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Der Israelit · 1879-05-07 · Heft 19 (7.5.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 19 (7.5.1879)
Date
1879-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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atMüirt J wvi-ai<it^»u!asea XX. Jahrgang. Erste Ltilagt )L Ar. 19 -es Israelit. Leitender Artikel. Dom Hemeindebunbe. m. Herr Rabbiner vr. Goldschmidt ist Mitglied des Ausschusses, derselbe war auch Mitglied der Synoden in Leipzig und Augsburg. Derselbe hat bei dieser Gelegenheit unzweideutige Aussprüche des lebendigen Gottes als „längst antiquirt und abgelebt" bezeichnet. *) Herr Prof. Dr. Lazarus ist Mitglied des Ausschusses und hat den Synoden in Leipzig und Augsburg präsidirt, hat also den ganzen officiellen Treubruch, hat die ganze offenkundige Revolte tn’ttD *uji *n tu organisirt unt> in Scene gesetzt, kann ein solcher Mann heute über Religionslosigkeit ernstlich Klage führen? Gibt'S eine größere Verwirrung der einfachsten Begriffe von Recht und Billigkeit, als ein solches Gebühren? „Und da wundert man sich, wenn heute dieJugend nicht mehr so feinfühlig ist für Pietät und Sitte, für Gemeinsinn und Opferwilligkeit gegenüber den Alten» die diese Tugenden mit ihrerGlaubenslehre gewannen!!" Mit ihrer Glaubenslehre? Mit Nichten. Mit ihrer Glaubenslehre gewannen die Alten nichts und gewinnen die Jungen nichts. Ihre Glaubens that war eS, die unsere Alten so hoch über das gewöhnliche Niveau erhob, daß fie von vornherein allenthalben das nvyj dem yoKU, die That der Lehre voranstelltev, das war eS, was sie engelgleich erscheinen ließ, und sie unS für alle Zeit als hohe, nachahmungswürdige Ideale erscheinen läßt. Hätten unsere Alten für ihr Judenthum nicht« als schön gedrechselte Jeremiaden übrig gehabt, ihr ganzes Leben wäre aber im Widerspruch mit ihrer sogenannten Glaubenslehre gewesen, würde dann ihr bloßes Andenken noch heute uns zum Segen gereichen? Würde dann nicht ihr Leben ihre Lehre so vollständig verleugnet haben, wie thatsächlich ihr Leben eine Besiegelung ihrer Lehre ist? Wahrlich, eS ist eine tiefe Wahrheit, die uns unsere Weisen — ihr Andenken sei gesegnet — in * ) Vergl. Protokolle der Augsb. Synode S. 111. den Worten hinterlassen haben: nny uw ivibii n1?» V? nu. „Wer die Glaubenslehre, aber nicht die Glaubensthat pflegt, für den wäre es besser, er existirte gar nicht." In der That, wenn sich die Ideale des Gemeindebundes in schönster Weise erfüllten, wenn in Folge seines Aufruss die Vereine wie Pilze auS der deutschen Erde schössen, eS würde jüdische Geschichte gelehrt und biblische Geschichte mit allen einschlägigen Disciplinen so gelehrt, daß es von der Donau bis zum Belt kein jüdisches Kind mehr gäbe, das nicht über die Abfassungszeit irgend eines Piutstückes, über seinen Verfasser, dessen Geburts¬ und Todestag vollständig im Klaren wäre, es hätte den ganzen Geiger, Jost und Grätz im Kopfe, aber auch im Herzen, es könnte die Glaubenslehre des Judenthums an den Fingern nach einem ganzen Dutzend Katechismen herzählen, aber es bethätigte diese Lehre nicht in seinem Leben, eS mißbrauchte diese Lehre, um sie zu zerstören und als menschliches Erzeugniß zu discreditiren, es studirte die Paitanen und verlachte die Piutim und Diejenigen, welche sie beten, wer wollte dann leugnen, daß es für das Judenthum besser wäre, wenn solche Glaubensgelehrte nicht existirten? Der uns vorliegende Aufruf des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes läßt, so allgemein er auch gehalten ist, doch keinen Zweifel über die Tendenz der zu gründenden Vereine und der abzuhaltenden Vorträge zu. „Es soll durch Vorträge gezeigt werden, wie das Judenthum demGeiste der Zeit Rechnung trägt rc." Wir kennen diesen „Geist der Zeit", wissen, daß es keine Contrebinde gibt, die nicht unter dieser Flagge in die jüdischen Geister und Gemüther einzuschmuggeln versucht worden wäre, und begreifen es vollständig, wenn dieser „Geist der Zeit" auS allen Ecken in den Kundgebungen des Gemeindebundes spukt. „Der Jude," heißt eS S. 3 dieses Aufrufs, „nimmt heute, gegenüber früheren Jahrhunderten und selbst Jahrzehnten, eine geachtete Stellung ein. Seine Religion ist vom Geiste der Zeit durchdrungen; sie hindert ihn nicht, lehrt ihn vielmehr, ein guter Staatsbürger zu sein."

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