Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1879)
- Date
- 1879-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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nicht allein unausführbar ist, sondern auch von! schädlicher Wirkung sein würde.! Es ist selbstverständlich, daß man einen Men- > schen, der durch einen unsaubern Gelderwerb sich! bereit ert, nicht mit einem Ehrenamt in der Ge- : meinde betrauen wird, aber ihn von Functionen in! der Synagoge auszufchließen. dazu ist man nicht 1 berechtigt, so lange die Gemeinde nicht das Recht der Aufnahmeverweigerung besitzt. Mit der Zuertheilung der Functionen in der Synagoge verhält es sich nämlich so: entweder werden sie der Reihe nach unter den Mitgliedern der Gemeinde vertheilt, dann hat jedes contribuirende Mitglied ein Anrecht an dieselben, das man ihm nicht streitig machen kann, oder sie werden zu einer Jntrade der Synagoge, indem man sie jedes Mal gegen besonderes Entgelt den darum cvncurirenden Mitgliedern überträgt, und es besteht kein Recht, nach : welchem man ein Mitglied von der Concurrenz ausschließen dürfte. Schädlich würde aber gerade-! zu die Befolgung des oben angedeuteten Mittels gegen die Wucherer wirken, weil ein solches ja den Glauben erwecken müßte, als seien die im vergrößerten Maßstabe vorgebrachten Anklagen gegen die Juden wahr, als habe das Laster des i Wuchertreibens so sehr alle jüdischen Kreise ergriffen, daß es dagegen eir es ganz besonderen Mittels, das man anderswo nicht für nöthig hält,; bedürfte. Sind denn alle Juden Wucherer oder sind alle Wucherer Juden? Sv lauge man in nichtjüdischen Kreisen eine Infamie-Erklärung ex officio für ihre Blutsauger nicht für nöthig findet, so lange wird man eine solche auch in jüdischen i Kreisen nicht erklären. Wir brauchen uns nicht außerhalb des Gesetzes zu stellen und ein UebrigeS! thun, aber freudig wollen wir Mitwirken an der Herstellung eines Gesetzes, das dem Blutsauger- 1 thum das wohlverdiente Ende bereitet und die jüdischen und christlichen Wucherer mit gleichem Schlage trifft. Wie ein solches Gesetz zu schaffen i ist, darüber erlauben wir uns keine Vorschläge, das wollen wir ruhig denen überlassen, welche zur ■ Schaffung der Gesetze berufen sind Dessen sind! wir aber sicher, daß wenn ein derartiges Gesetz zu Stande kommt, es nicht Juden allein sind, die davon betroffen werden, sondern daß die Christenheit ein ganz erkleckliches Contingent solcher Blutsauger dem Arm der Gerechtigkeit überliefert oder unschädlich gemacht sehen wird. Es soll das nicht für die betreffenden Juden als Entschuldigung dienen, es soll nur damit gesagt werden, wie Unrecht es ist, immer von dem „jüdischen Wucherer" zu sprechen und die Schandthat des Einzelnen der Gesammtheit zum Vorwurf zu machen. Wir werden immer auf dem gui vive! stehen und die Angriffe, die auf unsere Ehre gemacht werden, vertheidigen! Man sagt, der Jude sei zu leicht beleidigt, und könne es nicht vertragen, wenn etwas gegen ihn oder seine Sitten und Gewohnheiten gesagt werde. Es ist das nicht wahr; es wäre lächerlich, die Kritik nicht vertragen zu können, aber er versteht zu unterscheiden zwischen wissenschaftlicher Untersuchung seiner Bräuche und Religion und böswillige Verläumdung seines Charakters und Angriffe auf seine Ehre. Er wird Keinem das Recht absprechen, seine Religion und Bräucke einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen, er wird die Untersuchung und das Resultat derselben zu widerlegen suchen, wenn er dieselben für unrichtig halt, ohne aber die Achtung zu verletzen, Hie man den wissenschaftlichen Gegner schuldig ist. Er wird aber, wo man mit unwahren Behauptungen an seine Ehre anrührt, mit aller Schärfe einem solchen Gebühren entgegentreten und die Lüge vor aller Welt entschleiern, nicht um den Angreifer zu belehren, denn ein solcher will gewöhnlich nicht belehrt sein, sondern um das Gift unschädlich zu machen, mit dem die leichtgläubige Menge inficirt werden soll. Aber nicht Jedem solcher Gegner werden wir erwiedern, und das möchten wir als das negative Mittel empfeh len, das im Kampfe gegen den Judeuhaß anzuwenden ist. Der Gegner selbst muß um seiner anderweitigen Verdienste willen ein solcher sein, dem wir, abgesehen von seinem Judenhaß, mit Anstand und Achtung begegnen können, er muß der Träger eines sonst achtbaren Namens sein, ein Mann, der durch wissenschaftlichen Ruf oder gesellschaftliche Stellung von Einfluß auf seine Leser und Hörer ist. Kommt aber ein obscurer Scribler, der um seinen magern Geldbeutel zu füllen oder aus Freude am Scandal eine Broschüre in die Welt schleudert, aus der weiter nichts als der bittere Haß spricht, für den tauchen wir die Feder nicht ein und haben kein Wort übrig. Von dem sagen wir, wie Plato einst von Dionysios sagte: Wir haben keine Zeit an ihn zu denken. Einen solchen Judenfresser bringt man am besten zum Schweigen durch — Schweigen. Dieses negative Mittel im Kampfe gegen den Judenhaß anzuwenden. möchten wir alle unsere Collegen bitten, die die Feder führen; mögen sie sich nicht herbeilassen, Einem zu antworten, der Scandal sucht, und auf diese Weise eine traurige Berühmtheit erlangen will. Sein sehnlichster Wunsch wird fein, er wird darum bitten, nicht todtgeschwiegen zu werden; erfüllen wir ihm diesen Wunsch und diese Bitte nicht! Und jemehr er schimpft, jemehr er tobt, jemehr er haarsträubende Lügen zu Tage für-