Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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455 Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Die Schließung des alten Friedhofes in Währing und die Eröffnung des Neuen (Abtheilung des Centralfriedhofes) boten dem Vorstande der Chewra - Kadischa in diesem Jahre den Anlaß, die Mitglieder, Gönner und Freunde dieses wohlthätigen Vereines zu einer Generalversammlung einzuladen. Dieselbe hat am 2. März 1879 in Verbindung mit einem Festmahle stattgefunden. Der uns vorliegende Rechenschafsbericht zeigt, daß der Verein während der letzten dreijährigen Rechnungsperiode 3354 Personen mit dem Betrage von fl. 29874.53 kr. ö. W. unterstützt hat. Das eigene Vermögen des Vereines und die von demselben verwalteten Stiftungskapitalien betrugen am 31. December 1878 Nominale öst. W. fl. 88420. — in verschiedenen Effecten, und öst. W. fl. 3981.47 baar. Die Anzahl der Mitglieder beläuft sich gegenwärtig auf 847 Personen, 'darunter 8 Ehrenmitglieder. Das Leichenhofamt, welches der Aufsicht und Leitung des Vorstandes dieses Vereines anvertraut ist, erfordert dessen größte Aufmerksamkeit. Beerdigt wurden im Jahre 1876 1447 Individuen, darunter 16 Chewra-Mitglieder, im Jahre 1877 1465 Individuen, darunter 14 Chewra-Mitglieder, im Jahre 1878 1447 Individuen, darunter 14 Chewra-Mitglieder, zusammen 4359 Individuen. Feuilleton. Kabbi Ioselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XXXXI. „Joselin", sagte jder Kaiser, als der Hofkanzler sich entfernt hatte, „da Du bei mir in Salzburg warst, habe ich Dich zum Befehlshaber und Regierer der gesummten Judenheit deutscher Nation eingesetzt; ich möchte Dir auch heute eine Gnade zu Theil werden lassen. Wer weiß, ob ich Dich jemals wiedersehe; ich fühle es, meine Lebensfackel neigt sich dem Ende zu." „„Gott gebe Eurer Majestät ein hohes und glückliches Alter! Wird jemals wieder ein Kaiser ein so gnädiger und gütiger Schirmherr meiner Glaubensgenossen sein? Majestät, Euer Enkel, König Carl, ist König von Hispanien. Dort hat man meine Brüder und Verwandten grausamlich ausgetrieben. Und wenn nun der König von Spanien wird deutscher Kaiser werden, wird er da nicht den Judenfeinden ein geneigtes Ohr leihen und uns auch aus Deutschland verjagen? Daher nehme ich mit Freuden die mir von Eurer Majestät dargebotene Gnade an und bitte um eine Empfehlung an König Carl von Eurer Majestät eigener Hand." Der Kaiser ergriff die noch vor ihm liegende Feder und schrieb den nachfolgenden Brief: Mein lieber Sohn Carl! Der Inhaber dieses Schreibens ist der Jude Joselin von RoSheim, den ich zum Befehlshaber und Regierer der gesummten Judenheit deutscher Nation eingesetzt habe. Der Mann ist ebenso klug wie treu, brav und fromm. Sollten Dich die deutschen Fürsten zu ihrem Kaiser erwählen, so bitte ich Dich, diesen edlen, guten und braven Joselin in seiner Würde zu bestätigen und den Juden in deutschen Landen ein gnädiger Schirmherr und Beschützer zu sein. Dein getreuer Großvater Maximilian, m. p. Gegeben in unsrer und des Reiches Stadt Kaufbeuren, 29. Januar 1516. Der Kaiser untersiegelte das Schreiben mit dem Sigelringe an seinem Finger und übergab es dem jüdischen Befehlshaber. Dieser verneigte sich und küßte den Saum von des Kaisers Gewand. Maximilian aber reichte ihm die Hand, die Rabbi Ioselmann an seine Lippen führte. „Leb' wohl, Joselin", sagte der Kaiser, und Rabbi Ioselmann ging. Er suchte dann den Hauptmann Jürgen auf, dem er einen kostbaren Diamantring zum Andenken verehrte. Dann ritt er fröhlichen MutheS der Heimath zu. In Frankfurt und in allen oben näher bezeichneten Städten und Ländern sah man mit Spannung der Rückkehr Rabbi JoselmannS entgegen. Tag und Nacht wurde die Synagoge in Frank, furt von Betern nicht leer, die in heißinnigem Gebete zu Gott um Abwendung des drohenden Unheils fleheten. Da kam der Brief des Kaisers an den Senat, und die Juden erhielten durch ihre Kundschafter sofort Nachricht davon. Die Freude war groß, unbeschreiblich. — Bald nachher kam Rabbi Ioselmann in Frankfurt an und wurde mit einer Begeisterung empfangen, die er nicht zu mäßigen vermochte. Alles drängte sich an ihn,