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Der Israelit · 1879-04-23 · Heft 17 (23.4.1879) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 17 (23.4.1879)
Date
1879-04-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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436 reichverziertes Medaillon mit dem Brustbild der Gräfin, das sie am Morgen angelegt hatte, ihr fehlte. Wo sie es verloren, ob am Tage im Freien, oder vielleicht Abends beim Mahle? — Das Medaillon war ihr werth, die Gräfin hatte sie erst vor wenigen Tagen damit beschenkt. Die Nacht war schon ziemlich vorgerückt, im Schlosse war Alles ruhig. — Jakobine ergriff einen Leuchter, zündete die Kerze an und nachdem sie sich nochmals überzeugt, daß die Gräfin ruhig schlief, öffnete sie leise die Thür ihres Zimmers und schlich hinaus auf den Corridor. Leise schlich sie die Stiegen hinunter in den Salon, in dem am Abend die Gesellschaft geweilt. Gespenstisch warf die Kerze ihren flackernden Schein durch den weiten gothischen Raum, den sie nur nothdürftig erhellte. — Das junge Mädchen durchsuchte den Salon nach jeder Richtung, jeden Winkel — das Medaillon war nirgends zu finden. Aergerlich über ihre vergebliche Mühe und mehr noch über ihren Verlust, machte sie sich endlich auf den Rückweg. Leise wie sie gekommen war, schlich sie auch die Stiegen wieder hinauf. Sie hatte die oberste Stufe bereits überschritten und war eben im Begriff, sich der Richtung zu ihrem Zimmer zuzuwenden, die brennende Kerze hielt sie noch immer in der Hand, ihr eigener Schatten fiel auf die Wand an ihrer linken Seite, da gewahrte sie Plötzlich an dieser Wand zwei menschliche Schatten. Ihr Herzschlag stockte; von unnennbarem Entsetzen einen Moment wie gelähmt, wollte sie im nächsten hastig weiter eilen — da hörte sie ihren Namen von wohlbekannter Stimme flüstern, unwillkürlich wandte sie sich um — Graf Waldensee stand vor ihr. „Jakobine", wiederholte er leise, indem er das vermißte Medaillon ihr entgegenhielt. „Ah!" rief sie freudig, indem sie die Hand danach ausstreckte. „Ich fand es unter Ihrem Sessel, bald nachdem Sie uns verlassen", fuhr der Graf in demselben Flüsterton fort: „ich hatte die Absicht, es Ihnen morgen frühe zurückznstellen. Doch als ich vorhin von meinem Fenster aus einen Lichtschein im Speisesaal bemerkte, vermuthete ich sofort und, wie ich sehe mit Recht, daß ma belle cousine ihren Verlust bereits entdeckt und darüber beunruhigt ist. Deßhalb eilte ich, trotz der vorgerückten Stunde, Ihnen meinen Fund zu übergeben." „Wie kann ich Ihnen danken, Herr Graf —" Sie hatte das Medaillon ergriffen, aber auch er hielt es noch und bevor sie es verhindern konnte, hatte er ihre Hand erfaßt. „Jakobine", flüsterte er, „möchten Sie mir wirklich danken?" „Herr Graf" — stammelte sie erschreckt und wich um einen Schritt zurück — er folgte ihr. „Lassen Sie mich", flehte das erregte Mädchen, „um Gotteswillen, Herr Graf, — wenn man Sie hier träfe." Der Graf bog seine Knie vor ihr. „Jakobine! ich liebe Dich — ich liebe Dich unaussprechlich! —" „Herr Graf —" stammelte sie, „Sie treiben Ihr Spiel mit mir — Sie kennen meine Herkunft —" „Was kümmert mich Deine Herkunft! ich liebe Dich — Dich ausschließlich und allein —" Er wollte ihre Hand an seine Lippen ziehen, doch sie entwand sie ihm — „Nein, nein —" Da stockte sie, ein halblautes Aechzen drang an ihr Ohr, — auch Graf Waldensee lauschte. „Was ist das?" flüsterte er. „Das kommt aus dem Zimmer der Frau Gräfin", entgegnete Jakobine angstvoll, „ihre Excellenz muß erkrankt fein." Sie eilte durch ihr nahe gelegenes Zimmer in das der Gräfin. Graf Günther war taktvoll genug, ihr nicht zu folgen; er legte lauschend sein Ohr an das Schlüsselloch der äußeren Thür, die zu dem Zimmer seiner Mutter führte. Er vernahm Jakobinens ängstlich flehende Stimme und dazwischen das Aechzen seiner Mutter, zuweilen war's ein Röcheln. Leise pochte er an die Thür, Jakobine schob den Riegel zurück. „Herr Graf, rasch einen Arzt, Excellenz sind in größter Gefähr." Ein Blick auf das Bett, wo die Gräfin nach Athem ringend einer Sterbenden gleich da lag, überzeugte ihn, daß die Befürchtung des jungen Mädchens begründet, und rasch stürzte er fort. Das ganze Schloß gerieth in Bewegung. Ein reitender Bote ward hinab in's Dorf geseudet, den ersten besten Arzt herbeizuschaffen, ein anderer ward zur nächsten Telegraphen-Station beordert, die beiden ersten medicinischen Autoritäten aus der nächsten Stadt telegraphisch zu berufen. In Thränen aufgelöst kniete Jakobine am Krankenbette; sie liebte die Gräfin, von der sie so mannigfache Wohlthaten empfangen, von ganzem Herzen und strebte mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln der, allem Anschein nach mit dem Tode Ringenden Erleichterung zu verschaffen — es wollte ihr nicht gelingen, die Athemnoth nahm zu. Laut schluchzend bedeckte Jakobine die Hände,

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