Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1879)
- Date
- 1879-04-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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432 Kammer geboren vnnd gebraucht werden) nit zu-! gern, noch geschehen soll oder mag; So empfehlen wir deiner Lieb mit ganzem Ernst vnnd sonder vleiss, daz du abir den Engemellten furgenomenen Tag wiederumb abkundest vnnd mer darin nichts handelst, Sondern die Judischheit in deiner Lieb Stift vnnd gebiett wie bisher Laut yr beyhandigen Freyheit wonen, vnd an unfern willen vnd zugeben nit austreiben lassest, daran thunt dein Lieb genutzlich vnser ernstliche Mahnung. Geben in vnser und des Reichs Statt Kaufpeueren am acht und zwanzigsten tag January. Anno millesimo quingentesimo sexto decimo , vnsres Reichs im dreißigsten Jor. Ad mandatum Imperatoris Kutten selber." „Dank, Majestät, unendlichen, innigen Dank!" rief Rabbi Joselmann, als er das Schreiben zu Ende gelesen. Der Kaiser reichte ihm darauf das andere Schreiben. Rabbi Joselmann las auch die* ses; es lautete: „Wir Maximilian von Gottsgnaden erwelter - Römischer Keyser zu allen zeiten merer des Reichs ' in Germanien, zu Hungarn, Dalmatien, Croatien < ic. König, Ertzherzog zu Oestreich, Herzog zu Bur- ' gund, zu Brabant und Pfalsgrave rc. entbieten dem Erwürdigen, hochgebornen unser Neveu, Schwager, Churfürsten, wolgebornen, Edeln, Ersamen, andächtigen vnd des Reichs lieben getreuen Albrecht und Erzbischöfen zu Mainz und Magdeburg, des hei- - ligen Römischen Reichs in Germanien Erzkanzler,! Ludwig Palltzgraven bey Rein, Herzogen in! Bayern, des heiligen Römischen Reichs Erztruchj festen, vnd Abt des Gotshaus Fulda, vnd dem j Cavitel des Domslifts zu Meintz, Michaeln vnd j Georgen, Grauen von Wertheim, vnd den Grauen! von Hanaw zu Hanaw vnnd Babenhausen, Phi-! lipson, Grauen zu Nassau zu Wiesbaden vnd den : Gauerben der Schlösser Fridberg, Cronberg, Geilnj hausen, Lintheim, Rückingen. Falkenstein vnd Bur-! germeister vnd Räthen der Stadt Worms, Francs : furt, Geilnhusen vnd Wetzlar, vnsre freundschaft,! gnade vnd alles gut Erwürdigen hochgebornen! vnsren Neveu, Schwager, Churfürst, Fürsten, j Wohlgebornen Edlen, Ersamen, Andechtigen vnd i des Reichs lieben getreuen, Uns hat die gemeyne Judischheit in ewern Landen und gepieten sesshaft; zu erkennen geben lasten, wiewol sie von ewern jeden in sunderheit uff ein benamtanzahl Jar in! denselben ewern Landen vnd gepieten zu wonen gej freyet vnnd deshalben genügsame Verschreibungen versichert worden seyen, So sollt Ir doch vnangesehen ynn strenger vnnd täglicher Uebung und Handlung sein, dieselbe Judischheit aus ewern Gepieten außzutreiben vnnd keinen mer anzunehmen vnnd deßhalb verschiedener Zeit zu Frankfurth treffentlich Handlung vnnd Tagleystung miteinander gehalten. Anch ytzo zu beschlutz vnnd Vollziehung solcher ewer fürgenommen Handlung abermals einen Tag daselbsthiu gein Frankfurt auf Montag nach Jnvocavit in der Fasten schierskünstig angesezt vnnd ausgeschrieben, das sie sich merglichen vor uns 'beschwert vnnd vns darauf vm vnsere Kaiserlich Hilff vndertheniglich angerufen vnnd gebetten haben vnnd sodann solich furnemen vnd austreibung bemelter Judischheit on vnser sonder wissen und vergönnen, dieweil die on allen mittel in unser und des Reichs Camer gehören vnnd gebraucht werden, nit zugeben und gescheen soll, oder mag, So fragen wir solicher ewer Handlung und fürnemens nit unpillig missallen, vnd gebieten, daraus auch allen vnd ewer jeden insonderheyt mit ganzem ernst und wollen, das Ir also dem obgemelten fürgenommenen vnd angesetzten Tag Keinesw-'ges besucht, noch ferner durin handelt oder procediren, sondern genzlich danut stillsteen vnnd die Judischheit in den berürten oweren landen und gepichen wie bisher laut Jrer beyhendigen Freiheit wonen, vnnd on unfern willen vnd zugeben nit austreiben lasset, daran thut Ir genutzlich vnser ernstlich meynung. Geben in unser vnd des Reichs Statt Kauffpewern am neun und zweiuzigsten Tag des Monats January, fünfzehnhundert und im Sechtzehnten, unseres Reichs des Römischen ym dreysichsten vnnd des hungarischen im Sechs vnnd zweintzigsten Jare. Ad mandatum Dominini Imperatoris Kutten feld er. *)" „Majestät," sagte Rabbi Joselmann, als er zu Ende gelesen hatte, ..unsere Gebete und die unse»' rer Kinder werden stets für Euer Majestät zeitliches und ewiges Heil zu Gott emporsteigen." Der Kaiser ließ sich eine Feder reichen, unterschrieb die beiden Briefe und übergab sie dem Hof- Kanzler zur Weiterbeförderung. (Fortsetzung folgt.) Tie Crigimilc dieser beiden Briefe befinden sich im ehemaligen Ammirstlich-Mainzer Archiv. Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Redacrion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).