in der Ausübung religiöser Handlungen sich als frommer Maun auszeichnete, fo war er in gesellschaftlichem Umgänge hervorragend als Beförderer des Guten und Edlen. Er war im strengsten Sinne des Wortes ein Jünger seines Ahnherrn pan pn«, friedliebend und den Frieden fördernd Dfiv dhin diVip mm, und Jedem mit Rath undThat behilflich. Nie habe ich ihn Böses von Andern und UebleS über Abwesende sprechen hören, und waS er sprach, war auch bis in's Kleinste streng wahr. Und dennoch war die Hälfte seines Lebens voll Leiden und Schmerzen, die er aber mit ruhiger Gottergebenheit ertrug und noch in seinem letzten Lebensjahre ging er, wenn es ihm nur einigermaßen möglich war, in die Synagoge und las auch zuweilen aus der Thora mit der allergrößten Cor« rectheit vor. Wahrlich, auf ihn kann der Vers in Jesaia 53, 10 angewandt werden: ifcoi pen 'm nvL' iT3 'n psm D’D’ *p"i&o jdt .->81' *131 ’^nn; denn die Allmacht Gottes hat ihn schwer heimgesucht, und ihn dabei ein hohes Alter erreichen lassen, damit er noch sein göttliches Werk bei seinen von Gott gesegneten Kindern sich glücklich vollziehen sehen konnte. — Sein Andenken sei gesegnet. n"3"s"j"n. Feuilleton. Iakobine. Ein Lebensbild. Bon Ariedrich Ilott. XXX. Der Commissär zuckte abermals die Achseln, indem er es vermied, ihren flehenden verzweifelnden Blicken zu begegnen; er hatte kein Wort des Trostes mehr für sie. Schweigend räumte er sämmtliche Etuis wieder in die Tasche, schloß sie und schob den Schlüssel in die eigene Tasche. Schweigend, die Arme ineinander geschlungen, stand er vor der Verzweifelnden und blickte schmerzlich erregt zu ihr nieder. Es that ihm weh, tief iu der Seele weh, diese, allem Anscheine nach unschuldsvolle Jugend, diese seltene Schönheit als Hülle einer Verbrecherin betrachten zu müssen. Endlich blickte er auf die Uhr. „In einer halben Stunde müssen wir wieder einsteigen; wünschen Sie zuvor etwas Erfrischendes oder Stärkendes zu nehmen?" Jakobine antwortete nicht, sie hatte schwerlich seine Frage vernommen. Er öffnete die Thür und befahl dem herbeieilenden Kellner, einige Erfrischungen zu bringen; doch Jakobine war nicht zu bewegen, das Geringste zu genießen. Man läutete zum Einsteigen. Der Commiffär bot seiner Arrestantin abermals den Arm, schluchzend , doch ohne thatsächlichen Widerstand folgte sie seiner Aufforderung. Was konnte sie beginnen? — der Gewalt mußte sie sich fügen. Ihre Thränen waren endlich versiegt; in stummer Verzweiflung lehnte sie in die Ecke des Coupv's an der Seite deS CommiffärS. Die Nacht verstrich, ohne daß sie die Augen geschlossen. Sie sann uud sann und konnte eS doch nicht ergründen, in welcher Weise die Diamanten ihrer verstorbenen Wohlthäterm den Weg in ihre Tasche gefunden. Daß sie diese Tasche während einiger Minuten offen und allein in ihrem Zimmer hatte stehen lassen, daran hatte sie in ihrer Erregung vollständig vergessen; sie wähnte, sie habe sie unmittelbar, nachdem sie sie gefüllt, geschlossen, und an sich genommen. So gehässig die Verfolgung des Grafen ihr erschien, so hatte sie doch keinen Verdacht auf ihn, hatte überhaupt nach keiner Richtung hin Verdacht. Sie konnte nur ihre Unschuld betheuern und beschwören; die Thatsache zu erklären vermochte sie

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