Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1879)
- Date
- 1879-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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507 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz. Wir erlauben uns einen in einem der früheren Jahrgänge veröffentlichten Aufruf zu Gunsten des Aufsehers der }ni3 in Jerusalem, Herrn Jsak Levy, in Erinnerung zu bringen. Herr Levy befindet sich, wie uns mügetheilt wird, in drückender Nothlage. Es bedarf gewiß nur dieses Hinweises, um wohlthätige Leure zu einer entsprechenden Unterstützung zu veranlassen. Vom Rhein. Ihr geschätzter 8-Correspondent hat sich die Aufgabe gestellt, dem Rischuth , das heute noch in ungeschwächter Weise seine Blasen auftreibt, auf all seinen Krümmungen und Windungen nachzuspüren, es zu entlarven, zu widerlegen und dessen Ungerechtigkeit bloszu stellen. Eigenthümlich genug ist es, daß unser auf seine Bildung so eingebildetes Jahrhundert unausgesetzt diese mittelalterliche Hep-Heprufe ertönen läßt und die Zeit des Raudritterthums und der Verfolgung herveizusehnen scheint. Aber wir dürfen wohl voraussetzen, daß Fürsten und Völker schon in ihrem eigenen Interesse derartigen Hetzereien nicht besonders hold fein werden und können daher mit etwas mehr Ruhe und Gleichmuth solche Unkenrufe mitanhören. Als recht drastische Illustration wie man im Juden, so lange er nur noch dem Judenthume ongehört, und wenn er nur mit Nichjuden verkehren sollte, doch immer den Juden erblickt, diene folgendes ergötzliche^Geschichtchen. Ein sich zur höchsten daute-voles zählender Jude, der es sich zur Ehre rechnete, nur in nichtjüdischer Gesellschaft zu verkehren, nur Nichtjuden bei sich zu empfangen, gab ein opulentes Mahl, wozu die nichtjüdische Noblesse eingeladen wurde. Die auserlesensten Speisen und köstlichsten Weine schmeckten so vortrefflich, daß die animirteste Stimmung in der Gesellschaft herrschte. In heiterer Weinlaune wurden, wie üblich, verschiedene Toaste ausgebracht und selbstverständlich auch auf den Gastgeber. Als man hierauf die Gläser erklingen ließ, passirte es einem Gaste, der jedenfalls zu den vertrautesten Freunden des Gastgebers gehörte und der etwas tief in's Glas gesehen hatte, daß er zu demselben herantrat und sagte: „Komm Jad' und stoß an!" Um die Bitterkeit dieses Rischuth etwas abzuschwächen, wollen wir ihm seine guten Seiten abzugewinnen suchen. Und es hat, wenn das freilich nicht in der Absicht jener Feinde liegt, auch etwas sehr Gutes. Aehnl'.ch, wie in unserer Zerstreuung zwar ein specielles Unglück unseres Volkes zu sehen ist, aber dabei noch eine besondere und erhabene Absicht Gottes erkannt werden muß, verhält es sich auch mit diesem Rischuth. Die nichtjüdische Welt glaubt das jüdische Volk von seinem Gotte verworfen und auf ewig verlassen. Ein unparteiischer Blick läßt aber gerade das Gegentheil erkennen. Die Aufgabe des jüdischen Volkes an der Spitze der Völker mit seiner Gottesidee und Gotteserkenntniß zu schreiten, hat es eigentlich erst durch diese Berührung mit der ganzen'Welt zu erfüllen vermocht. Wäre unser Volk immer im heiligen Lande geblieben, so hätte es wohl auch als Gottesvolk der Welt ein Vorbild sein können. Dennoch wäre es den meisten Völkern zu fremd und unbekannt geblieben. Durch seine Zerstreung aber kam es mit dem größten Theile der Menschheit in Berührung. Dennoch sollte es sich fern halten von aller Propaganda, von allem Streben, Proselyten zu werben; im Innern seines Hauses, seiner Familie und der Gemeinde concentrirte sich das ganze religiöse Leben. Niemals, so weit uns die Weltgeschichte berichtet, gab es ein anderes Volk, das in der Menschengeschichte von großem Einflüsse gewesen und das weniger daraus ausging seine Religion der übrigen Menschheit aufzudringen, dessen Religion sich mit ihren Bekennern allein zufrieden gab, als das jüdische Volk. Es gab und gibt noch heute keine friedlicheren, das Gesetz respectirenden, loyaleren Staatsbürger, als die Juden. Und doch hat man zu allen Zeiten sie für staatsgefährlich, ihre Religion für anmaßend erklärt. Die nichtjüdtsche Welt hat für diese Anschuldigung keine Rechtfertigung und für das große Unrecht, das sie an einem Theile der Menschheit geübt, keine Entschuldigung. Einsichtsvolle nichtjüdifche Männer. darunter viele Theologen, haben zu alle» Zeiten diese Ungerechtigkeit nachgewiesen und dieselbe gebrandmarkt; sieblieben aber vereinzelt und ihr Red n, wenn auch von noch so überzeugenden Beweisen begleitet, war und blieb fruchtlos. Diese Erscheinung ist ganz besonders in unserer Zeit, wo man täglich diesem Rischuth begegnet und zwar in den gebildeten Kreisen, sehr auffallend, so daß wir darin eben eine göttliche Absicht erblicken. Das Rischuth gegen das Judenthum und seine Bekenner sollte nicht ersterben trotz aller Grundlosigkeit desselben. Denn darin liegt nach menschlichem Ermessen die einzige Möglichkeit unserer Erhaltung. Hätte die nichtjüdische Welt uns blos als Bürger behandelt vom Stand-