Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1879)
- Date
- 1879-05-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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508 puncte des einfachen Menschenrechtes und nicht unsere Religion als Hinderniß betrachtet, uns Menschenrechte einzuräumen: wer wüßte, wie es um das Judenthum stünde! Wir sehen ja, wie oft Einzelne dieses Menschenrecht sich zu erkaufen suchten durch das größte Opfer, durch Aufgeben ihrer Religion. Und wie nahe lag es, daß eine menschliche Behandlung, eine volle Gleichstellung der Juden eine größere Annäherung, ja eine Verschmelzung des jüdischen Elementes, das man doch so vielfach und mit Gewalt anstrebte, leichter ermöglicht hätte. Man griff aber immer zu dem verkehrtesten Mittel, der Gewalt, entzog den Juden die einfachsten Menschenrechte, suchte ihn und seine Religion herabzusetzen und verächtlich zu machen. Und wenn unser Jahrhundert theilweise diesen Weg verlassen, so verlangte man dennoch für die Gewährung der Gleichberechtigung, daß der Jude seine Eigentümlichkeiten aufgebe, daß er im Verkehr und Leben das speciell Jüdische als etwas, was Anstoß errege, unterdrücke und aufgebe. Kurzum, man sähe es auch heute noch lieber, wenn das Judenthum von der Bildfläche verschwinden würde, so daß man von dessen Dasein nichts merke. Das unerklärliche Rischuth gegen das Judenthum ist auch heute dasselbe wie vor Jahrhunderten. Und das ist ein kalter Strahl, der die Juden, welche so leichtfertig ihr Judenthum aufgaben, um als gleichberechtigt betrachtet zu werden, doch zur Besinnung und Einsicht bringt, ihnen wenigstens klar zeigt, daß damit das Rischuth nicht verschwindet, die Opfer, welche sie gebracht, also rein zwecklos waren. Ein Mittel gibt es gegen das Rischuth und das ist: Streng nach unserem Gottesgesetze zu leben. DDnon «'.i >a D’Dyn 'W Der Jude, der sich von seinem heiligen Gesetze im Leben und Verkehr mit den Menschen leiten und bestimmen läßt, der kann nicht anders, als rechtschaffen und edel handeln und die schlimmste Bosheit und ärgste Verleumdung muß dann verstummen, oder doch in den Augen der Welt als Bosheit und Verleumdung erscheinen. Mägen unsere modernen Juden von dem neuen Rischuth, das selbst sie nicht verschont, und seien sie noch so ehrenwerth, lernen, daß sie umsonst Concessionen gemacht, daß sie umsonst sich vom jüdischen Gesetze emancipirt, daß sie um nichts schlechter daran wären, wenn sie treue Bekenner ihres Glaubens geblieben. 1. Mai. rri-oy ü3bo ’jy njo "on ’jx Mit diesem Klagerufe des Propheten eröffne ich meinen traurigen Bericht! Unsere Schweftergemeinde Tann v. d. Rhön, Provinz Hessen, ist gestern von^ einem entsetzlichen Unglücke heimgesucht worden. Bormittags 10 Uhr entstand in einem Oekonomiegebäude dort Feuer, das in wenigen Stunden die Hälfte der Stadt, etwa 150 Gebäude, in eine große Ruine verwandelte, da das verheerende Element, getragen durch einen heftigen Nordostwind, aller menschlichen Hilfe spottete. Besonders hart wurde bei dieser Katastrophe die isr. Gemeinde betroffen; 16 jüdische Familien verloren ihre sämmtliche Habe, weil Rettung derselben nicht zu erzielen war. Die Synagoge, die israel. Schule und andere öffentliche städtische Gebäude sind vernichtet. Glücklicherweise sind sämmtliche Thorarollen gerettet worden. Die Noth und der Jammer, die gewöhnlichen Begleiter solcher Vorkommnisse, sind unbeschreiblich, da den meisten der Betroffenen alle nöthigen Lebensbedürfnisse mangeln. Die israel. Gemeinde zu Tann kann als eine mustergiltige bezeichnet werden. Echtreligiöses Leben und alte jüdische Sitte sind dort in das Fleisch und Blut der israel. Bevölkerung übergegangen, eine Opferwilligkeit, wie solche nicht größer gefunden werden kann, hat dieser Gemeinde immer zur Zierde gedient. Die Noth und das Elend in jeder Gestalt haben dort stets warme Herzen und offene Hände gefunden, es war gleichsam, als ob an den meisten israel. Häusern die Devise zu lesen war: „i'EOi bs b3'i Nrv\" In dem Opferkasten, den Ihr geschätztes Blatt bei so verschiedenen Gelegenheiten eröffnete, nahm die Gemeinde Tann unter der Aegidi des Herrn Distr.- Rabbiners Wormser zu GerSfeld, der die Pflicht, D^nnn« hdid zu sein, stets bethätigt, immer einen ehrenvollen Platz ein. Erst vor wenigen Tagen haben verschiedene jüd. Familien zu Tann einen glänzenden Beweis ihres echt religiösen Sinnes dadurch gegeben, daß dieselben wesentlich dazu beitrugen, O’ncn Dy -idd bD'i zu sein. Eine hiesige, aus Tann gebürtige jüd. unbemittelte Frau starb zu Jena in der Irrenanstalt uod sollte auf dem dortigen nichtjüdischen Kirchhofe bestattet werden. Kaum drang die Kunde von diesem Vorfälle nach Tann, als'schnell dort der größte Theil der nicht unbedeutenden Transportkosten durch eine Collecte gedeckt und die Verstorbene zu bto»’ nap hierher gebracht wurde. Es bedarf daher gewiß nur dieser Anregung, um auch die rasche werkthätige Hilfe unserer Glaubensgenossen für die armen Abgebrannten zu Tann anzuregen. Lebensbedürfnisse aber Art, besonders Wäsche, Kleidungsstücke, Betten re., sind dringend nöthig. Die geehrte Redaction und Expedition des „Israelit" sind gewiß gern erbötig, sich diesem humanen Zwecke zu widmen. *) Directe Liebesgaben sind gefäll. an den * ) Siv und gern bereit, Geldspenden entgegen ’,u nehmen und schleunigst;u übermitteln. - Redaction.