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Der Israelit · 1879-05-14 · Heft 20 (14.5.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 20 (14.5.1879)
Date
1879-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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512 Carl hatte sich am 15. August 1517 in sein neues Erdreich begeben, in das strengste Land des katholischen Glaubens, dessen König vorzugsweise „der Katholische" hieß, in daS Land der Inquisition. Die Regentschaft dieses Landes hatte von dem Tode Ferdinands bis zur Ankunft Carls der Cardinal- Erzbifchof von Toledo, der Groß-Jnquisitor Ximenes geführt. Man wußte, wie sehr dieser Cardinal und Groß-Jnquisitor die Marannen in Spanien verfolgte. Diese, welche sich öffentlich zum Christeathume bekannten, standen im Verdachte, in ihren Herzen Juden geblieben zu sein. Die Großinquisitoren Torquemado, Diaz, LimeneS batten alljährliche viele Hunderte einkerkern und verbrennen lasten. Jetzt, nach dem Tode Ferdinands , bei der Thronbesteigung Carls, hatten diese Unglücklichen rin Bittgesuch an den jungen König gerichtet und sich erboten, 800,000 Ducaten dafür zu zahlen, daß künftighin die gegen sie gerichteten Processe öffentlich geführt werden sollten. Sie hofften dadurch wenigstens der Willkür und Grausamkeit der Inquisitoren die Spitze abzubrechen. Der Herzog Chiövres von Cucy, ehemals Carls Erzieher, hatte dies Bittgesuch unterstützt. Cardinal Limenes hatte dagegen protestirt. Carl verwarf in Folge dessen das Bittgesuch, und die Marannen wurden nach wie vor heimlich eingekerkert und gefoltert, aber öffentlich verbrannt. — Auch in den Niederlanden hatte Carl die Inquisition einrichten lassen. An der Spitze des Tribunals von Brabant stand Franz von der Hulst, der „die Ketzer" schaarenweis verbrennen ließ. Was hatten die Juden von diesem Kaiser zu hoffen, zu erwarten? — Schon verlautete, daß die Dominicaner von Cöln eine Deputation an den Kaiser nach Spanien geschickt, ihn zu bitten, daß er die Juden in Deutschland zwinge, entweder die Taufe anzunehmen oder auszuwandern, geradeso wie es Ferdinand und Jsabella in Spanien beschloß en und auLgeführt hatten. Aller Augen waren auf Rabbi Joselmann gerichtet. „Es gibt kein anderes Mittel", sagte man ihm, „Ihr müßt nach Spanien reifen und den Kaiser für uns gewinnen!" Am 5. September 1499 war in Spanien ein Gesetz erlassen worden, daß jeder Jude oder jede Jüdin, welche den spanischen Boden betreten würden, sie möchten sein, wer sie wollten, mit dem Tode zu bestrafen seien, und dieses Gesetz ist in Kraft geblieben, bis es in unfern Tagen aufgehoben ist worden. Unter solchen Umständen sollte Rabbi Joselmann nach Spanien reisen! Alle seine Freunde widerriethen eS ihm aufs Ernstlichste. Da trat ein Ereigniß ein, welches allen Bedenken ein Ende machte. Die Stadt Regensburg benützte das Interregnum, um die Juden auSzuweisen. In RegenSburg hatte eine der ältesten, wohlhabendsten und berühmtesten Gemeinden der deutschen Judenheit viele Jahrhunderte lang ihren Wohnsitz gehabt. Der dortige Domprediger, Balthasar Hübmaier, war ein wüthender Judenfeind. Er hetzte in jeder Predigt zur Vertreibung der Juden, und seine Hetzereien fanden Anklang bei der Bevölkerung. Aber Kaiser Maximilian schützte die Juden in Regensburg mit starker Hand. Jetzt war ihr Beschützer gestorben. „Die Gemeinde Regensburg", erzählt Rabbi Joselmann in seinem Tagebuche, „die Lust und Freude unsrer Augen wurde vertrieben. Die Unglücklichen wurden in Schiffe, auf die Donau, gebracht; nur die Familie Auerbach fand noch eine kurze Zeit Schutz in der Stadt am Hofe unter der Herrschaft der Könige von Bayern." Das Geschick der unglücklichen, aus Regensburg vertriebenen Juden war ein höchst trauriges. Die Kunde davon erfüllte die Juden von ganz Deutschland mit Schrecken, Trauer und Angst. — Pfefferkorn triumphirte. Er erließ sofort ein Sendschreiben an Bürgermeister und Rathsherren von Frankfurt und WormS, wo die letzten, allein noch übriggebliebenen, großen jüdischen Gemeinden in Deutschland wohnte::, daß sie dem Beispiele der Regensburger folgen und die Zeit des Interregnums benützen sollten, die Juden auSzutreibev. „Es muß fein", sagte Rabbi Joselmann, überwältigt von den letzten furchtbaren Ereignissen; „ich werde unter göttlichem Beistände nach Spanien zum Kaiser reisen." Rabbi Moscheh Cohen bot sich ihm als Begleiter an. „Sind wir doch schon zusammen", sagte er, „nach Aschaffenburg gereist', und Gott hat unser« Weg gelingen lassen. Freilich nach Sephard*) ist weiter als nach Aschaffenburg; doch Gott wird helfen." „Gott wird helfen", bestätigte Rabbi Joselmann, und die Beiden rüsteten sich zur Abreise. (Fortsetzung folgt.) *) Spanien. Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Redacrion: Dr. Lehm ann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 43. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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