Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1879)
- Date
- 1879-05-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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536 keinen Dank schuldig; dann, wenn auch der Arm wieder stark und gesund wird, so hat er doch nichts dabei gewonnen als Leid und Schmerzen. Wenn aber Jemand einen krummen Arm hat, der zur Arbeit untauglich ist, und der Arzt zerbricht den Arm und heilt ihn wieder, so daß der Arm gerade wird und zu jeder Arbeit geschickt, so gebührt dem Arzte reichlicher Dank. Siehe, mein Kind, Israel sollte ein Gottesvolk werden, ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk! Und zu diesem hohen Berufe mußte es erst erzogen w rden, befähigt werden, geläutert werden in dem ägyptischen Schmelztiegel. Und all die Leiden und Kümmernisse, die uns Gott schickt, sie dienen nur zu unsrer Läuterung; daher müssen wir Gott doppelt dankbar sein; für die Leiden und für die Rettung." Der schrille Ton einer Glocke durchtönte das unterirdische Gemach. Don Perez ergriff schnell sein Schwert, dessen Gurt er um seinen Leib band, und enteilte in die oberen Räumen. Angst und Entsetzen ergriff die unten Versammelten. Waren etwa die deutschen Gäste verrathen? Sollten sie ergriffen und zum Tode geführt werden und dann die Familie del Almilgo mit ins Verderben reißen? Eine bange Viertelstunde verging; da kam Don Perez zurück; an seinem heitern Gesichte ersah man schon, daß keine Gefahr vorhanden war. „Es ist nichts, meine Freunde", sagte er, „fahren wir fort im Seder. Es war ein Bote des Königs da, der mich für morgen zum Hofdienste bestellte." ,,Gestattet mir zuvor", sagte Rabbi Joselmann, „Euch zu bitten, mir Zutritt beim Könige zn verschaffen." „..Und was wollt Ihr beim Könige?"" „Ich will ihm ein eigenhändiges Schreiben seines Großvaters, des verstorbenen Kaisers Maximilian, überreichen." „„Und was enthält dieses Schreiben?"" „Unser geliebter, leider verstorbener Kaiser Maximilian hat mich zum Befehlshaber und Regierer der gesammten Judenheit deutscher Nation ernannt. Er bittet in diesem Schreiben seinen Enkel, unfern jetzigen Kaiser Carl, mich in dieser Würde zu bestätigen und den Juden in Deutschland ein gnädiger und gütiger Schirmherr zu werden." „„Und diese Schrift wollt Ihr hierin Spanien dem Könige überreichen? Herr, das heißt, Euch selbst dem Scheiterhaufen überliefern! Wißt Ihr nicht, daß ein grausames Gesetz jeden Juden, welcher den spanischen Boden betritt, zum Tode verdammt?"" „Ich weiß es; allein die Notwendigkeit zwingt uns, der Gefahr zu trotzen. Unsre Feinde in Deutschland sind mächtig und voll Eifer. Es könnte ihnen nur zu leicht gelingen, den König von Spanien zu veranlassen, ebenso gegen die deutschen Juden zu verfahren, wie die Eltern seiner Mutter, Ferdinand und Jsabella, es den Juden von Hispanien gemacht haben. Das müssen wir hintertreiben. Deßhalb sind wir, mein Freund und ich, hierhergereist. Es war eine beschwerliche Reise; unzähliche Entbehrungen haben wir in diesem Lande ertragen. Heute waren wir der Verzweiflung nahe. Was sollten wir während des Pesachfestes beginnen? Da hat der allgütige Gott uns Euch finden lassen. Don Perez, in wahrhaft wunderbarer Weise finden lassen, Seht Ihr nicht, daß es eine Fügung der gütigen Vorsehung ist? £), weigert Euch nicht und schaffet mir Zutritt zum Könige! „„Und wenn nun der König erfährt, daß Ihr Jude seid, wird da der Verdacht nicht nahe liegen, daß auch ich judaisire, und wird nicht das Verderben treffen mich und die Meinen?"" „Es wird Euch daraus keine Gefahr erwachsen." „„Wieso könnt Ihr das wissen?"" „Es heißt in der heiligen Schrift: Viele Gewässer können nicht auslöschen die Liebe; das heißt: alle die vielen Leiden, die uns betroffen, können das Feuer der Liebe nicht löschen, die uns durchglüht, der Liebe zu unserm Gotte. Aber es heißt auch; alle unsre Fehler und Sünden können das Feuer der Liebe nicht löschen, die Gott hegt für sein Volk. Wir werden Gott nicht verlassen und Gott wird uns nicht verlassen. Glaubet mir, ich weiß es: es wird Euch aus der Unterstützung, die Ihr uns leihet, keinerlei Gefahr erwachsen." „„Ihr seid ein großer, ein heiliger Mann. Ich werde Euch eine Audienz beim Könige verschaffen."" (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. (Der heutigen Nummer ist eine Beilage von H. Meyer's Verlag in Halberstadt, betr. „Jllustr. Jüdischer Kalender für das Jahr 5640 (1880)" beigegeben.) i;t’vaiinDortlitfu’ JiebactioTi: I)r. Lehmann in Main;. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckcrei (Mainzer Anzeiger».