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Der Israelit · 1879-04-30 · Heft 18 (30.4.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 18 (30.4.1879)
Date
1879-04-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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456 um seine Hand zu küssen und den Saum seines Gewandes. Diesmal ließ man ihn in Frankfurt nicht los; er mußte versprechen, Weib und Kinder von RoSheim zu holen und seinen Wohnsitz für die Dauer in Frankfurt zu nehmen, ein Frankfurter zu werden. Unterdeß thaten die vom Kaiser erlassenen Verbote die gewünschte Wirkung. Am 8. März erschien in Frankfurt Niemand als die Gesandten des Domcapitels zu Mainz, die constatirten, daß Niemand gekommen und in Folge deS kaiserlichen Verbots die Pläne gegen die Juden vereitelt seien. Jetzt war Kurfürst Albert seines Versprechens ledig, und er wurde den Juden ein wohlwollender Herr. Schon am 3. Juli 1517 gestattete er einem Juden aus Bingen, Namen- Moses, fich mit seiner Familie in der Vorstadt von Mainz, Vilzbach, niederzulassen, Judenburger zu Vilzbach zu werden. Am 20. Januar 1518 gestattete der Kurfürst dem Juden Seligmann und dessen Kindern, Moses und Bulchen, sich in der Stadt Mainz selbst niederzulassen, eine jüdische Wirthschaft und ein kaltes Bad (Mikwah) einzurichten. Das sind die Anfänge der gegenwärtig in Mainz blühenden israelitischen Gemeinde. Durch stets neuen Zuzug wuchs die junge Gemeinde bald derart, daß sie die alte, verfallene Synagoge wieder Herstellen und einen Rabbiner anzustellen vermochte. Der erste Rabbiner der wieder aufblühenden Gemeinde war Rabbi Josua Moscheh, ein Sohn des berühmten Rabbi Salomon Lurja (Meharschal). Ehe Rabbi Joselmann in die Heimath zurückkehrte , ging er nach Worms, um feinen Sohn Jakob, der glänzende Fortschritte in den talmudischen Studien gemacht hatte, zu besuchen. Derselbe war nunmehr ein Jüngling von 18 Jahren, und es wurde bestimmt, daß im Frühjahre seine Hochzeit gefeiert werden sollte. Dann wollte Rabbi Joselmann mit Weib und Kindern zur Hochzeit nach Worms kommen und von dort aus nach Frankfurt übersiedeln. Auch von den Wormser Juden, die ebenfalls von der Ausweisung bedroht gewesen waren, wurde dem Befehlshaber ein feierlicher Empfang bereitet. Wie in Frankfurt, so drang man auch in Worms in Rabbi Joselmann dieser alten, großen und blühenden Gemeinde sich anzuschließen, ja man bot ihm den durch den Tod des Rabbi Me'ir ben Jizchak vacant gewordenen Rabbinerposten an. Es sollten ihm keine Pflichten aufgelegt werden, da die Dajanim alle Functionen zu besorgen beauftragt waren; es sollte ihm nur ein Ehrenamt sein. Allein Rabbi Joselmann mußte die ihm zugedachte Ehre ablehnen; er hatte sein Wort gegeben, Frankfurter „Baal-Bajiß" zu werden. Aber auch dieses Versprechen konnte Rabbi Joselmann noch nicht einlösen. Als er nach dem Elsaß zurückkehrte, fand er dort große Aufregung und Gährung vor. Die bäuerlichen Aufstände, die später eine so große Ausdehnung (der Bauernkrieg) gewinnen sollten, nahmen im Elsaß schon jetzt ihren Anfang. Die Wuth der Bauern richtete sich gegen die Edeüeute, die Geistlichen und die Juden. Kaum hatte Rabbi Joselmann Frau und Kinder wiedergesehen, als ein Bote ihn benachrichtigte , daß in Türkisheim die Juden aus dem Dorfe gejagt worden seien und sich in Lebensgefahr befänden. Es war dies der Ausbruch einer weitverzweigten Verschwörung. Männer aus Sulz, Dambach. Scherweiler und vielen andern Orten hielten nächtliche Zusammenkünfte am Ungersberge, machten weitgehende Pläne und gelobten sich unter den furchlbarstcn Eidschwüren Treue und Verschwiegenheit; die Frohnden sollten abgeschafft, die Zölle und Steuern beseitigt werden; man wollte die Edelleute, Geistlichen und Judcn tödten und ihr Vermögen theilen. Zu früh war der Aufstand in Türkisheim ausgebrochen. Rabbi Joselmann eilte nach Ensisheim und warf sich dem Kaiserlichen Landvogt Wilhelm von Rappoltstein zu Füßen, um ihn zu beschwören, den bedrängten Juden von Türkisheim zu Hilfe zu eilen. Der Landvogt wollte ohne den Bischof von Straßburg nichts unternehmen. Da eilte Rabbi Joselmann nach Straßburg; er fand den Bischof willfährig. Nun zogen die Reisigen des Brschofs mit denen deS Burggrafen aus. um die aufständischen Bauern zu bekriegen. Die Schaaren der Bauern — denen von Türkisheim hatten sich die der benachbarten Ortschaften angeschlossen — wurden zu Paaren getrieben. Ihr Anführer, Hans Ulmann aus Schlettstadt, wurde geviertheilt, andere Rädelsführer gehenkt. Für diesmal war der Aufstand unterdrückt. Die vertriebenen Juden durften wieder in ihre Häuser zurückkehren. — Aber die Gährung dauerte fort, und in so gefährlichen Zeiten wollte Rabbi Joselmann seine Landsleute nicht verlassen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. «Kottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger^.

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