Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1879)
- Date
- 1879-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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487 fort. In Oesterreich und zwar in Galizien spielte noch ein derartiger Proceß jim Jahre 1844. Die Stimmenmehrheit der Hofkanzelei jetzt Ministerium des Innern, befürwortete damals beim Kaiser: „Es dürfe die Billigkeit, der Judenfchaft eine Genugthuung zu geben, nicht verkannt werden, und diese Kundmachung in einer angemessenen Art in dem galizischen Provinzialzeitungsblatt erfolgen, aus welchen sie schon in die „Wiener Zeitung" übergehen wird. Die Minorilät jedoch meinte, daß eine derartige Bekanntmachung nicht nothwendig sei, da die Aufklärung schon so weit gediehen ist, daß eine derartige Maßregel weder nothwendig noch angemessen wäre. In Rußland scheint die Aufklärung noch nicht so weit gediehen zu sein. Feuilleton. Zakoöine. Ein Lebensbild. Von Iriedrich Mott. xxvin. Ein triumphirendes Lächeln zuckte um seinen Mundwinkel, sie merkte es nicht und fuhr in demselben matten Tone fort. „Ich habe noch gestern Abend an mehrere Blatter eine Annonce gesandt, in der ich einen Posten als Gouvernante, Lehrerin oder Gesellschafterin suche. Hoffentlich gelingt es mir bald, eine Stelle zu erhalten." „Jakobine!" fuhr er auf, „reden Sie im Ernst?" „Gewiß, Herr Graf, ich muß an meine Zukunft denken. Sie wissen es, ich stehe allein in der Welt, habe auf der ganzen, weiten Erde nicht einen Menschen, der — „Und das sagen Sie mir, Ihrem besten, wärmsten Freunde, der Sie so innig, so aufrichtig liebt, daß er am liebsten alles Seine mit Ihnen theilen möchte." Jakobine war glühend roth geworden; sie bemühte sich ihre Hand aus seinem Arm zu ziehen — rr hrrU sie eisensest. „Nein", fuhr er erregt fort, „ich kann es nicht glauben, daß Sie im Ernst daran denken, Waldenser zu verlassen — Waldensee, wo diejenige ruht, die Sie geliebt hat, als wären Sie ihre j eigene Tochter. — Ich werde dem Rathe der Baronin Weißenfels entsprechen und Ihnen schon in den nächsten Tagen eine Gesellschafterin zuführen und Sie werden in meiner Abwesenheit als Herrin im Schlosse walten." Mit trübem Lächeln schüttelte das junge Mädchen die prachtvollen Locken, die in dem Schein der Sonne glänzten, als wären sie eitel Gold. „Sie vergessen, Herr Graf, die Frau Baronin hat Sie aufgefordert, für Fräulein von Thalheim eine Gesellschafterin zu suchen, für Jakobine Grünfeld wäre das nicht am Platze." „Sie führen den Namen, mit dem meine selige Mutter Sie in die Welt geführt." „So lange ich im Schlosse weile, halte ich mich in der That dazu verpflichtet. Und wenn Sie eS erlauben, Herr Graf, würde ich noch für einige Tage Ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen. — Bei der Frau des Schloßverwalters möchte ich den Erfolg meiner Annoncen abwarten." „Um des Himmels willen, Fräulein!" rief Waldensee, mehr und mehr erregt, „sehen Sie denn nicht ein, wie sehr Sie mich beleidigen durch Ihre Pläne? — Fräulein von Thalheim, der Liebling meiner verewigten Mutter, sollte eine dienende Stellung suchen in, Gott weiß welchem Hause? — und Sie glauben, ich würde das zugeben?" „Daran habe ich allerdings nicht gezweifelt", entgegnete sie leise. „Sie beleidigen micb mehr und mehr. Sie wissen sicher so gut wie ich, daß meine selige Mutter die Absicht hatte. durch ein reiches Vermächtniß Ihre Zukunft zu sichern. Und weil nun ihr leider vorzeitiges, unvorhergesehenes Ende diese Absicht vereitelt hat, darum wähnen Sie sich schutzlos und verlassen, halten mich für den Schurken, der Ihnen das Ihnen Gebührende vorenthalten werde? —" „Herr Graf —" stammelte sie auf's Neue erglühend. „Jakobine, was habe ich gethan, daß Sie so — so von mir denken können? —" „Verzeihen Sie", bat sie leise, „wenn meine Worte Sie verletzt — mit meinen Gedanken bin ich Ihnen sicher nie zu nahe getreten. Denn wenn ich auch weiß, daß die theure Entschlafene die Absicht hegte, meine Zukunft sicher zu stellen, so weiß ich doch eben so wohl, daß ich darauf auch nicht die entferntesten Ansprüche konnte; es wäre das nur eine neue unverdiente Wohllhat gewesen." „Sie sind im Jrrthum, als Wohllhat hätte die Verewigte das nicht betrachtet — sie hielt sich im Gegentheil dazu verpflichtet. — Nicht wahr,