Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1879)
- Date
- 1879-05-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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534 6000 fl., der Unterstützungsverein der Börsebesucher mit 6000 fl., das allgemeine Spital in Nikolsburg mit 5000 fl. (eine Bettstiftung), die Armen Nikolsburgs, christlicher und jüdischer Confcssion, mit 4000 fl u. s. w. Krakau, 4. Mai. Unsere altehrwürdige Gemeinde hat dieser Tage durch plötzlichen Tod einen Mann verloren, der vermöge seiner immensen Gelehrsamkeit. ungeheuchelten Frömmigkeit und seines biedern Sinnes und Charakters es verdient, allgemein betrauert zu werden. Es ist dies Herr Joel Dembitzer, Religionslehrer der israel. Jugend sämmtlicher hiesiger Volksschulen, welchem heiligen Berufe er eine Reihe von Jahren mit rastlosem Eifer und tiefinniger Glaubenstreue oblag. — Unter den vielen ruhmwürdigen und edeln Charakterzügen des Verewigten wird ihm sein harmloses, bescheidenes Auftreten, stilles, heimliches Wohlthun und tolerantes Wesen mit besonderem Nachdruck nachgerühmt. Selbst nicht mit zeitlichen Glücksgütern gesegnet, fand er ein inneres Behagen und eine himmlische Genugthuung daran, daß er fast die Hälfte seines Einkommens für verschämte Arme und Leidende unter seinen Mitbrüdern verwenden konnte, denen er auch jederzeit Freund und Rathgeber war. Der altherkömm ichen orthodoxen Richtung angehörend, war D. doch i den civilisatorischen Bestrebungen der Jetztzeit nicht i abhold, was er stets durch Wort und Thal manij festirte. Männer solch edeln Sinnes, sind nur äußerst selten und höchstens nncK'c:! irw anzutreffen. An das Leben des leider nur zu früh Heimgegangenen, er erreichte nicht ganz das 50. Lebensjahr, knüpfen sich verschiedene bemcrkenswerthe Erscheinungen. Da er in früher Jugend schon im Talmud sehr weit vorgeschritten und zugleich ein p war, fo konnte es nicht fehlen, daß ihm schon frühzeitig die schönsten Heirathspartien in Aussicht standen, und so vermählte er sich auch mit der Tochter des Oberrabbiners zu Czestochau im Königreiche Polen, dessen Nachfolger er später wurde. Dieses Amt sagte aber seinem bescheidenen Wesen für die Dauer nicht zu. Er vertauschte also in den 60er Jahren len Rabbinersitz mit dem Posten eines Nrligionslehrers in seiner Vaterstadt, um da für die Jugend derselben zu wirken, und erwarb sich auch während seiner pädagogischen Thätigkeit die allgemeine Liebe seiner Zöglinge wie die Hochachtung der Gesammtgemeinde. ■vw wnn*? 'i rvo 'r 'n dvq wurde D. zur ewigen Ruhe getragen, begleitet von einer unabsehbaren Menge der israel. Bevölkerung aller Schattirungen. Am Grabe gab der Bruder des Verstorbenen, Rabbinatsasscssor Hr. Chaim Dembitzer, in einer ergreifenden, erschütternden Rede seinem Wehmuthsgefühle würdigen Ausdruck. Der Verstorbene hinterließ eine trauernde Wittwe, und einen einzigen Sohn, Schüler der V. Classe des k. k. Gymnasiums. A. W. Frankreich. Paris Monatsbericht (April) der Alliance Jsr. Univ : z (Die Israeliten der Türkei ) Man schreibt dein i Central-Comitst: Das gehässige und traurige Vorurtheil, das den Israeliten die Sitte des Gebrauchs von : christlichem Blute zu ihren Oslerküchen zuschreibt, kam soeben noch in Vurla, Kleinasien zum Vorschein. Ein griechischer Knabe, Lehrling bei einem Tischler Namens Demetri, war am!. April mit einem andern Lehrlinge desselben Meisters verschwunden. Die Israeliten, die von den Griechen beschuldigt wurden, denselben gesst hlen zu haben, sahen sich bald mit Steinwürfen in den Straßen verfolgt, und ohne die von der ottomanischcn Behörde entfaltete Ei ergie wäre wahrscheinlich Blut geflossen. Der Consularagent für Griechenland, Herr Haralampo, schneb an demselben Tage wiederholt an den Civilgouverneur von Burla, um Haussuchcn bei den Juden zu beantragen, „da cs sich um Thatsachen handelt, sagte er, welche sich bei den Israeliten oft wiederholen." Auf die Nachricht hiervon begab sich das Comit« von Smyrna sofort zu dem Generalgouverneur des Vilayet, Sc. H- Hamid Pascha, der auf der Stelle i telegraphisch anordnete, daß für die Sicherheit der Js-! raeliten Vorsorge getroffen und eine Untersuchung der Sache eingeleitet werde. Sodann ging er zu dem griechischen Bischof, Herrn Meletios, und dem General-! cousul von Griechenland, Herrn Phamacopulos, und! beide versprachen, ihrerseits ihren Beamten Ordre zu ertheilen, allen neuen Unruhen vorzubeugen. Fast gleichzeitig wurde der verlorene Knabe in Smyrna in Gesellschaft des mit ihm verschwundenen Lehrlings wiedergefunden. Das Comist von Smyrna lobt den Eifer, den es bei den ottoman. Behörden, dem griechischen Generalconsul und den Archimandriten von Vurla, sowie bei den Consuln von Frankreich und England gefunden, welche Letztere selbst zum Schutze der Israeliten Schritte gethan haben. — Auch in Magnesia gab es in Folge einer ähnlichen Anklage einen Moment des Aufruhrs, aber die Ortsbehördc hat die Unruhestifter sofort zur Strafe gezogen.