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Der Israelit · 1879-04-23 · Heft 17 (23.4.1879) · page 38

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 17 (23.4.1879)
Date
1879-04-23
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Jssachar war krankheitshalber zu Hause, und es gelang seiner Vorsicht, ungefähr 30 Personen in einen engen Hof zu flüchten, wo sie vor dem Begrabenwerden bewahrt geblieben sind. Unter vieler Gefahr bahnten sich unsere Leute bis zum jüdischen Begräbnißplatze den Weg, wo wir die gefundenen Leichen bestatteten. Als diese Arbeit von der Nacht unterbrochen wurde, wandten wir unsere Sorge den Lebenden zu, welche sich in einem janmervollen Zustande befanden. Der Eine hatte seine Eltern, der Andere seine Frau oder Geschwister verloren, Andere ihre ganze Familie. Todesschrecken hatte alle ergriffen; man hörte fast nur den Wunsch, die Leichen der Angehörigen wiederfinden und bestatten zu können. Wir suchten die Unglücklichen zu trösten, zu beruhigen, und nach der Vertheilung der Lebensmittel suchten wir die Verwundeten und Verstümmelten auf. Sie waren in Baracken und Zelten untergebracht, und hatten die erste nothwendigste Hülfeleistung erhalten. Am Mittwoch mit Tagesanbruch nahmen wir unsere Arbeit wieder auf. An diesem Tage kamen ungefähr 30 Israeliten mit Lebensmitteln von Smyrna an. Auch Madame Jousselin und Dr. Vanda, der Arzt des jüd. Hospitals zu Smyrna, kamen mit. Diese suchten zunächst die Verunglückten besser unterzubringen. Dr. Vanda untersuchte und verband die Blefsirten; ein Kind mußte amputirt werden, und wurde während der Handlung von Mad. Jousselin auf der Straße auf dem Schoße gehalten. Dr. Van da kehrte alsdann wieder zurück, und nahm dieses Kind und andere Verwundete mit nach Smyrna. Andere habe ich fortgeschickt; gegenwärtig befinden sich nur noch zwei Blessirte hier. Sie wollten nicht fort, und werden auf dem Dampfer „du Bouvet“ verpflegt. Die Ausgrabungen wurden weiter fortgesetzt, und wir hatten die große Freude, ein noch lebendes Kind zu finden. Es ein 3jäh?iges Mädchen, welches sich seit Sonntag in diesem Zustande befunden hatte, und welches aus Befragen sagte, daß ein Huhn ihm jeden Tag ein Ei gelegt habe, welches es gegesien habe. Nachdem sich das''Kind erholt hatte, schickte ich es, da es ganz verwaist ist, nach Smyrna. Vier Leichen wurden im Laufe des Tages noch aufgefunden. Da die Erderschütterungen nicht nachließen, sondern in kurzen Zwischenräumen Stoß auf Stoß folgten, wurde das Hinwegräumen des Schuttes immer gefährlicher. Gegen Abend war ein Theil unserer Leute so entmuthigt. von solcher Furcht ergriffen, daß sie mich verließen. Ich bot große Belohnungen, allein es war vergebens, und da ich sie nicht mit Gewalt zurückhalten konnte, ging auch der andere Theil am Donnerstag fort. So bin ich jetzt mit meinem Diener Jacob Ha'im, einem sehr muthigen, entschlossenen Manne allein hier. Am Donnerstag kam Herr Alexander Sidi an. den sein Vater zu meiner Unterstützung sandte. Wir versprachen nun zwei Livres für den Leichnam, und es gelang uns endlich, einige Arbeiter zu gewinnen. Diese fanden noch an demselben Abend zwei, am Freitag drei und heute morgen einen. Die Zahl der Gefundenen, denen wir die letzten Pflichten erwiesen haben, ist 13. Zwölf Personen werden noch vermißt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß wir Alles nach bestem Ermessen zu vertheilen gesucht haben, und Jedermann bewundert die Ausdauer unserer Arbeiter. Um den dringendsten Anforderungen genügen zu können, mußte ich eine Summe leihen; die Ueberlebenden sind von Allem entblößt, und es erfordert viel, um sie vor Mangel zu schützen. Augenblicklich sind wir beschäftigt. Baracken für die Israeliten zu bauen, um ihnen zu Pessach ein Obdach bieten zu können. Die internationale Hülfsgesellschaft zu Smyrna hat etwas zur Beschaffung von Mazzoth bewilligt. Da ich nicht Gefahr laufen möchte, Ausgaben zu machen, die nicht genehmigt werden könnten, erwarte ich mit großer Spannung die Antwort des Telegramms, das ich Ihnen sandte. Indessen habe ich mir eine Grenze gesteckt, die ich hoffe, nicht überschreiten zu müssen. Ein französischer Ingenieur, M. H., telegraphirte an Herrn v. Camondo und forderte ihn auf, etwas für die Israeliten zu thun; er selbst hat sich mit mir zur Unterstützung der Unglücklichen vereinigt. IN Tchesme, wo sich 15 Glaubensgenossen befinden, hat es auch große Verwüstungen gegeben; die Zahl der Verschütteten ist aber gering und nur der Tod von zwei Kindern zu beklagen. Am Mittwoch habe ich von hier Lebensmittel hingesandt. Gestern traf ein Abgesandter bei mir ein, um mich von den traurigen Verhältnissen, in denen sich unsere Brüder in Tchesme befinden, in Kenntniß zu setzen. Ich rechne darauf, in zwei Tagen zu ihnen gehen zu können, denn ich kann unsere Glaubensbrüder in dieser Trübsal, wenn auch Hülfe von allen Seiten geleistet wird, nicht ohne geistigen Trost und Zuspruch lassen. Der General-Consul. Herr G. Pelissier, in Smyrna hat am Dienstag seinem Agenten in Chios telegraphirt, daß er und der Commandant des „Bouvet“ mir ihren Beistand anbieten möchten. Das Dampfschiff „du Bouvet“ ist das erste, welches sich hier zur Rettung der Unglücklichen stationirt hat. Ich logire seitdem am Bord dieses Schiffes. Herr Spadora, Agent des franz. Consulates, ist voll der fürsorglichsten Liebenswürdigkeit, um hülfreiche Genossenschaften organisiren zu können. Er war der Erste, welcher die Nachricht von der Katastrophe ver-

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