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Der Israelit · 1879-05-14 · Heft 20 (14.5.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 20 (14.5.1879)
Date
1879-05-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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514 die ungetheilte Zufriedenheit und Achtung sämmtlicher Gemeindemitglieder verdiente. Die Gemeinde ist sich bewußt, an ihm einen echt religiöse«, charaktervollen, gewissenhaften Angestellten zu verlieren, so sei z. B. erwähnt, daß die hiesige ReligionS- Schule seit Jahren die beste im Bezirk war. Der Verstorbene hatte auch in andern Wissenschaften umfassende Kenntnisse und war daher zur Ertheilung von Privatunterricht allseitig sehr gesucht. Die Gemeindemitglieder veranstalteten sofort eine Collecte zur Anlegung eines Riefe r'schen Kinder- Fonds (der Verstorbene hinterläßt eine Frau und drei unmündige Kinder) und biete Collecte, welche noch nicht geschloffen, ergibt jetzt schon ca. Mark 3300. Der Verstorbene hatte bei allen Ständen und Confessionen ungetheilte Achtung sich erworben; bei seinem Begräbniß betheiligten sich der Stadtrath, die Geistlichkeit, der Schulrath, die Lehrer, verschiedene Vereine und ein großer Theil der Bürgerschaft; die Presse beider Parteien widmete dem Verstorbenen schöne Worte des Nachrufs. Die Gemeinde ist bestrebt, die nun vacante Stelle wieder durch eine ebenso geeignete Persönlichkeit zu besetzen; möge es ihr gelingen! Aus Kranke» Wie schon oft in diesen gesch. Blättern berichtet, haben sich in Bayern Vereins- Verbände zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten gebildet, um dem gewerbsmäßigen Bettel ein Ende zu machen. Diese Vereine haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet und namentlich sind ihnen die Landgemeinden zu großem Danke verpflichtet, welche seitdem nicht mehr von den durchreisenden Armen belästigt werden, die in großen Gesellschaften oft mit 2—3; Wägen kamen und mit größter Zudringlichkeit Geld, I Kleider u. dergl. erbettelten und letztere im nächsten! Orte um einen Spottpreis verkauften.! Der vierte Jahresbericht des Centralvororts! Fürth liegt uns vor, welcher im Jahre 1878 eine! Einnahme von 26,485 98 Mk. und eine Ausgabe | von 24,714,86 Mk. aufweist, womit 1934 Personen j unterstützt wurden. j In der Vorrede an die Berbandsmitglieder beklagt sich das Ausschuß-Comitä, daß eine Anzahl Gemeinden aus dem Verbände getreten, andere geringere Beiträge als bisher geleistet und daß dadurch eine bedeutende Mindereinnahme erzielt wurde. Als Motiv wurde angegeben, daß die Gemeinden noch immer von Wanderbettlern heimgesucht werden. Dieser Behauptung möchte ich insofern entgegentreten, als diese Zahl sich jährlich auf höchstens 25—30 reduzirt. Es sind dieses auch meistens nur solche Leute, welche einen Handel mit v'ivo oder mit Kurzwaaren betreiben und ihre Maaren dadurch theuerer an den Mann bringen wolle«. Angenommen nun, daß jede Familie einem Armen 10 Pf. gibt, so wäre dieses eine jährliche Mehrausgabe für Arme von 3 Mark. Bei den guten BermögenSverhältniffen, wie sie bei allen Gemeinden, welche zum BerbandS- Bororte gehören, sich vorfinden, ist eine so kleine Mehrausgabe gewiß kein Grund, deßhalb aus dem Verbände zu treten. Als weiteres Motiv wurde vorgebracht, daß es Biele als ein gottgefälligeres Werk betrachten, ihre Gaben dem Bedürftigen unmittelbar zu spenden. Auch dieser Grund ist hinfällig. Ich verweise nur auf not>n ivp bbi am noan npna, Absatz 15—22, inhaltlich dessen es viel edler ist, wenn der Spender nicht weiß, wer seine Gabe erhält und der Empfänger nicht erfährt, von wem die Gabe kommt. Mögen diese Zeilen dazu beitrage», daß die verehrlichen Gemeinden diesem Verbände wieder beitreten, um den Fortbestand dieses mit so vieler Mühe in's Leben gerufenen Unternehmens nicht zu gefährden. Mögen eS die Gemeinden nicht als eine Heimsuchung betrachten, wenn sie nebenbei manchmal von einigen Bettlern belästigt werden; denn nicht alle, welchen daS Schicksal den Bettelstab in die Hand gedrückt, sind unserer Unterstützung unwerth. Feuilleton. Jakobine. Ein Lebensbild. Bon Ariedrich Mott. XXIX Gleich darauf trat Jakobine in's Zimmer. Hut und Mantelet hatte sie bereits angelegt. Hastig schob auch sie noch einige Kleinigkeiten in die bereits erwähnte Tasche, schloß sie und verließ eiligen Schrittes das Gemach. Es war heute ungewöhnlich stille im Schlosse, die Mehrzahl des Dienstpersonals hatte die vermeintliche Abwesenheit des Schloßherrn gleichfalls zu Ausflügen benützt; ohne auch nur einem einzigen zu begegnen, erreichte Jakobine das Portale, eilte

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