Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1879)
- Date
- 1879-04-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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431 nieder an ihr. Welches sind die Engel Gottes, die an dieser Leiter emporstiegen und welches sind die, so herniederziehen müssen? — Die Engel Gottes sind die Kaiser und Könige, die Lenker der Geschicke der Völker, und wir armen verfolgten und unterdrückten Juden, wir gleichen dem aus dem Vaterhause fliehenden, von seinem Bruder verfolgten Jakob. Die Kaiser und Könige, die uns Gutes erweisen, sie dürfen emporsteigen an der Himmelsleiter, aber die, so uns wehe thun — sie müffen hinab, hinunter zum ewigen Verderben. Majestät, nicht der Fürsten Gunst oder Ungunst, sondern der Rathschluß deS allmächtigen Gottes wird Eurer Majestät Enkel die deutsche Kaiser- Krone auf das Haupt setzen oder sie ihm entziehen." Der Kaiser antwortete nicht; er saß da, in tiefes Nachdenken versunken. „Majestät," fuhr Rabbi Joselmann zu reden fort, „ich habe GotteS gnädige Fürsorge unzählige Mal empfunden, aber nie in dem Grade, wie eben in dieser Angelegenheit, um deretwillen ich mich jetzt Eurer Majestät zu Füßen werfe. Ich fand in Frankfurt am Main einen in Lumpen gehüllten Jüngling, der sich für einen Ritter, einen Dichter und Gelehrten ausgab. Niemand glaubte ihm, Niemand wollte ihm helfen. Ich erbarmte mich sein, kleidete ihn und gab ihm eine standesgemäße Ausstattung, kaufte ihm Rüstung, Schwert und Roß. Und dieser Mann war es, der mein Fürsprecher wurde bei dem jungen Kurfürsten von Mainz, so daß derselbe mich gnädiglich anhörte und mir versprach, von jedweder Verfolgung meiner Brüder abzulassen, wenn Eure Majestät ihm dies befehlen würden." „„Und wer war jener fahrende Ritter?"" „Er nannte sich Ulrich von Hutten." „„Ah; der junge Ulrich von Hutten! Ich kenne seinen Namen; er ist ein großer Dichter und hat mir ein Lobgedicht auf meine Person eingesandt. Also, Du sagst, Kurfürst Albert wird es mir nicht übel deuten, wenn ich mich meiner Kammerknechte annehme? Wahrscheinlich ist er durch ein Versprechen gebunden, und ist vielleicht froh, wenn mein Befehl ihn an der Ausführug hindert."" „Eurer Majestät Weisheit ist die Wahrheit nicht verholen geblieben." Maximilian zog an einer Klingelschnur, der dienstthuende Kammerherr trat em. „„Rufe mir den Kuttenfelder!"" Der Kammerher ging. „„Ja, ja,"" sagte der Kaiser, „„mein alter Cyprian ist gestorben wie so viele andere meiner Freunde und Räthe. Nur noch wenige Jahre, und ich werde ihnen Nachfolgen!"" „Gott erhalte Eure Majestät noch lange gesund und kräftig!" Der Hofkanzler trat ein. „„Kuttenfelder,"" sagte der Kaiser, „„setze ein Schreiben auf an den Kurfürsten von Mainz, daß ich ihm ernstlichst verbiete, die Juden aus seinen Landen zu vertreiben. Du findest alles Nähere in den gestern angekommenen Briefschaften und namentlich in der Bittschrift der Juden zu Frankfurt."" „Majestät verzeihen," sagte Rabbi Joselmann, „wenn ich mir noch ein Wort zu reden erlaube. Wollten nicht Majestät gnädigst an jeden einzelnen der in Frankfurt versammelt gewesenen Fürsten, Grafen und Reichsstände eine allerhöchste Abmahnung ergehen lassen?" „„Auch das! Besorge es, Kuttenfelder! Und Du, Joselin, komme morgen um diese Stunde wieder; da will ich Dir die Briefe zur Einsicht vorlegen."" Als am andern Morgen Rabbi Joselmann vor dem Kaiser erschien, lagen die Briefe zur Unterschrift des Kaisers bereit; er reichte sie dem Juden und sprach: „Lies, ehe ich unterschreibe. Vielleicht hast Du etwas daran auszusetzen, so soll es geändert werden." Rabbi Joselmann laS: „Ehrwürdiger Lieber Neveu und Churfürft. Uns haben die gemeine Judischheit am Rein und daselbst umb wohnhaft zu erkennen geben lassen, wie wol sie von einer jeden Herschaft darunter Sy dan gesessen. Auch sonderlich die so in deiner Lieb, Stift und gebiet waren von dir in eingangs deiner Regierung auf eine benannte Anzall Jare, in Ewern Landen, Herrschaften und gebiten zu wonen gefreyet und deshalben mit genügsamer verschreybungen versichert worden seyen. So soll doch unangesehen desselben Dein Lieb bey andern, vnder denen bemelt Judischheyt zum teil sitzen in strenger und täglicher Uebung und Handlung sei. dieselbig Judischheit aus Euren gepiten auszütreyben, vnnd Kainen mer anzunemen, vnd deshalben verschiner Zeit mit andern mer zu Frankfurt trefentlich Handlung und Tagsatzung gehalten, Auch jetzo zu beschlüß vnnd Vollziehens solcher Euer fürgenomenen Handlung abermals einen Tag daselbsthin gen Frankfurt auf Sontag nach Jnvocavit — 8. März — in der vasten schierskünftig angesetzt und ausgeschrieben haben, dessen Sy sich merklichen vor uns beschwert vnnd uns darauf umb vnser gnedig Hilf demuetlich angerufen vnd gebelten vnnd so dan solch fürnemen vnnd austreybung bemelter Judischheit on unser sonder wiffen vnnd vergönnen (dhweil die on alles in unser und des Reichs