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Der Israelit · 1879-04-23 · Heft 17 (23.4.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 17 (23.4.1879)
Date
1879-04-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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430 ertheilt und der auch gerne bereit ist, Israel. Knaben, welche diese ausgezeichnet dirigirte Anstalt zu besuchen gedenken, als Pensionäre bei sich aufzunehmen 50 Zöglinge, welche in dieser Schule ausgebildet wurdet haben bereits das Examen für den einjährigen Freiwilligendienst gut bestanden. Außer den gewöhnlichen UnterrichtSgegenständen, welche daselbst, wie in jeder Real- und höheren Bürgerschule gelehrt werden, können die isra?l. Schüler sich auch im Hebräischen die wünschenswerthen Kenntnisse aneignen. Am Sabbat und Feiertagen wohnen sie dem Gottesdienst in der Synagoge bei; auf Wunsch der Eltern können sie auch am rote? ganz vom Schulbesuch dispensirt werden. Die gesunde und reizende Lage Miltenbergs, welche bekanntlich so viele Fremde aus der Nähe und Ferne, sowohl vereinzelt, wie in großen Vergnügungszügen anzieht, wird außerdem nicht wenig dazu beitragen, daß recht viele Eltern, deren Herz für die Erhaltung und Bewahrung des echten und unverfälschten Judenthums noch warm schlägt, sich bewogen fühlen werden, ihre Kinder der religiösen Erziehung des Herrn vr. Fiebermann anzuvertrauen. Frankfurt a. M., IG. April (Rügegericht.) Die Verhandlungen des Rügegerichts, welche im großen Ganzen durch ihre Monotonie wenig Interesse gewähren, wurden heute durch einen eigenthümlichen Fall unterbrochen. Ein Bäckermeister in Langenselbold hatte für seine Glaubensgenossen die sog. Matzen zu backen. Nach dem jüdischen Ritus muß das Mehl für diese Osterkuchen in einer eigens dazu gereinigten Mühle gemahlen werden. Der Bäcker besaß nun das Vertrauen in hohem Grade, denn Jedermann war fest überzeugt, daß bei ihm Alles den Ritualien entsprechend angefertigt werde. Ein anderer Becker, welcher ebenfalls Matzen fabricirt und seinen Laden auch auf dem Judenmarkt hat, behauptet nun von der Waare des Concurrenten, sie sei nicht „jomteftig", denn das Mehl hierzu sei in der großen Hauser Mühle gemahlen worden und der Langenselbolder Bäcker verlor in Folge dessen seine ganze Kundschaft, was für ihn gleichbedeutend war mit dem Verluste von 3000 M., da er für diese Summe Matzen jährlich absetzte. Bald erfuhr er, von welcher Seite das Gerücht ausgegangen war, und stellte Strafantrag gegen den Urheber desselben, welcher ihn so hoch in seinem Interesse geschädigt hatte. Mittlerweile stellte sich jedoch heraus, daß das Mehl wirklich in der Hauser Mühle gemahlen worden ist, mithin wohl der Verdacht, die Matzen seien nicht jomteftig, nahe lag. Um die Frage genau entscheiden zu können, läßt der Gerichtshof verschiedene Rabbiner vernehmen und es wurde deßhalb neuer Termin angesetzt. (Frkf. I.) Rußland. Moskau. Die Nachwehen des blinden Aberglaubens (welchem die Anklage im Monstre-Processe in Kutais gegen die eines Christenmordes zur Abzapfung von Passah-Blut angcschuldigten Inden reiche Nahrung verlieh) machen sich in Rußland geltend. Die russische St. Petersburger Ztg. schreibt anläßlich eines analogen Vorfalles: , Einige Unbekannte haben in Moskau das Gerücht circuliren lassen, daß ein Polizeisoldat jüdischer Confefsion einen Knaben in seinem Wächterhäuschen, nahe an der Krim'schen Brücke, umgebracht habe, indem er ihm den Hals aufschnitt, das Blut in einem messingenen Kessel auffing und dieses den Juden zur Celebrirung des Passah-Festes verkaufte. Das Gerücht fügt hinzu, daß der Soldat bereits sieben, anderen Versionen nach — zwölf Christenknaben auf dieselbe Weise und zu demselben Zwecke geschlachtet habe, und daß die Polizei, die bei dieser Gräuelthat betheiligt sei, sowohl den Mord als den Mörder verhehle und auch dem Arme der Gerechtigkeit entziehen werde. Man ging sogar weiter: Zum 20. März (1. April) war die Erschießung des Mörders angesagt, und als am genannten Tage ganze Volksmengen sowohl aus der Stadt als aus deren Umgegend auf das „Jungfernfeld" pilgerten, um der Execution beizuwohnen, war der Auflauf so stark und das alberne, boshafte Gerücht so fest eingewurzelt, daß einige besonders vorlaute Pilgersleute zur Beruhigung und Abkühlung ihres eigenen Blutes einstweilen in Polizei-Arrest wandern niußten. Wenn dergleichen in Moskau passiren konnte, wer kann dafür einstehen, daß ein ebensolches Ereigniß wo nicht in diesem, so doch im nächsten Jahre in unserem Westen geschieht, und zwar dann mit weit ernsteren Folgen als hier?" (Siehe den über dieselben Vorgänge uns zugegangenen Bericht in der 2. Beilage.) F t n i 1 I e t o n. Kabbi Ioselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XXXX. Rabbi Joselmann wurde durch die Worte des Kaisers sehr hart betroffen. Er betete in seinem Herzen zu Gott, daß Er ihm daS rechte Wort in den Mund lege, um den Kaiser anderen Sinnes zu machen. „Majestät," sagte er, „als unser Vater Jakob, allein und verlassen, aus Dem Vaterhause entfliehen mußte vor seinem Bruder Esau, da erschien ihm in der Nacht im Traume eine Leiter, die auf der Erde stand und deren Spitze bis in den Himmel ragte; und Engel Gottes stiegen hinauf und her«

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