Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1879)
- Date
- 1879-05-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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533 sind doch Ausdrücke wie.unbedingt bej leidigend. Der Artikel ist daher wegen seiner Form > strafbar. | Die behaupteten Thatsachen werden sonach von dem Urtheil nicht berührt. (Jüd. Pr.) Emden, 6. Mai. Im Sommer v. Js. brachte das Lingener Bolksblatt einen Artikel des Inhalts, daß der Talmud den Betrug eines Christen durch einen Juden als ein verdienstliches, gottgefälliges Werk hinstelle, ja sogar den Meineid gegenüber einem Christen erlaube. Der Redacteur, wegen dieses Artikels angeklagt, berief sich auf das Buch von Rohling „der Talmudjude^, wurde aber in Folge eines Gutachtens des Herrn Landrabbiners vr. Buchholz, in beiden Instanzen verurtheilt. Bei der mündlichen Verhandlung vor dem Obergericht in Osnabrück fragte der Vertheidiger des Angeklagten den Landrabbiner, woher es denn käme, daß, wenn das Buch Rohlings wirklich Fälschungen enthalte, noch Niemand den Preis verdient hätte, welchen der Verfasser für denjenigen ausgesetzt, der ihm Fälschungen nachwiese. In der Antwort, welche jener gab und in welcher er unter Anderm auch auf das plötzliche Verschwinden Rohlings nach Amerika zu sprechen kam, glaubten der Angeklagte und sein Vertheidiger eine Handhabe zur Rache an vr. B. gefunden zu haben und kurz darauf wurde dieser von Rohling wegen Beleidigung verklagt. In erster Instanz abgewiesen, legte Rohling Berufung ein und wurde rm gestrigen Termin, unter Verurtheilung in die Kosten, gleichfalls zurückgewiesen. Aus UnUtftanttn, im Mai. Kürzlich vollzog Herr Aron Ledermann, S-no in Schweinftttt, eine Beschneidung an einem 31jährigen Manne in Frankfurt (Nichtjude), der somit zum Judenthum übertrat, weil er eine jüdische Ehe ntffö ma mit einer isr. Dame schließen wollte. Letzterer unterzog sich diesem Acte willig und gerne. Herr Ledermann, der extra hiezu beordert war, vollzog diese Operation mit der äußersten Genauigkeit und Fertigkeit, mit der größten Ruhe und Kaltblütigkeit, so daß er allgemein d»e Bewunderung der umstehenden Zeugen — wenn wir nicht irren, waren die Notabeln der Stadt Frankfurt vertreten — in großem Maße hervorrief und ihm der reichste Beifall gespendet wurde. Der Schüler hat seinem großen Lehrer und Meister, Herrn Niederhofheim, große Ehre gemacht!! Hr. Ledermann, selbst noch Anfänger, der! erst wenige Jahre practicirt, deffen Ruf die Grenzen des Landgerichts noch nicht überschritten, dürfte sich hiedurch ein größeres Renommo verschafft und das Vertrauen seiner jüdischen Glaubensgenossen bald erworben haben. Ehre, dem Ehre gebühret! M. En. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Dem Magyar Lapok wird aus Groß-Kanizsa mitgetheilt: Dem hiesigen Strafgerichte wurde der Pfarrer einer benachbarten katholischen Gemeinde sammt seiner Köchin eingeliefert, da beide beschuldigt wurden, einen Mord verübt zu haben. Vor kurzem soll ein jüdischer Weinhändler in der betreffenden Gemeinde eingetroffen sein und den Ortspfarrer um Nachtquartier ersucht haben. Der Pfarrer bedeutete dem Handelsmann, da der Kutscher gerade auswärts sei, stände ihm der Stall zur Verfügung. Dem Juden blieb in der Zwangslage nichts Anderes übrig, als die genannte Schlafstelle aufzusuchen. Gegen Mitternacht kam aber der Kutscher nach Hause und sagte dem Juden, als er ihn auf seinem Bette liegen sah. verschiedene unangenehme Dinge, bis der Spectakel damit endete, daß der Weinhändler auf den Boden mußte, um den Rest der Nacht dort zu r erbringen. Und diese nächtliche Wanderung scheint zu seinem Glücke gewesen zu sein. Denn kaum war der Kutscher eingeschlafcn, als der Pfarrer und seine Köchin sachte in den Stall hineinschlichen und im Glauben, der Schlafende sei der beherbergte Jude, den Kutscher ermordeten. Der Handelsmann aüf dem Dachboden sah mit Entsetzen, was unten vorging Er beeilte sich zu entkommen und machte Tags darauf die Anzeige bei der Behörde. Die Verbrecher befinden sich in sicherer Haft und alle Welt ist gespannt, was die Untersuchung ergeben wird. Wien. Wenn man oft von Millionären erzählen muß, welche die geizige Hand auch auf dem Sterbebette noch fest geschlossen halten und weder der Freunde noch der Armen und Unglücklichen gedenken, so mag als freundliches Gegenbild auch ein braver Mann, der Börse-Sensal Gottlieb ,vranll, erwähnt werden, welcher wohl keine Millionen gesammelt, der aber seine zurückbleibende Habe von fast 100,000 fl. öffentlichen humanitären Instituten widmete. Neben einigen Legaten an Private. Bekannte und Freunde des Verstorbenen figuriren in dem Testamente: das niederösterreichische Tanbstnmmen-Jnstitnt mit 5000 fl., das israelitische Taubstumm. n-Jnstitut mit 0000 fl, das allgemeine Blinden-Jnstitut mit 5000 fl., das israelitische Blinden-Jnstitut (Hohe Warte) mir 500« > fl, das allgemeine Krankenhaus mit 1000 st, das israelitische Krankenhaus mit 1000 fl., das Spital der Barmherzigen Brüder mit 1000 fl., das Gremium der Sensale mit