Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1879)
- Date
- 1879-05-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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482 Annexion? Früher mußten die Israel. Theologie- Studirenden die Schule zu Paris besuchen; heute geben wir ihnen Stipendien zum Besuch der Schulen in Berlin, BreSlau und Münster? ganz nach Wahl. Die Majorität Ihrer Commission indessen hat, um ihr Entgegenkommen gegen einen nur in schwacher Minorität vertretenen Cultus zu beweisen, 4000 Mzur Unterstützung junger Leute, die sich dem Rabbinat zuwenden wollen, eingestellt, um ihnen die Theilnahme an den ersten Studien in den einheimischen Unterrichtsanstalten zu erleichtern. Sie hat diesen Betrag sür jetzt für genügend erachtet, besonders wenn die Bedürfnisse des isr. Cultus berücksichtigt werden. Ich kann mich nur für den Artikel nach der Fassung des Commissionsberichts aussprechen. Mitglied Mieg-Köchlm: Ich halte es nicht für ersprießlich, den Herren Nessel und Ditsch in alle von ihnen vorgebrachten Einzelheiten zu folgen. Ich möchte nur auf 2 Hauptpunkte aufmerksam machen. Zunächst hat man es für angezeigt erkannt, eine stärkere Subvention zu bewilligen und dann hat man sich nicht für die Zukunft binden wollen, als solle dieselbe zur Gründung eines Seminars dienen. Ich gebe die Berechtigung, so zu handeln, völlig zu; aber ich finde die Bewilligung zu geringfügig und halte deshalb meinen Vorschlag aufrecht? Mitglied North: Es erscheint mir förderlich, die Frage, über die Sie sich entscheiden sollen, genau zu präcisiren. Man hat hier von der Errichtung einer besonderen Anstalt gesprochen, die in Kurzem dem Staat zur Last fallen könnte. Man hat Ihnen die Erklärungen, welche die Vertreter der isr. Consistorien in der Commission abgegeben haben, wiederholt. DaS mag mehr oder weniger interessant sein, aber über diese Fragen haben Sie sich nicht zu äußern. Es ist Ihnen kein formeller Vorschlag in dieser Hinsicht gemacht worden. Sie haben sich nur über ein genau bestimmtes Capitel des Etats zu entscheiden: Stipendien für israel. Theologie-Aspiranten. Die Sache ist somit sehr genau präcisirt, so daß Ihr Votum Sie nicht über die bewilligte Summe hinaus zu etwas verpflichten kann. Sie votiren eine Unterstützung zur Bewilligung von Freistellen, aber nichts deutet an, daß dieselben mit einer Privatanstalt oder irgend einer öffentlichen Anstalt verknüpft sind. Die Inhaber der Stipendien können eine bestehende Anstalt oder, wenn eine solche eingegangen, eine andere besuchen. Die Mehrheit der Commission schlägt Ihnen 4000 Mvor: Herr Mieg-Köchlin wünscht die Subvention auf 8000 M. erhöht zu sehen. Würde Ihre Entscheidung Sie principiell zu etwas verpflichten, so würde es denselben Erfolg haben, ob Sie 4000 oder 8000 M. auswerfen. Aber, wie gesagt, durch die Bewilligung des fraglichen Capitel verpflichten Sie den Staat zu nichts als zur Zahlung der Summe. Die Frage ist also einzig die: Genügen 4000 M. oder müssen sie verdoppelt werden. Die jungen Israeliten, die sich dem Cultus widmen, gehören zumeist armen Leuten an. Die Kinder müssen wegen der 8 bis 9 Jahre dauernden vorbereitenden Studien schon früh herangezogen werden. Erst dann können sie sich dem 3 bis 4 Jahre währenden eigentlich theologischen Studium widmen. So bedarf es zur Ausbildung eines Rabbiners einer Studienzeit von 12 bis 15 Jahren. Die Subventionen für Rabbinats-ASpiranten sind also in Wirklichkeit viel bedeutender, als man wohl annimmt. Sie sind sogar ungenügend, so daß die iör. Consistorien wenigstens die gleiche Summe zur Erlangung der ausreichenden Zahl von Rabbinern hinzulegen müssen. Das Argument. bisher sei die im Budget eingestellt gewesene Subvention von 1720 M. für die Theologie-Studirenden nie gebraucht worden, ist hinfällig. Theologische Studien erfordern vorbereitende Studien; letztere aber waren gerade unmöglich. Sie würden aber mit der vorgeschlagenen Subvention ins Leben treten können. Ich schließe mich daher Herrn Mieg-Köchlin'S Forderung an, 8000 M. einzustellen und zwar unter der von der Commission gewählten Bezeichnung. Hierauf wird der Antrag Mieg-Köchlin und Genossen auf Verlangen der Mitglieder Bichelberger, Fulter, Junger, Lorette und Simonin zur geheimen Abstimmung gebracht. Bei 24 abgegebenen Stimmen wird der Antrag mit 14 gegen 9 Stimmen angenommen; 1 Stimmzettel ist unbeschrieben. Titel 6 ist demnach mit 8000 M. angenommen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Von der isr. Bevölkerung der beiden Reichshälften und ihren Glaubensgenoffen außerhalb des Reiches sind zum Feste der silbernen Hochzeit des Kaisers und der Kaiserin viele Gratulations-Adressen an das Herrscherpaar gerichtet worden; unter Andern zwei Huldigungs- Adressen im Namen von 580 Rabbinen und ihrer Gemeinden in beiden Reichshälften, eine Adresse