Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-05-07 · Heft 19 (7.5.1879) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 19 (7.5.1879)
Date
1879-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447816--16145-2472120
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

479 Sephiratrauer nichts im Talmud, ja auch die maßgebenden und bedeutendsten Kodifikatoren der später» Zeit, Alfasi, Maimoni und Moses aus Coucy erwähnen derselben mit keinem Worte. Selbst noch Ascher ben Jechiel im Anfang des 14. Jahrhund, spricht nirgends davon. Erst sein Sohn Jacob (anno 1340) hatte die betreffende Institution in seinem Ritual - Codex Tur ausgenommen, wodurch derselben allgemeine Verbreitung und bleibende Geltung in den Gemeinden verschafft wurde. Joseph Karo gibt in seinem Commentar Beth Joseph, als Quelle des Tur, den Rabenu Jerucham und Josua ibn Schoab an. Er war offenbar der Meinung, daß dies ältere Autoritäten wären. Dem ist aber nicht so. Die beiden letztgenannten waren, so wie Abudraham, der ebenfalls dieserSephira-Usancen gedenkt, Zeitgenossen, und sie scheinen alle auS einer Quelle geschöpft zu haben. Daß dies jedenfalls bei R. Jerucham und Ibn Schoab der Fall sei. zeigt der gleiche Wortlaut der bezüglichen Stellen. Und dennoch reicht das Alter dieser Vorschriften sehr weit hinauf. Schon von den Geonim, namentlich von R. Hai Gaon (blühte anno 1000) wird berichtet, daß Entscheidungen in dieser Beziehung von ihnen getroffen wurden. Auch Jsak ibn Giath in Lucena (anno 1100) sagt im nnottf njw p. 109: Mbn Sanier» inj^i DM b3M . . . Min mt>’3M DltPDl ,mSjD HDD 1'3 ML"b Mib^i nn?y? Mbl? ib jnio nb'nn3b b!Mk?b M3 .D'^iM^ln inin;3i bMir?' ^n^v niciDb AuS dem Allen geht hervor, daß die Sephiro- Trauer ein uralter jüdischer Brauch ist, der von Seiten der Rabbiner bei Vornahme von Trauungen berücksichtigt werden muß. Prag, 22. April. S. Hock. A i s ch u IX. 8. Die Mittel, welche gegen den Judenhaß angewendet werden müssen, sind' sowohl positive als negative. Wir haben, wie es auch bisher geschehen ist, durch die That zu beweisen, daß alles das, was der Judenhaß den Juden als Nationalfehler aufmutzen will, böswillige Verleumdung ist. Wir werden fortfahren durch Werke der Liebe und Menschlichkeit zu zeigen, daß wir jeden Menschen ohne Ansehung der Confessio» als unser» Mitbruder betrachten; wir werden fortfahren durch Hingabe an den Staat, durch Förderung des Staatswohls zu beweisen, daß die Staatsinteressen unsere höchsten Interessen sind, daß wir nichts anderes als treue Bürger des Staates sein wollen, dem wir durch Geburt oder durch Wahl angehöreu; wir werden uns trotz der mannigfachen Verkennung, welcher wir ausgesetzt sind, in unserm Streben. nicht allein als vollberechtigte sondern auch als vollverpflichtete Bürger zu gelten, nicht beirren lassen. Es wird der Haß, der gegen unS ausgestreut wird, nicht wiederum Haß in uns erzeugen, wir werden nicht Haß mit Haß bekämpfen wollen: man treibt den Beelzebub nicht durch den Teufel aus. Es wird und muß ein solches Streben den Haß endlich, wenn auch nach langer, langer Zeit, zum Schweigen bringen. Die Anklagen werden verstummen, wenn sie durch unser Thun dem^ntirt und daher nicht mehr geglaubt werden. Nun sagt man wohl von gewisser Seite: gut, zeigt durch die That, daß ihr keine Gelegenheit zum Haß geben wollt; wir erkennen euere guten Seiten an, ihr seid wohlthätig, lernbegierig, euer Familienleben war stets muftergiltig, aber euer Schachergeist hat euch zu Wucherern gemacht, hartherzige Blutsauger haben Unglück und Elend über ganze Familien gebracht. — Setzen wir uns itt aller Ruhe und ohne jede Verschleierung über diese Anklage auseinander. Die Wucherfrage ist wieder auf die Oberfläche getreten, und sie wird nicht ohne Erregung ventiiirt werden. Bei diesem schon begonnenen Meinungskampfe sind die Juden jbereits durchgehechelt worden, und wir glauben nicht zu irren, daß der „jüdische Wucherer" noch öfterwährend dieses Kampfes auf der Bildfläche erscheinen wird. Daß die Species dieser Blutegel auch unter den Juden angetroffen wird, ist leider traurige Wahrheit , aber noch trauriger ist es, daß diese ihre übrigen Glaubensgenossen in die Mitleidenschaft der Anklage ziehen. Man hat deshalb von jüdischer Seite in der besten und wohlmeinendsten Absicht, den Rath gegeben, es solle nicht allein jeder anständige Jude von der Gemeinschaft mit jenen Blutsaugern sich loSsagrn, solle nicht allein deren Umgang meiden, sondern es sollen jene Unwürdige ex officio von der Synagogengemeivde gleichsam gebannt, es solle ihre Ausschließung vom Umgang mit Anderen und von Functionen in der Synagoge, wie z. B. vom Aufruf zur Thora, seitens der Gemeinde decretirt werden. Dieser Vorschlag ist, wie gesagt, gut gemeint und einem edlen Herzen entsprungen, das den großen Schmerz fühlt, welcher der Gesammtjudenheit durch die Schandthat der Einzelnen bereitet wird; aber bei Beurtheiluug solch wichtiger Fragen darf das Herz nicht mit dem Kopfe durchgehen; eine ruhige Prüfung wird uns aber sagen, daß dieser Vorschlag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.