Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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452 nicht fehlgehen, wenn man in dem Humanitätsgewände den Judenhaß verhüllt glaubt. Ein Land, das die Vivisectionen duldet (wir wollen hier nicht über deren Berechtigung oder Nichtberechtigung ein Urtheil abgeben), soll das Schächten wegen der Schonung der Thiere verbieten wollen! Das steht doch fest, daß die Vivisectionen noch so schonend geübt, wenn eine Schonung überhaupt möglich ist, eine haarsträubende Thierquälerei sind, während das Schächten von der Thierquälerei so weit entfernt ist, wie Schwarz von Weiß. Diese Erscheinungen dürfen uns jedoch nicht beirren, aber an uns tritt die Pflicht heran, das Unsrige zu thun, daß diese Erscheinungen aufhören , wir müssen diese Idiosynkrasie bekämpfen. Sehen wir, welche Mittel wohl als erfolgreiche zu empfehlen sind. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 29. April. Wir haben heute an das Central - Comite zu Amsterdam zum Besten der Armen, Nothleidenden rc. im heiligen Lande 3638 Mark 41 Pf. abgeschickt. Die Summe der von uns für die obigen Zwecke in diesem Jahre gesammelten und übersandten Gelder beträgt nunmehr 16,600 Mark 11 Pf. Lanpheim. Vor wenigen Monaten heirathete ein Herr B. von Gailingen eine kinderlose Wittwe von Krailsheim (Bezirksrabbinat Braunsbach). die die erforderliche ns^n sich zu verschaffen nicht für nöthig erachtete. Daraufhin gab sich weder der Rabbiner von Gailingen, Herr Or. Löwe nstein, noch der von Braunsbach, Herr Berlin ger,, noch der hiesige, Herr Kahn, der auch angegangen wurde, dazu her, den Akt der Trauung vorzunehmen. Anders Herr Rabbiner Stern in Buttenhausen. Dieser ließ sich nicht lange bitten, sondern war gleich ponai pio, diese antijüdische Ehe in aller Form Rechtens einzusegnen. Doch sonderbar! — W ährend Herr Stern einer unerlaubten Ehe das Dasein gibt, ist seine ihm angetraute Gemeinde Buttenhausen bemüht, sich von ihm trennen zu lassen, ihm den Scheidebrief zu geben. Schon ist es soweit gekommen, daß die Stern'schen Predigten vor leeren Bä. ken gehalten werden müssen; schon haben die Buttenhauser (dem Rabbiner zur Freude?) ihrem Lehrer, Herrn Straßburger, eine Pracht- und wenthvolle goldne Uhr und Kette zum Geschenk gemacht und schon sind sie bei der Kgl. Jsr. Oberkirchenbehörde klagend gegen ihn aufgetreten. Dieser mißlichen Stellung eine ein Bischen bessere Gestalt zu geben, trat der Buttenhauser Reformator mit seinem ehemaligen Schüler, Herrn I. Laupheimer, Rabbinatskandidat dahier, in Unterhandlung und wollte ihn als Vikar bestellen. Doch dieser gab sich nicht dazu her und so herrscht die ppaw-a norPa heute noch. Zum Schluffe möchten wir wünschen, daß die Gemeinde B. aus dem Kampfe gegen den Mann, der mit nihilistischem Mordstahl das orthodoxe Judenthum niederzudolchen beabsichtigt, als ruhmgekrönte Siegerin hervorgehen möge. **•* Berlin Der Einladungsschrift zu der am 13. April stattgehabten öffentlichen Prüfung der Religions- Schule der Gemeinde Adaß-Jisroel vom Director Rabbiner vr. I. Hildesheimer, welcher eine höchst interessante Abhandlung über „den geschichtlichen und literaturgeschichtlichen Unterricht in der Religionsschule" von 6r. D. Barnaß, vorangeht, entnehmen wir: Indem wir diesen zehnten Bericht der hohen Behörde und den Eltern der uns anvertrauten Zöglinge übergeben, erlauben wir uns die Aufmerksamkeit unserer Fachgenossen auf den Lehrplan unserer Schule zu lenken,* in welchem wir außer dem Umfange auch die Methode unserer Lehrthätigkeit darzulegen versucht haben. Wir haben durch diese Neuerung eine Anregung zu einem gegenseitigen Gedankenaustausch auf diesem Gebiete geben wollen. Zu dem beigegebenen Lehrplan haben wir ergänzend zu bemerken, daß auch in diesem Jahre die Barmizwah- Knaben in den Vorschriften über Tefillin und Zizis und den Neginahregeln unterwiesen wurden, und daß ein von dem „Talmudverein" subventionirter Talmud- Cursus den reifern Schülern Gelegenheit bietet, außerhalb der Schulzeit diese für die Kenntniß der jüdischen Religion unerläßliche Disciplin zu pflegen. Durch das von dem Schulvorstande ausgearbeitete und der Plenaversammlung der Gemeinde Adaß-Jisroel genehmigte Schulstatut haben unsere Institutionen die längst erstrebte Stabilität erlangt; das Gedeihen der Anstalt kann hierdurch nur gefördert werden. Für das kommende Schuljahr haben wir auch für die untersten Klaffen Separatcurse für Knaben und Mädchen in Aussicht genommen, und erwarten wir von dieser Neuerung eine Erweiterung des Kreises, der uns im verflossenen Schuljahr 295 Zöglinge anvertraut hat. In diesem Vertrauen der Eltern und in den Resultaten, welche durch den religiösen Geist der Anstalt erreicht werden, finden wir die Quelle des Muthes, an die Entwicklung und Verbreitung der Gotteslehre innerhalb der Heranwachsenden Generation zu glauben. — Es standen uns in der Erfüllung der 'gestellten Aufgabe im verflossenen Schuljahre zur Seite: die *) Ist dein Berichte angeiügt.