Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1879)
- Date
- 1879-05-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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511 Auch GotteSförchtig, freundlich und «ilt, Der Tugend gar ein Fürstlich bild. War gelahrt und manche Sprache kundt, In Ritterspieleu ein außbundt. Gegen arm und reich er gütig war, terschet löblich fünff und zwentzig jar. u Wels starb selig in der Statt, Zu Wien man ihn begraben hat. (Alte Chronik aus dem Jahre 1592). Auch bei den Juden erregte die Trauerkunde große Betrübniß. Zwar war Maximilian ihnen im Anfänge seiner Regierung nicht sehr hold gewesen. Er hatte die Vertreibung derselben aus Nürnberg und vielen andern Städten gutgeheißen. Das aber hatte sich mit einem Schlage geändert, als es Rabbi Joselmann gelungen war, Gunst zu finden in seinen Augen. Und der Jude vergißt so leicht das Böse, das man ihm gethan, und erkennt so freudig das Gute an und ist dankbar für dasselbe. Daher war die Trauer um den Tod des Kaisers, der sich ihnen in den letzten Jahren seiner Regierung als ein gütiger Vater bewiesen hatte, eine ebenso aufrichtige wie allgemeine. Dazu kam noch die bange Sorge um die nächste Zukunft. Deutschland bedurfte mehr als je ein s starken, kräftigen Herrn. Die Gährung unter den Bauern war furchtbar. Die Aufregung in Folge der religiösen Zwistigkeiten hatte einen hohen Grad erreicht. Wer wird zum Kaiser erwählt werden? war eine Frage. die in allen Palästen und Hütten auf das Eifrigste erörtert wurde. Ein deutscher Fürst oder der König von Frankreich? In beiden Fällen war der Krieg, der schreckliche Bürgerkrieg, unvermeidlich; denn das Haus Habsburg hatte einen großen Anhang in Deutschland, und König Carl hätte es nicht ruhig mit angesehen, daß die Krone seiner Väter auf ein fremdes Haupt wäre gesetzt worden. Und wer hätte bei einem Bürgerkriege wohl mehr zu leiden gehabt als die armen, bedrängten, schutzlosen Juden, die stets von beiden streitenden Parteien mißhandelt werden? Und wiederum, sollte man wünschen, daß der König von Spanien deutscher Kaiser werde, der König von Spanien! Noch erklangen die Schmerzensschreie der unglücklichen, aus Spanien vertriebenen Juden, die der Noth und dem Elende, dem Hunger und der Pest waren preisgegeben worden. In Spanien feierte die schreckliche Inquisition ihre Orgien, und wenn nun der König von Spanien die Inquisition auch in Deutschland einführte und die Dominicaner, die erbittersten Judenfeinde auch zu Herren dieses Landes machte? Rabbi Joselmann war auf die Kunde von des KMferS Tode nach Frankfurt geeilt, und hier fah «SS mit Bangen der Entwickelung der Dinge eMgegen. Die Kurfürsten waren in Frankfurt zur Wchl versammelt. Lange schwangte die Wage -Machen Carl von Spanien und Franz von Frankreich. Da beschlossen die Fürsten von beiden abzusehen und die deutsche Kaiserkrone dem Kurfürsten von Sachsen, Friedrich dem Weisen, dem Beschützer Luthers anzubieten. Dieser aber, ein schon betagter Herr — er zählte bereits 56 Jahre — getraute sich nicht, die schwere Last einer Krone, wie die deutsche war, anzunehmen; er schlug sie aus. Am 28 Juni 1519 wurde Carl, als König von Spanien, der erste dieses Namens, zum deutschen Kaiser ausgerufen. In Deutschland war er der Fünfte dieses Namens. Das Reich Carls V. ist eines der größten von allen geworden. Spanien, die Niederlande, das heutige Belgien, Deutschland, ein Theil von Frankreich, von Italien, ein großer Theil des gegenwärtigen österreichischen Kaiserstaates standen unter seinem Scepter, und jenseits des großen Meeres waren, auf der neuentdeckten Hemisphäre, große Länderstrecken sein Eigenthum — in seinen Reichen ging die Sonne nicht unter. Und der über alle diese Länder und Völker herrschen sollte, war ein Jüngling von 19 Jahren. Die Juden erfüllte, wie wir bereits oben bemerkt haben, die Erwählung des Königs von Spanien mit großer Besorgniß. Carl V. war am 24. Februar 1500 zu Gent, am Ausfluß der Schilde in die Nordsee, geboren, wo sein Vater, Philipp der Schöne, der einzige Sohn Kaiser Maximilians, der Gemahl der Erbin von Spanien, Johanna, der einzigen Tochter Ferdinands und Jsabella's, damals Hof hielt. Kaiserlicher, Königlicher und Fürstlicher Glanz umgab seine Kindheit, und dennoch war diese freudlos. Als er sechs Jahre alt war, verlor er den Vater; man sagt, die spanische Johanna habe ihn aus Eifersucht vergiftet. Diese selbst verfiel in tiefe Schwermuth und lebte fortan in Spanien, während Carl in den Niederlanden erzogen wurde. So lernte der Knabe niemals die Liede des Vaters , nicht die Zärtlichkeit der Mutter kennen. Sein Lehrer war der gelehrte Hadrian Florent j von Utrecht, der spätere Pabst Hadrian VI. In | einem Alter von sechszehn Jahren, nach dem Tode z seines G oßvaters, Ferdinands des Katholischen,! bestieg Carl den spanischen Thron. Damals j sprach und schrieb er bereits sieben Sprachen: Lateinisch, deutsch, flamändisch, italienisch, fran-! zösisck, spanisch und englisch.