Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-05-14 · Heft 20 (14.5.1879) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 20 (14.5.1879)
Date
1879-05-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447817--16176-2472152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XX Jahrgang. des Israelit. Erste Leilage zu IIr. 8Ü 3eitr»»g-«achrichte« rrn- Correfpondenze«. Dentschland. UlM a. D. Daß es mit unseren jüdischen Angelegenheiten schlecht bestellt ist. wohin nur unser unjüdischeS Kirchenregiment streift, das ist bekannt. Daß unter diesem Regiment unser letztes Restchen Judenthum stückweise vor unseren Augen verkümmert, daS ist eine Thatsache, die leider so herzzerbrechend wie scheinbar unabänderlich ist. Auch den Leichtfertigsten kann kein Zweifel darüber obwalten, wie wir mit vollem Laufe einem jähen Abgrund entgegeneilen, und wer sich darüber täuschen wollte, der wird von Zeit zu Zeit daran erinnert, sich die Frage vorzulegen: „Wohin kommen wirf!" Ein solches, in den Annalen der deutschen Ju» denheit vielleicht einzig dastehendes Memento ist es, das ich durch diese Zeilen zur Charakterisirung unserer trostlosen Zustände zu allgemeiner Kenntniß bringen wollte. Ein Concurrenzstreit der zwei hier wohnenden Schochtim, welche sich übrigens beide nicht viel mpiu gegenseitig vorzuwerfen haben, veranlaßte das hiesige Vorsteheramt, in öffentlichen Blättern und durch Circular bekannt zu machen, daß nur bei dem christlichen Metzger Hoilbronner -)bo= Fleisch unter Aufsicht zu haben sei. Diese Aufsicht ist nun tatsächlich sehr problematischer Natur. Sie wird von einer Frau gehandhabt, das Porschen soll übrigens Herr Hailbronner selbst besorgen, insoweit es nicht ganz unterbleibt. Der Herr Rabbiner ißt auch von dem so beaufsichtigten Fleische. Warum sollte er auch nicht? Ihm genügt die Aufsicht jedenfalls, genügte sie ihm nicht, so könnte er sich ja selber darum kümmern und er hätte doch dann nichts mehr gethan als was feines Amtes ist. Aber der Herr Rabbiner genießt das so controllirte Fleisch und autorisirt also diesen Jammer, unter welchem unsere Schechitah leidet. Wenn der Herr Rabbiner solches Fleisch genießt, so darf der Schochet selbstverständlich noch einen Schritt weiter gehen und auch Fleisch genießen, welches unter gar keiner Aufsicht steht. Herr Einstein, das ist der Name dieses ehrwürdigen onw, ist nun dieser Tage an das Pflichtvergessene dieses GebahrenS in etwas unliebsamer Weise erinnert worden. Von wem? Bon der Oberkirchenbehörde? Bo« Rabbiner? Vom Vorsteheramt? — Bewahre, diese Herren und Corporationen haben sämmtlich nicht den nöthigen Fond von jüdischem Interesse, um einen pflichtvergessenen am» an seine Pflicht zu mahnen. Sie müßten auch dann vielleicht manche unliebsame Gegenrede hinnehmen. Bier ehrbare christliche Metzger waren eS, welche im „Allgemeinen Anzeigeblatt" folgende Frage stellten: „In Nr. 58 des „Allgemeinen Anzeigeblattes" macht das iSrael. Kirchenvorsteheramt bekannt, daß bei Metzger Joh. Hailbronner in der Herrenkellerstraße 3mal wöchentlich Koscherfleisch unter Aufsicht abgegeben wird. Wir, die Unterzeichneten, erlauben uns an Herrn Schächter S. Einstein daraufhin die Frage zu stellen, „wenn das Fleisch abgegeben unter Aufsicht" einen besonder» religiösen Werth hat, warum läßt e r denn selber von uuS Fleisch, das „ohne Aufsicht" abgegeben, holen?- Eine belehrende Antwort von ihm für uvS Männer vom Laienfache wäre sehr erwünscht. W. Jans, Gerbergasse. Fried. Ommerle. A. Mayer, Pfluggasse. G. Schüler. Herr Einstein aber schämt sich trotzalledem nicht, als orrn? zu fungiren, Rabbiner und Vorsteheramt schämen sich nicht, ihn in dieser Function zu belassen, und die Gemeinde, bis auf einige verschwindenden Ausnahmen, schämt sich nicht, von solcher ,-ii2'rnfr zu genießen und sich zu bereden, es sei Alles ganz in der Ordnung. Man gibt doch sonst in gewissen Kreisen so viel auf das christliche Urtheil, warum nicht in vorliegendem Falle, in welchem es so gerecht ist? Corrftimz. Die hiesige israel. Gemeinde ist durch das Ableben ihres Lehrers Sigmund Riese r in Trauer versetzt. Denselben befiel Freitag Abend, den 18. v. M, als er in der Synagoge das Kidufch betete, ein starkes Unwohlsein, welches zwei Stunden später mit seinem Dahinscheiden endete. Der Verstorbene wirkte dahier seit 1866 als Religionslehrer, Vorsänger und Schochet, in welch' sämmtlichen Functionen er sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.