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Der Israelit · 1879-05-07 · Heft 19 (7.5.1879) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 19 (7.5.1879)
Date
1879-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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478 sämmtlich von der Sichel des Todes gemäht worden waren. Es ist nun sehr auffallend, wie eS kam, daß jene Seuche sich eben nur die Schüler Akiba's zum Opfer erkor, und andererseits, daß gerade der Tod jener Schüler eine so allgemeine Bedeutuna erlangen konnte, daß sie selbst zu einer für alle Zeiten gebotenen Nationaltrauer wurde. "Wir sind jedoch der Ansicht, daß diese Einrichtung einen politisch - historischen Hintergrund habe. Mit der Zerstörung des zweiten Tempels und dem Fall Jerusalems hatte der jüdische Staat und die Selbstständigkeit der jüdischen Nation wohl ihr Ende erreicht, aber das unglückliche Volk hatte seine Hoffnungen auf Wiedererlangung seiner staatlichen Existenz noch immer nicht aufgegeben. Ein halbes Säkulum war erst verflossen, als unter den Juden ein allgemeiner Aufstand gegen die Römer losbrach, um das verhaßte Joch der Fremden abzuschütteln. Ein blutiger Jnsurrectiouskrieg entbrannte, anfänglich in Cyrene, Alexandrien und Cypern unter Trajan, sodann unter Hadrian in Palästina, in welchem durch 372 Jahre Ben Cosiba das jüdische Revolutionsheer befehligte, anfangs von Sieg zu Sieg führte und blutige Niederlagen unter den Römern anrichtete; später aber den Legionen des gewaltigen Nom weichen mußte, und nach tapferer und tZ" LSmuthiger Gegenwehr endlich unterlag. Längst schon wurde von jüdischem Geschichtsforschern die Vermuthung aufgestellt, daß die im Talmud erwähnten öfter«Reisen des Rabbi Akiba nach allen Richtungen der Windrose mit jenem Kriege im Zusammenhänge standen. daß R. Akiba, der, wie der Talmud selbst erzählt, in Ben Cosiba den Messias seines Volkes sah, sein Parteigänger wurde, daß diese Reisen im Interesse der Insurrektion geschahen, und daß die 24,000 Schüler, die er gehabt, auch eben so viele Streiter gewesen, die er für den heiligen Krieg geworben hatte. Zwölftausend Paar Schüler, heißt eS in einer Braitha (Jebavoth 62 d.), hatte R. Akiba von Gabath bis Antipatris, und alle starben in einer Zeit (zwischen Peßach und Schabuoth) und zwar, weil sie sich gegeneinander nicht ehrerbietig benahmen, einen bösen Tod njn nrvD. Was liegt nun näher, als die Annahme, daß der erzählte plötzliche Tod dieser Schüler auf dem Felde der Ehre erfolgt sei, in entscheidenden für die Juden unglücklichen Kämpfen und Schlachten, die um jene Zeit zwischen Peßach und Schabuoth vorgefallen sein mögen! Jenes erwähnte Terrain v'ivd'vzbr nyi paao, von Gibthon bis Antipatris, wovon das erstere südlich, das letztere nördlich an der Grenze Judäa's, beide nahe am Meere gelegen, scheint der Kriegsschauplatz in den letzten Kämpfen Bar CochbaS gewesen zu fein. Ist auch die Lage Bethars, des Hauptplatzes und letzten Zufluchtsortes des Revolutionsheeres, noch nicht ganz bestimmt, so scheint sie doch innerhalb des erwähnten Gebietes sich befunden zu haben. So setzt sie schon Reland eine halbe Meile nördlich von Antipatris, und Grätz (Gefch. d. I. IV. 168) meint, daß sie zwischen Antipatris und Cäsarea gelegen war.*) Auch war sowohl rraj als p-ü »M, der Ort, wo R. Akiba seine Lehrschule hatte, im Antheile des Stammes Dan befindlich (Jos. 19, 44. 45). Wenn auch zuweilen unter dieser Formel (DnöS’MK "iyi rcno) das ganze Judäerland zu verstehen ist, gleich dem biblischen Ausdruck, „von Dan bis Beer Scheba," mit welchem es auch wirklich im Talmud (Sanhedrin 94 b.) paralellistrt wird, so glauben wir doch, daß es hier im engern literalen Sinne zu nehmen sei. Im Talmud Jerusch. (Ende Taanith), wo von den Calamitäten, die der Zerstörung Jerusalems und Bethars nachgefolgt sind, gesprochen wird, berichtet R. Jochanan, wenn auch in hyperbolischer Weise, als Gegensatz zur Verwüstung und zum Verfall Palästina'- in seiner Zeit, von der einstigen Blüthe und ungemein zahlreichen Bevölkerung eben dieses Territoriums von Gabath' bis Antipatris, in welchem eine Unzahl von Städten gewesen wären, deren kleinste Beth Schemesch war. Dieses weiset deutlich darauf hin, daß es diese Provinz gewesen, in welcher der Bar Cochba'sche Krieg gewüthet und seine Verheerungen angerichtet hatte. Nun ist es erklärlich, daß die Trauer um den Hintritt jener Jünger eine generelle, eine berechtigte war. Es ist nun die Analogie der Sephira mit der Zeit vom 17. Tamus bis 9. Ab, welche schon im Talmud Jerusch. (Taanith 4, 8) und Midr. Rabba (Koheleth 12,7) hervorgehoben wurden, in letzterem mit den Worten nV mna va -p a"ü ay?iona i"'"v nrvn, die zum Andenken an die der Zerstörung des Tempels vorangegangenen Unglücksfälle eingesetzt wurden, vollkommen hergestellt, in beiden ist es die Agonie des jüd. Staatskörpers, die das Herz des Volkes noch lange Zeit nachher mit Schmerz erfüllt. Denn der Fall Bethers, der letzten lange und hartnäckig vertheidigten Stadt und Beste in diesem Aufstande wird im Talmud dem Jerusalems ganz gleichgestellt. Zwar findet sich von der Einführung einer ■) Lebrecht Hai zwar vor 3 Jahren die neue Conjectnr aufgestellt, daß nitter Bethar eigentlich Sephoris gemeint sei. Diese Ansicht wurde jedoch voit Mehreren, nenestens ancb von Derenbtlrg widerlegt.

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